Konstante

Der November ist hier in der Bay Area einer der schönsten Monate. Die Luft ist “crisp” wie Corn Flakes, kein Nebelschwädelchen trübt den strahlendblauen Himmel, manche Bäume lassen ihre Blätter tatsächlich erst nach einer kleinen Verfärbung fallen und die Sonne hat noch eine erstaunliche Kraft. Bis zu dem Tag, wo der erste Regen der Wintersaison fällt. Da können sich die Subtropen noch was abschauen, so, wie es dann kübelt. Binnen Minuten sprudeln und schäumen zwischen Gehweg und Straße wilde Sturzbäche und zwengs Lunch auf die andere Seite zu kommen hat Ähnlichkeiten mit einem erfrischenden Kneipp’schen Kaltwasserguß, außer, daß man Schuhe, Socken und Hosen trägt und in den durchgeweichten Klamotten noch den ganzen Nachmittag arbeiten muß. Das dauert so ein, zwei Tage, alle sind ganz gräßlich trübsinnig und leiden am nie, gar nie mehr enden wollenden Regen. Dann lacht die Sonne wieder und bis auf ein wenig feuchtes Laub auf dem Trottoir und den wild durchs Bad wuselnden Ameisenhorden ist von der Apokalypse nichts übriggeblieben.

Same procedure as every year…

Aus dem Vokabelheft

Die Obama-Administration ist nicht zufrieden. Gar nicht zufrieden. Es sollte doch eine Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit werden, in die Junge und Alte einzahlen. Und was  passiert? Obwohl mit einer lustigen Zielgruppenkampagne umworben, kaufen diese Drecks-“whipper snapper” (am besten übersetzt mit “Schnösel” oder “Jungspund”) keine Police aus dem staatlichen Krankenversicherungsprogramm und nun steht die Finanzierung böse auf der Kippe. War vielleicht doch ein wenig vermessen, im Land of the Free auf einen freiwilligen solidarischen Generationenvertrag zu hoffen…

Neu im Kino: Ein Kessel Buntes*

Es gibt Menschen wie mich, die bei “garage sales” die seltsamsten Dinge finden und für kleines Geld erwerben, wie zum Beispiel die “Catholic School Salt and Pepper Shakers” oder das Hunde-Spielzeug “Hilary” (“You can’t get even but your pet can”) oder ein Plüsch-E-Coli-Bakterium. Was viele nicht wissen: einmal im Jahr veranstalten auch die großen Hollywood-Studios einen gemeinsamen Yard Sale.

Das war ein Feiertag für die Thor-2-Crew. Grad’ lustig waren sie drauf und im Shop-’til-you-drop-Modus:

–  “Uiiiii schau, da drüben. Flaks! Die nehmen wir. Alle! Und der Typ davon verkauft so eine Art Orks, für die brauchen wir nur noch andere Kostüme.”
– “Vielleicht da drüben die, vom Twilight-Set?”
– “Genau, super! Hol alles, was schwarz ist, da machen wir Flimmerglimmer drauf, das funzt. Hat schon wer bei dieser gefloppten Nibelungenproduktion nachgefragt? Ich brauche dicke Wikingerbärte und sexy Walkürenroben und so Leder- und Metall-Goth-Schmuck. Das wirkt, egal ob wirs auf Männer oder Frauen hängen.”
– “Echt jetzt? Ich glaube nicht, daß Natalie Portman ein Vollbart steht…”
– “Du immer! Die Frauen brauchen Zöppe oder Offenwallhaar – wie bei Game of Thrones halt. Du machst das doch nicht zum ersten Mal, Mensch…”
– “Boss! Hey, Boss, du glaubst es nicht. Ich habe gerade ein Superschnäppchen gemacht. Stell dir vor: ein Holodeck, ein paar fast nicht defekte Schutzschilde und das Raumschiff von Khan. Komplett, mit Mutterschiff und Jägern und allem. Toll, oder?”
– “Ganz toll. Der Hellste warst du noch nie, aber da hast du dich wirklich nochmal unterboten… Obwohl. Laß mal, war vielleicht gar nicht so blöd. Da kann ich was draus machen, Asgard ist logistisch eh so schlecht angebunden. Lad’ das Zeug auf den Truck.”
– “Brauchen wir noch Monster? Michael Bay hat welche auf den Müll geschmissen, die könnten wir umsonst bekommen?”
– “Umsonst? Klar, nehmen wir. Können wir umstreichen und dann sind die besser als neu. Dabei fällt mir ein: kann mal wer im Abfall von Peter Jackson nachschauen? Und ich bräuchte die Gefängniszellen aus Schweigen der Lämmer – mir schwebt da so ein langer Gang vor, Zellen mit so einer Art elektronischer Sicherheitsglassperre. Wie findet ihr das? Loki kriegt ein Holodeck – das war nämlich vorher noch nie nie da. Hach, ich bin so originell!”

Und so shoppen sie sich durch Gebrauchtes aus der Traumfabrik und drehen dann einen Film, mit alles und bunt und scharf. Dabei ist nicht einfach nur Popcornkino rausgekommen, das war schon fast Schweinshaxenkinoniveau…

Immerhin, seit Donnerstag weiß ich wo der Hammer hängt. Vorsicht, Spoiler: es ist Natalie Portmans Kleiderständer.

 

* Sie nennen den Film hier: “Thor: The Dark World”. Ist den Besucherzahlen wahrscheinlich zuträglicher als die Aussicht auf Gunther Emmerlich. In 3D.

Aus dem Vokabelheft

In der Süddeutschen stand neulich ein Artikel, der das Aussterben schöner deutscher Wörter wie “piesacken” oder “schlampampen” beklagte und gleich drunter ein Link zu einem Bericht über ganz wunderbare einmalige Worte oder Wendungen für einen vermeintlich komplizierten Sachverhalt, die Nichtmuttersprachler neidisch machen. Zum Beispiel “mamihlapinatapai”* (mehr s. http://bit.ly/17qWPoP).

Ich war so begeistert, daß ich beim Mittagessen den Kollegen davon erzählte und die dann gleich mit mindestens ebenso tollen Worten aus dem Amerikanischen auftrumpfen mußten, wie zum Beispiel “Petrichor”, das für den Duft von frischgefallenem Regen auf ausgetrocknete Erde steht. Sehr schön, gelle? Oder auch

Sie konnten gar nicht fassen, daß wir den “Sonder” schon kannten, bevor ihm auf dem Weg über den Atlantik sein “ling” abhanden gekommen war.

Das wars zum Üben für dieses Wochenende. Stay tuned.

* steht für den Blickwechsel oder Blickkontakt zwischen zwei Menschen, die sich beide wünschen, der jeweils andere solle aktiv werden – denn sie wünschen sich dasselbe, aber keiner will damit anfangen.

Fusion- oder Cross-Over-Cuisine

Wenn ein Bayer und eine Schwäbin in Kalifornien kochen, dann kommen so feine Dinge wie Miso-Rahm-Schwammerl mit Cilantro-Semmelnknödln auf den Speiseplan. Und bei euch so?

Aus dem Vokabelheft

“Yabol”

… ist nicht etwa ein beschauliches Dörfchen in Hinterkurdistan, sondern der nett gemeinte Versuch eines amerikanischen Kollegen, zu bestätigen, daß er einen Befehl seiner deutschen Kollegin entgegengenommen hat und ihn auszuführen gedenkt.

Nachtrag zu “Kein guter Tag für Maschinen”

Der Backofen wird wieder heiß, aktuell bäckt er anstandslos ein Brioche. Die Taste am Toaster Oven läßt sich runterdrücken, als wäre nie was gewesen und das Gerät kommt seiner Aufgabe nach und röstet Brot. Hmmmm…

Das kann doch nur bedeuten, daß die Espressomaschine im Café in Pacifica auch wieder heil ist.

Nebenwirkungen

Daß bei ihm daheim eingebrochen wurde, sei ja noch zu verschmerzen, meint der Kollege überraschend gelassen. Viel schlimmer sei, daß die “Vultures*” von den lokalen Security-Unternehmen keine zwei Stunden später das Viertel übernommen und den Nachbarn teuere Alarmsysteme aufgeschwatzt hätten. Schlimmere Abhörpraktiken als die NSA hätten die. Nämlich!

* Vulture: Aasgeier.

Vom Krabbenfischen

Der Dicke hier, das ist ein “Keeper” und kommt heute Abend in den Topf.

Die schwangere Krabbendame unten darf weiterschwimmen, damit es auch im nächsten Herbst Dinner gibt…

Und überhaupt, schee wars wieder!

Gut pariert

Meine Aqua-Fitness-Instruktorin Desha kann ihr Südstaatenerbe einfach nicht verleugnen und nennt immer noch alle “Honey”, obwohl das doch so böse und “offensive” ist und ganz und gar verboten (s. http://bit.ly/19dZdwo). Das Anti-Harassment-Training, das sie auf Anweisung der Schwimmbadverwaltung besuchen mußte, hat nur bewirkt, daß es ihr jetzt manchmal auffällt und sie dann glaubt, sich entschuldigen zu müssen, wenn ihr wieder mal ein “Honey” entschlüpft, so wie am Samstag bei der neuen Mitplanscherin.

Deren Antwort in O-Ton Süd habe ich geliebt: “It’s okayyyyee, Sugar!”