Gelesen: World of Trouble: The Last Policeman Book III
Der Meteorit wird in zwei Wochen einschlagen und dann ist die Erde, wie wir sie kennen, Geschichte.
Zu lesen und zu bedenken, was das mit Hank Palace, dem Last Policeman und den Menschen macht, auf die er auf seiner letzten Reise trifft, ist bereichernd.
Das muß man lesen.
Nimmer ganz neu im Kino: Transcendence
Johnny Depp spielt eine Künstliche Intelligenz.
Das muß man sich nicht anschauen.
Larger than Life
Ich komme noch aus einer Zeit, wo es üblich war, Dicke sofort nach Betreten eines Bekleidungsgeschäfts nach hinten in die Übergrößenabteilung abzudrängen und ihnen zügig was Sackartiges in Schwarz überzuwerfen, weil “das kaschiert”. Auswahl? Modisch? Stilvoll? Hübsch, gar? Alles Fremdwörter, wenn es darum ging, einen runden Menschen zu bedecken. Dann kam das erste Aufbäumen und “molly-chick”. Ein gräßliches Wort, das nur dafür stand, daß die schwarzen Säcke gegen grellfarbige in migräneauslösenden Blumenmustern aus Kunstfaser ausgetauscht wurden. Modisch oder gar zum Typ passend war immer noch nichts.
Schiere Profitgier trieb die Textilindustrie schließlich dazu, die durchaus finanzstarke Zielgruppe “Starke Frauen” zu umgarnen (hihi Wortspiel). Ein Abnäher hier, ein paar Zentimeter Stoff mehr da, gute Stoffe, vernünftig verarbeitet und das alles angeboten in einer Auswahl an Farben und Mustern, so wie es für Dünne schon immer üblich war. In den USA werden diese Modelle als “Woman” bezeichnet, kenntlich an dem *W* neben der (konventionellen) Größe und in Abgrenzung zu “petite” oder XS (Knochengestell bzw. Veronica Beckham). Ich habe mich allerdings immer schon gefragt, was das dann aus den anderen Frauen macht, die in der Konfektionsgröße irgendwo zwischendrin angesiedelt sind. Sind das keine Women? Soll aber nicht meine Sorge sein, denn jüngst hat ein Anbieter es hier echt auf die Spitze getrieben. Nix mehr übergroß oder molly-chick oder sonstwie verschämt. Bei denen heißt das: “Goddess Sizes available at no extra cost!”
Wahrscheinlich inspiriert von Freya, Juno und Hera, dem Vernehmen nach alle drei sehr gstandene Weibsbilder. Ob die da bestellt hätten?
Guter Rat
“Be good” (ganz genau, so wie in “Jonny, be good”) bedeutet ungefähr sowas wie “benimm dich” oder “sei brav”. Etwas näher am Leben scheint mir die Variante, die ein Freund seinen Söhnen mit auf den Weg zu geben pflegt. “Be good. And if you can’t be good, be careful.”
(Wenn du dich schon nicht gut benehmen kannst, dann paß wenigstens gut auf.)
Aus dem Vokabelheft
Der Kollege ist “good people”* und trotzdem hat es ausgerechnet ihn getroffen, heute eines von jenen Gesprächen zu führen. So eines, in dem endlich mal Tacheles geredet wird, alle Karten auf den Tisch kommen und alle Steine umgedreht werden – also das, was man hierzulande einen “Come-to-Jesus-Talk” nennt. Lust darauf hat er keine und er ist nicht der Typ, dem sowas Spaß macht. Trotzdem treffe ich ihn ein paar Minuten vorher bei einem Spaziergang um den Block stillvergnügt lächelnd.
Ich: “Was gibts da zu grinsen?”
Er: “I am channelling my Inner Asshole.” (Müßig zu erwähnen, daß die Antwort sofort in meine Bestenliste aufgenommen wurde. Das kann ich bestimmt nochmal irgendwann ganz gut gebrauchen.)
* “Good people”, wörtlich “Gutes Volk” wird immer auf den Singular angewendet und steht für einen auch unter widrigen Umständen guten Menschen. Beispielsatz: “His family is a mess but John is good people”.
1000 x Nebel
Heute hat der Wolkenbäcker sein altes Dr. Oetker Backbuch wieder einmal ausgegraben und er hat erst die dunklen Wolken auf den hellen Wolken verteilt und anschließend seine große Wolkenbäckergabel spiralförmig durch die Schichten gezogen.
Da kriegen die Engerl wohl heute Abend Marmorkuchen. Und wir vielleicht nochmal Regen.
Aus dem Vokabelheft
Wenn etwas hier dem sicheren katastrophalen Untergang geweiht ist, dann sagt man “it’s going to hell in a handbasket”. Was sich gleichermaßen alliterativ hübsch übersetzen läßt mit “im Henkelkorb zur Hölle fahren” und in beiden Sprachen nicht besonders sinnvoll ist. Das macht aber nichts, denn weil wir jetzt alle das nötige Vorwissen haben, finden wir diesen Bumpersticker lustig:
Beg your Pardon
Heute Nacht hat es mal für eine Weile so richtig geschüttet, so sehr, daß morgens in den Schlaglöchern auf der Straße tiefe Pfützen standen. Dafür ist die Luft klar und der Himmel blau, alles gut. Rucksack, Schlüssel, los… – am Auto steht meine greise Nachbarin Lyn und blockiert die Fahrertür. Ihr tut das mit dem hiesigen Mistwetter (wtf?) wieder so dermaßen leid, daß sie mich nicht abfahren lassen kann, bis ich ihrer ganzen langen Entschuldigungslitanei bis zum Ende zugehört habe. Früher war hier nämlich alles besser und das Wetter erst recht.
So fucking what? (Am frühen Morgen bin ich nicht der geduldigste unter den Menschen.)
Neues von der Dürre oder “Brown is the New Green”
Irgendwie waren die Kalifornier anscheinend gerade abgelenkt, als Gouverneur Brown nach Weihnachten zum freiwilligen Wasserverzicht aufgerufen hat; man möge doch versuchen, appellierte er, ein Fünftel weniger zu verbrauchen als in den Jahren, in denen man dürrelos aus dem Vollen schöpfen konnte. Kaum läßt er im April nachmessen, ist der Wasserverbrauch hier im Goldenen Staat nicht etwa gesunken, sondern sogar um ein paar Prozentpunkte gestiegen.
So nicht! Hat der Gouverneur gesagt und von fleißigen Helferlein eine Website mit täglichen Wasserspartips online stellen lassen: http://bit.ly/1wSIz26. Ein Trauerspiel ist das! Die ganze Seite eine einzige Anhäufung von Gemeinplätzen und Selbstverständlichkeiten und am allerschlimmsten ist, daß offensichtlich einiges davon hier tatsächlich Neuigkeitswert hat.
Weil der Gouverneur inzwischen nicht mehr an das Gute im Kalifornier glaubt, hat er überdies zu strafbewehrten Maßnahmen gegriffen, ha! Wer zukünftig seine Einfahrt oder den Gehsteig vor dem Haus mit Wasser abspritzt, statt zu kehren, oder seinen Rasen so sehr sprengt, daß Wasser in die Gullis abläuft oder beim Autowaschen einen Schlauch verwendet, den man nicht zwischendrin mal abstellen kann (“shut-off nozzle”) oder seinen Springbrunnen mit Trink- statt Nutzwasser betreibt, der muß mit einer Geldstrafe bis zu $500 rechnen – sofern die Gemeinde, in der er wohnt, dieses Richtlinien “enforced”, sprich: sich ernstzunehmend darum kümmert.
Sagen wir mal so: ich habe keine Ahnung, wie schlimm die Dürre noch werden muß, bis diese Spinner endlich aufhören, hunderte Quadratkilometer Golfplätze sattgrün zu bewässern.


