Spießig?

Da hab ich nun auf meine alten Tage die Gartenarbeit für mich entdeckt und jetzt kommt ganz neu das Ernten und Konservieren hinzu. Kräuter trocknen ist leicht. Aber nachdem der Reineclaudenbaum mir heute die ersten reifen Früchte quasi schon nachgeworfen hat, war meine allererste Marmelade angesagt. Ich bin also mit offenen Händen an den Ästen langgestriffen und habe alles gesammelt, was sich freiwillig löste. Dann gewaschen, entkernt, geschnibbelt. So, wie ich es mir vorgestellt hatte, in der Abendsonne, draußen.

In der Küche gings weiter, gewogen, Zucker abgemessen, gemischt und gerührt, alles in den Topf, gekocht. (Danke im übrigen an die mir unbekannte Marilies aus dem Burgenland, die via Internet simpelste Anfängertips gibt.) Schließlich die alles entscheidende Gelierprobe. Ich habe mich an meine Kindertage zurückerinnet, an die gerunzelte Stirn und den ernsten Gesichtsausdruck meiner Mutter dabei und versucht, dies so werkgetreu wie möglich nachzuahmen. (Ich hätte allerdings keine Ahnung gehabt, was zu tun sei, wenn DIE GELIERPROBE mißlingt.) Verzweifelt den hölzernen Kartoffelstampfer und den Schöpflöffel mit der Auslauftülle gesucht und mich (wie immer in diesen Fahndungssituationen) versucht zu erinnern, ob ich die Dinger überhaupt hierher verschifft habe und wenn ja, wo um Himmels Willen ich sie denn hingeräumt haben könnte…

Jetzt stehen auf dem Küchentisch kopfüber die ersten sieben Gläser Marmelade, dem Baum sieht man nicht einmal an, dass was fehlt und ich ersuche alle einmacherfahrenen Freundinnen, deren Mütter und alle, die sonst noch Ahnung davon haben, dringend um Rat:

– habt ihr Rezepte, Ideen, Vorschläge für die zu erwartenden Reineclaudenmassen?

– kennt sich wer aus beim Einkochen mit Zucker und Pektin in separaten Beutelchen (man kocht hier ein wie in den Fünfzigern, der Gelierzucker ist noch nicht erfunden)?

– welche Behältnisse, außer Einmachgläsern, könnte man denn noch verwenden? Bisher wars immer so, dass solche diffusen Fragen mit einem Besuch bei der Heilsarmee zu lösen waren. Mal schauen, was die am Samstag so da haben.

Danke allen, die mich mit Tips versorgen.

Auf der Pektinpackung steht zu lesen, dass man zunächst reifes Obst KAUFEN soll. Ist ja auch nicht so, dass das einfach auf Bäumen wächst…

“A train broke down in the South”…

Ich, von den Göttern mit einer lebhaften Phantasie gesegnet, wurde bei dieser Durchsage von einem Bildersturm überflutet. Wie der arme Zug, tagelang, ohne Pause und Wasser, von wilden “YeeHaa” brüllenden Reitern durch eine rote Steinöde gehetzt wird, schließlich, am Ende seiner Kräfte angekommen, tot umfällt, und ein einsamer runder Wüstenstrohballen im heißen Wind noch weiter südlich rollert…

Dafür sind die angekündigten 10-Trauerwarteminuten nicht zu viel verlangt, das sitzt man, im wohlklimatisierten Abteil, auf einer Arschbacke ab. Wissend, dass das mindestens doppelt so lang dauern wird. Nach einer halben Stunde konnte ich leichte Unruhe bei den Mitreisenden feststellen, jede/r berichtete den Lieben daheim via Mobiltelefon, dass es ein wenig später würde und die genschlten (wieder keine Vokale vorrätig) Durchsagen gingen bei dem Geräuschpegel vollends unter.

Nach einer Stunde gingen die Zugbegleiter durch und teilten abteilweise mit, dass der Dispatcher sie auch nicht informiere, und man sich doch zurücklehnen und relaxen solle – man habe schließlich ohnehin keine andere Wahl… Stimmt, inzwischen waren alle blaugefroren und steif. Irgendwann kam der Zug ins Rollen. Kurz vor jeder Haltestelle brüllten die Schaffner hektisch ins Mikro, man möge sich doch bereits jetzt zum Aussteigen bereit machen, und den Zug an der Station zügig verlassen, damit man die verlorene Zeit irgendwie wieder einfahren könne.

Dann, kurz vor dem “South San Francisco”-Bahnhof (eine Haltestelle vor San Bruno) blieb der Zug stehen. Und stand. Und rührte sich nicht mehr. Nach einer Viertelstunde teilten die Zugbegleiter mit, dass wir stehen. Auf unbestimmte Zeit, weil, s.o. der Dispatcher nicht mit jedem, und schon gar nicht mit dem Zugpersonal spricht.

Ich war 2 Stunden später als gemäß Fahrplan vorgesehen zu Hause. Ich hatte ja eigentlich auch nichts großartiges vor: ein nettes kleines Abendessen draußen, ein paar Seiten lesen und kurz vor Sonnenuntergang gießen. Zum Glück habe ich eine Außenbeleuchtung und bestimmt mögen die Bäume frisches Wasser bei Sternenlicht ganz besonders gern.

Morgen nehme ich das Auto.

Die Gedanken sind frei…

Ich zitiere nachfolgend aus den FAQ des „Federal Fair Housing Law“:

What are the laws for roommates and shared housing?

Federal Fair Housing laws for roommates and shared housing have two components: advertising and decision-making.

  • Advertising: Federal Fair Housing laws prohibit discriminatory advertising in all housing, regardless of how large or small the property. However, as discussed below, advertising which expresses a preference based upon sex is allowed in shared living situations where tenants will share a bathroom, kitchen, or other common area.
  • Decision-making: Although the prohibition on discriminatory advertising applies to roommate and shared housing situations, federal Fair Housing laws do not cover the basis of decisions made by landowners who own less than four units, and live in one of the units. This means that in a situation in which a landlord owns less than four rental units, and lives in one of the units, it is legal for the owner to discriminate in the selection process based on the aforementioned categories, but it is illegal for that owner to advertise or otherwise make a statement expressing that discriminatory preference.

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Also quasi:  “diskriminieren hätt’ ma scho wolln, aba düafn hamma uns ned traun düafn” – oder wie?

Umfrage

Jetzt machen die doch im Zug glatt eine “Customer Satisfaction Survey” – und ich frage mich, woher sie die Frechheit nehmen, im Zusammenhang mit dem CalTrain an Zufriedenheit auch nur zu denken…

Nett fand ich dann aber doch, dass Pünktlichkeit beim Zug als sehr zufriedenstellend gilt, wenn er es innerhalb eines Zeitrahmens von +5 Minuten über der Fahrplanzeit an den Bahnhof schafft. Informationspolitik gilt als herausragend, wenn innerhalb der ersten 10 Minuten einer Verspätung vermittels einer Durchsage darauf hingewiesen wird.

So richtig hohe Erwartungen haben sie nicht an sich…

Riding my car…

In der Zeitspanne, die Michael Jäger braucht, um seiner Sympathie für den Teufel Ausdruck zu verleihen, bin ich schon halb im Büro angekommen, das Meer in der Bay glitzert wie altes blaues Glas in einem Rest von rosigem Sonnenaufgang und das Öl hab ich auch aufgefüllt. Eigentlich könnt ich jetzt für den Rest des Tages an den Strand…

Auf der Post (mal wieder)

“Mach dir nichts draus,” hatte Kollege Felix noch tröstend gemeint, als ich mich nach dem Mittagessen auf unbestimmte Zeit wegen ein paar Erledigungen (“errands”) auf der Post verabschiedete, “du bekommst bestimmt jede Menge neues Material für deinen Blog.”

Aber hallo! 2 nationale Einschreiben, ein internationales, und dann noch der Einkauf vermischter Briefmarken… sowas kann dauern. Vor allem, wenn der postbeauftragte  Schlangeneinweiser jeden Neuankömmling anbruttelt, er verstehe nun wirklich nicht, warum die Leute immer in der Mittagspause kämen – da seien die Schalter halt mal unterbesetzt. Ein weiterer Postbeauftragter, frisch von der Schulung zurück, wollte die Wartenden “encouragen”, es doch mit dem Automaten zu versuchen. Da warte keiner, und er stehe auch beratend zur Seite. Und natürlich sei mein Anliegen an dem Gerät zu lösen, das sei schließlich hochmodern und mit den Wünschen aller Kunden vertraut. Wider besseres Wissen bin ich ihm (als einzige aus der ganzen langen Schlange) gefolgt und dann haben wir gewogen, und Postleitzahlen eingetippt (er hat mich das Gerät dabei nicht ein ein einziges Mal berühren lassen) und dann auf “certified letter” gedrückt. Die Maschine fror quasi ein. Hmmm. Windowserfahren habe ich angeregt, einfach neu zu starten. Er hat den Stecker gezogen (Ausschaltknopf gibts nicht), und während das Gerät wieder warmlief, das Handbuch aus seinem Büro geholt (RTFM – hätte er das mal vorher getan…). Das durfte ich halten, während er wieder wog, den ZIP Code eingab und habe dabei gelesen, dass die Funktion für eingeschriebene Briefe von irgendeinem autorisierten Menschen freigeschaltet werden muss. Beim zweiten Einfrieren habe ich nachgefragt, ob das denn schon geschehen sei. Ach so. Also das wisse er beim besten Willen nicht, da müsse er erst mal telefonieren. Das seien halt so “issues” bei neuen Geräten, “these things happen”. Ich habe ihm, bevor er in seinem Kabuff verschwand, noch einen Platz ganz vorn in der Warteschlange abgehandelt, beziehungsweise ihn losgeschickt, das mit dem Schlangeneinweiser zu arrangieren. Hat geklappt.

Am Schalter gings dann ganz gut vorwärts, bis zu dem Moment, als die Postfachkraft entdeckte, dass bei “international” eine Zollerklärung aufgeklebt werden müsse. Ja, das mache ich gerne, dann bräuchte ich einen entsprechenden Sticker. Nein, da vorne, in der Box, wo die sonst immer liegen, sind keine mehr. Hmmm. Nein, sie hat auch keine vorrätig. Ob ich vielleicht morgen noch mal… Nein, bestimmt nicht! Tja. Mein Vorschlag, dass ich einfach außen auf den Umschlag schreiben könnte, dass innen Dokumente drin sind und das mit meinen höchstpersönlichen Initialen (das haben sie hier gerne) abzeichnen könnte, wurde wohlwollend aufgenommen. Damit waren die Einschreiben schon mal auf dem Postweg.

Nächster Schritt: Einkauf von Briefmarken. Hätte ich eigentlich auch am hochmodernen neuen Automaten machen können, bloß, der hat nicht alle Werte vorrätig. Und auch nicht in Heftchen à 20, sondern maximal 3 (von manchen auch 5) Stück. Eigentlich hätte ich noch hinreichend Briefmarken im Büro gehabt, hätte die Post nicht vor ein paar Wochen klammheimlich die Preise erhöht. Erfahren haben wir das nur dadurch, dass wir Post zurückbekommen haben, mit einem Riesenstempel drauf, dass unterfrankiert sei und einem handschriftlichen notierten Betrag, um wieviel; es handelte sich im Maximum um 4 cts. (Felix und ich haben beim Mittagessen einen möglichen deutschen Portoerhöhungs-Rollout konzipiert, es begann mit einer – hihi – Postwurfsendung an alle Haushalte…)

Man nennt die Erhöhung der Preise (national um 2 cents, international um 4, ein paar Zwischengewichtswerte auch um 3 cents) hier “price change” und es gibt jetzt ganz neu im freien Verkauf “price change”-Ein- und Zweicentbriefmarken. Bis vor ein paar Tagen konnte man die nur via Internet bestellen, natürlich mit entsprechenden Versandkosten. Es gibt verschiedene Designs und sie wurden mir alle gezeigt, bis ich dann endlich 2 Zwanziger-Heftchen à 1 und eines à 2 cts erstehen konnte, also 80 cts ausgegeben habe.

Rechnen wir mal zusammen: Personalkosten der Post (Automatenmann, Schlangensortierer, Schalterfachkraft, Return-to-sender-Briefstempler- und beschrifter), Miete, Energiekosten, Fuhrpark, Produktivitätsausfall bei all den Unternehmen, die einen Mitarbeiter zur Post schicken, um da errands zu tun, Honorar für die Briefmarkendesigner, Druckkosten (sehr schöne Vierfarb-Hochglanzmodelle, selbstklebend), Gummierung, Zahnung, Schnitt…

Und jetzt die Rechenaufgabe: wieviel Briefmarken zu einem Cent muss die amerikanische Post verkaufen, um mindestens einen Cent Gewinn zu machen? Wolfi Alpha hilf.

Am Rande – es gibt natürlich jetzt 44 ct (davon eine – aus gegebenem Anlass – mit “Purple Heart”) und 98 ct Briefmarken, aber die alten werden, wenn jemand nach 42 bzw. 94 ct Briefmarken fragt, weiterverkauft. Ohne Hinweis auf “price change”. Hab ich selbst gesehen.

Habe ich es einfach nur nicht verstanden und es handelt sich um eine nationsweite Arbeitsbeschaffungs- und erhaltungsmaßnahme? Allemal besser als der Bau von Autobahnen.

Obwohl…?

Sommeranfang

Gestern habe ich Einkäufe erledigt, mit dem Auto, und dabei einen großen Fehler gemacht (keine Angst, werter Miteigner, das Auto ist heil 🙂 )

ich habe ein saumäßig bequeme Gartenliege gekauft. Und ich hatte noch ein Drittel Buch fertig zu lesen. (“The Amazing Adventures of Kavalier and Clay” – danke, Jürgen, für die gute Empfehlung.)

Und statt auf Entdeckungsfahrt zu gehen, habe ich den Rest des Wochenendes in allen Lagen auf der Liege bräunend verbracht, das eine oder andere im Garten gepuschelt und mich sehr daran gefreut.

Heute Abend war mir dann spontan nach gelbem Thai-Curry (selbst gekocht, natürlich) und – dafür mag ich dieses Land – ich bin dann um halb sieben abends rasch los (zu Fuß, das schätze ich an San Bruno), und habe beim Inder und beim Mexikaner die Zutaten frisch eingekauft. Und Einmachgläser, nachdem ich die Reineclauden beim Größenwahnsinnwachstum beobachtet hatte. Geht doch mal mit in den Garten…

http://picasaweb.google.de/mucbiene/20090621_USSommeranfang?feat=directlink

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“Hangover”

Mal wieder Lust, so richtig von Herzen zu lachen? “Hangover” angucken: 4 Freunde reisen zum Junggesellenabschied nach Las Vegas und dann geht einfach alles schief. Und der Bräutigam verloren. Mehr erzähle ich nicht… Ich erwähne weder das Huhn noch den Tiger in der Hotelsuite. No Sir.

Und nein, Rainer: ein Rechen im Regen kommt nicht vor.