Ich mach mir die Welt, tralalala…*

Von wegen “Brown is the New Green”, manch ein Kalifornier hat ein Problem damit, seinen über Jahre liebevoll gründlich gewässerten Vorgarten zur Steppe verdorren zu sehen. Brown ist möglicherweise gelblich oder ocker, ganz sicher aber nicht Grün und schon gar nicht Gold, wie eine mißglückte und inzwischen wieder eingestellte Marketingkampagne propagierte. Braun ist Braun. Teerbraun, erdbraun, kastanienbraun, rotbraun, orangebraun, gelbbraun, schokoladenbraun, kaffeebraun… Braun. Wasserlos. Vergilbt, verschrumpelt, verwelkt, verdörrt, versteppt und nicht schön anzusehen. Gar nicht.

Genau da setzen Firmen wie Green Canary, Lawnlift, Lawnrenu und viele andere mehr an. Wer’s grün will, streicht seinen Rasen. Entweder selbst (DIY**) oder er schließt einen Abovertrag mit einem dieser Unternehmen und die schicken halbjährlich ihre “Professionals” vorbei, um, was nicht paßt, passend zu machen.

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Übrigens: Die Farbe ist wasserfest. Falls es wirklich je wieder regnen sollte. Heilige Alanis, bitte für uns.

 

* Nicht an Andrea Nahles denken! Niiicht!

** DYI = Do It Yourself.

1000 x Nebel

Der Wald? Weg. Die Hügel? Auch weg. Himmel, Antennen, South San Franciso, der halbe Flughafen, San Francisco überhaupt? Alles weg. Von Nordwesten bis Nordosten steht eine dicke weiße sehr massiv anmutende Polstermauer. Wird das nun das größte Tonstudio der Welt für Aufzeichnungen von nicht unter mindestens drei Symphonieorchestern plus Gotthilfs Fischerchören, den Don Kosaken sowie einem Sortiment an Sängerknaben – und zwar alle gleichzeitig. Oder der Welt riesigste Gummizelle?

Man weiß es nicht. Allerdings scheint es, als sei die Nebelwand die Ursache für den üblichen Temperaturabfall auf dem Heimweg. Bei 82F losgefahren, bei 65F angekommen. Das ist ein Sturz von 28° C auf 18° C und schreit nicht nach eisgekühltem Campari, sondern nach heißem Tee. Dammit.

Aus dem Vokabelheft

Heute lernen wir ein Kompositum.

Wenn hierzulande eine Sache ohne großes Zutun und eigentlich unerklärbar zu einem guten Ende kommt, dann ist das “automagically” geschehen. Im Deutschen brauchts dazu einen halben Roman: “Unmögliches wird sofort erledigt. Wunder dauern etwas länger.”

Who wants to be a Gouverneur?

Wieviele Gouverneure braucht man, um Kalifornien zu regieren? Letzte Woche waren es vier (4). Wie es dazu kommen kann?

Wenn Governor Jerry Brown ab Sonntag dienstlich in Mexiko zu tun hat, geht gemäß der “chain of command” die Verantwortung für Wohl und Wehe des Golden State auf seinen Stellvertreter, Lieutenant Governor Gavin Newsom über, den Ex-Bürgermeister von San Francisco. So lange, bis Gavin dienstags zu einer Special Olympics Veranstaltung an die Ostküste reist. Immer noch kein Problem, dann übernimmt eben Senate President Pro Tem Darrell Steinberg die Staatsgeschäfte, dumm nur, daß er schon am Mittwoch aus privaten Gründen nach Chicago abfliegt. Man muß es den Autoren der kalifornischen Verfassung zugute halten: sie haben auch diese Möglichkeit bedacht. Dann wird nämlich die Assembly Speaker Toni Atkins “acting governor”.

Und so geschah es, daß Kalifornien einen weiblichen und offen lesbischen Gouverneur* bekam. Für ganze 9 Stunden. Dann war Jerry wieder daheim.

* Ist die weibliche Version von Gouverneur eigentlich Gouvernante? Das Bild läßt es stark vermuten.

Tori Atkins

Verkehrte Welt

Feierabend und ich fahre von Süden nach Norden. Im Gegensatz zu sonst werden die Zahlen auf dem Thermometer immer größer. Bei knapp 80 hiesigen Grad (26,5 C) angekommen, vertage ich alle anderen Abendpläne und setze ich mich mit meinem sofort sehr schön beschlagenen Campariglas in den Garten, um der Sonne beim Untergehen zuzuschauen. Was wollte ich nachher gleich noch erledigen? Genau, die Kalender auf August blättern. Das ist der Monat, wo wir hier in unserem “Neck of the Woods”* ausnahmsweise und ganz kurz mal schöneres Wetter haben als die restliche Peninsula. Inklusive lauer Sommerabende.

Am besten schnell freuen, sagt der Radiomann. “Thunderstorms are coming your way.”

* “Bei uns in der Gegend”.

Offline

Ich kann gar nicht so schnell gucken, wie die W-Lan-Anzeige auf dem Rechner zwischen on- und offline hin-und herflackert und bin irgendwann so genervt, daß ich sonntagabends um 21:00 Uhr beim Customer Service von San Bruno Cable anrufe. Nach einer Dreiviertelstunde geht Jennifer ran und wir spielen wieder das übliche “Der W-Lan-Router ist schuld”-Spiel, bis sie mir endlich glaubt, daß ich auch dann keine Verbindung habe, wenn der ausgesteckt ist und ich über ein Ethernet Kabel verbunden bin. Dann schalten wir einfach mal alles ab, ziehen sämtliche Kabel und nach 60 Sekunden stecken wir sie wieder an. Sorry, Jennifer, das ändert nichts daran, daß die Lamperl am Modem nicht in der gewünschten Reihenfolge aufblinkern, sondern gar nicht und nein, einen Splitter habe ich nicht. Nur ein Loch in der Wand, durch das das Modem-Kabel nach draußen geht. Tja, meint Jennifer. Da hätten wir jetzt wohl ein Problem, das müsse sie eskalieren. Ich solle mal halten. Nicht die Schnauze, obwohl, das auch, sondern die Leitung. Es ist kurz vor 22:30 Uhr, als sie wieder hingeht und vermeldet, daß wir jetzt sofort gleich aufhören müßten zu sprechen, denn es werde mich in Minutenfrist jemand vom “local office” anrufen und sich um die Angelegenheit kümmern. Der meldet sich um 22:45 Uhr. Es gebe wohl ein “issue in the area”, es hätten jetzt schon 15 Leute angerufen. Er gehe sich das ansehen, werde, was immer kaputt sei, “fixen” und anschließend Vollzug melden.

Heureka! Kurz nach Mitternacht veranstaltet das Modem eine Lightshow. San Bruno Cable hat das Internet wiedergefunden. Bravo!

Alles besser in Miami

Kathy ist eine Gottesgabe. Wäre es nicht Gottes Plan gewesen, Kathy zur Krönung seiner Schöpfung zu machen, dann hätte er sie wohl nicht mit so einem hübsche Antlitz, der blonden Mähne und der Traumfigur geschaffen (Zitat Kathy „my spectacular looks“). Er hätte es sich dann, weiß Gott (hihi), auch sparen können, begabten Menschen die Ideen für die Erfindung von Make-up, Wasserstoffperoxid und Balkonet-BHs* einzugeben. Hat er aber, und Kathy folgerichtig ihr Leben der Aufgabe gewidmet, der Welt Gottes gelungenstes Werk vorzuführen und als Schauspielerin die Menschheit mit verzückten Darstellungen angesichts von Frühstücksflocken, Slipeinlagen und Anti-Verstopfungspillen zu beglücken.

Inzwischen hadert sie mit ihrem Gott – der hat es nämlich verbaselt, sie mit ewiger Jugend und Gesundheit zu bedenken. Nun plagt das eine oder andere Zipperlein und sie ist darüber versehentlich fast siebzig geworden. Nicht, daß das ihrer Schönheit Abbruch getan hätte, dafür hatte ihr guter Gott vorgesorgt, siehe oben. Sie ist immer noch wunderbar weizenblond, trägt wasserfeste Schminke und ihr Badeanzugdekolletée unterscheidet sich massiv** von den langweiligen praktischen Sportmodellen der anderen Dicken Damen. Es dauert immer eine Weile, bis sie am Beckenrand, da wo die Instruktorin gerne stünde, um mit der Stunde anzufangen, ihr Haar in ein Tuch hüllt, wie’s Grace Kelly nicht schöner hätte tun können und dann Tanning Spray aufträgt. Erst auf die Arme, dann auf die Beine, für die Füßchen muß sie sich hinsetzen, das hat Gott verbockt. Für ihren Ausschnitt nimmt sie sich noch einmal extra Zeit, schließlich könnte irgendwer in der Appartmentanlage vom Balkon aus zusehen, und wer möchte ihm das verwehren? Sie nicht. Ganz bestimmt nicht! Dabei quasselt sie ununterbrochen. Zum Beispiel von ihren Ferien, letzte Woche, in Miami. Da war sie im Ritz Carlton, in Miami. Und dort sei ein Traum in Erfüllung gegangen, denn das Hotel, in Miami, beschäftigt einen Beach Tanning Butler. Das ist ein junger Mann, der den ganzen Tag nichts anderes tut als Bräunungswillige am Strand, in Miami, mit Sonnenmilch einzureiben und sie gelegentlich zum Wenden aufzufordern.*** So ein reizender junger Mann! Außerdem habe er ihr was ganz Tolles empfohlen. Es gebe, selbst im wenig glamourösen San Francisco, Sonnenstudios, die „Diamond Dust Spray Tan“ anböten. Dabei werde eine Bräunungslotion mit Diamantenstaub aufgeprüht und wenn die abtrocknet, dann bliebe nur noch „sparkle and glow“ auf der Haut. Für knapp $320 sähe man lässig 20 Jahre jünger aus, das werde sie sich jetzt immer mal gönnen. (Beiseite: Wäre alles nicht nötig, wenn dieser Dummgott das mit der ewigen Jugend nicht verpennt hätte.)

Wir anderen haben im nicht beheizten Pool bei einer leichten Brise inzwischen mit intensiven Aufwärmübungen angefangen, deren Hauptbestandteil sehr heftiges Augenrollen ist. Dann läßt sich auch Kathy unter vielen Brrrrhhhs und Schlotters endlich zu Wasser und wir können ernsthaft mit der Wassergymnastik loslegen. Sommer, beschwert sie sich beim Recken und Strecken, sei das ja hier nicht. Nicht, wenn man das mit Miami vergleiche. Wir lassen sie einfach mosern, turnen uns eins und Jan und ich gehen anschließend für zwei ausgedehnte Bubbelrunden in den Hottub. Das mag Kathy nicht. Könnte ja farblösend wirken.

 

* Balkonet-BHs haben eine ähnliche Funktion wie manche Dirndl-Blusen und weisen unterernährten Säuglingen den Weg zur Milchbar.

** „Massiv“ so wie in Bergmassiv.

*** „The Ritz Carlton’s tanning butler wears a custom-made holster filled with sunscreens of varying SPFs. Not only is the lotion free, but he also offers to apply it to hard-to-reach back, shoulder and neck areas that easily burn. His holster also contains a cool water mister and sunglass cleaner for the ultimate in multi-tasking service.”

“I Ride With Jesus”

waterproof bible camoHeute früh hatte ich eine ganze Weile einen Motorradfahrer vor mir, auf dessen Lederjackenrücken ein ganzes Glaubensbekenntnis stand. Sowas mag ich. Man hat was zu lesen, das unterhält und lenkt vom Stau ab. Hat mich aber doch interessiert, ob es sich da um ein maßgeschneidertes Einzelstück handelt oder ob von der Sorte mehr unterwegs sind. Letzteres natürlich. Einkleiden tut man sich zum Beispiel hier http://bit.ly/1pNCnEv oder da http://bit.ly/1qQJjqV.

Ich habe zu meiner Freude gelernt, daß Noah beim nächsten großen Regen sein Boot nicht mehr gar so gründlich abdichten muß, denn inzwischen gibt es “Waterproof Bibles”. In Blau, Rosa und Camo.

1000 x Nebel

Frau Holle hat auf den Hügeln heute ihre flauschigsten Daunendecken ausgebreitet, damit die noch ein paar Strahlen Abendsonne bekommen… nein, das hatten wir so oder so ähnlich schon.

Nochmal neu. Über die Hügel ergießen sich heute extrafette Sahneströme und… nein, geht nicht. Molkereiprodukte sind alle schon durch, von Milch bis Crème Fraiche.

Letzter Versuch: der Pazifik hat heute seinen allerdicksten Gischtkronen freigegeben und prompt ziehen sie los, Richtung City und Nachtleben. Doch, das geht. Der Ansatz ist neu und paßt, viel nebligere Städte als San Francisco im Hochsommer gibt es nicht. Das lasse ich mal so stehen.

Ich habe auf dem Heimweg immer ca. 10 Minuten Strecke mit Hügeln und Dunst. Da sinniere ich dann über Nebelmetaphern und stellte jeden Abend zunehmend frustierter fest, daß das nach den vielen Schwadenschwafelblogposts nicht leichter wird. Dabei bin ich noch weit unter 1000.

Rote Flut

Bei Carmen im Garten sind die Tomaten reif und ich bekomme gerade täglich Nachschub. Eben war der große Bub da und hat ungefähr drei Mal so viel gebracht wie sonst, weil sie doch gleich morgen früh ganz früh in einen riesigen Freizeitpark fahren, um dort die nächsten drei Tage im wesentlichen auf Achterbahnen zu verbringen, und ich darum ihren Anteil mitessen muß.

Meine leichteste Übung. Muchas Gracias!