Sonntags nie

Der Kundendienst von San Bruno Cable verfolgt eine sehr einheitliche Strategie: jeden Abend zwischen 21:00 und 22:00 Uhr das Internet für ein paar Minuten abschalten und ab Freitagabend die Geschwindigkeit schwerst reduzieren, im Laufe des Samstag die Verbindung ein paar mal randomly unterbrechen und sonntags auf keinen Fall länger als 30 Minuten bestehen lassen. In deren Welt will keiner länger als eine halbe Stunde am Stück über skype telefonieren und Streaming ist des Teufels. Aaarrrgghhhh!

Ist mir heute wurscht. Ich gehe jetzt ins Theater. Analog.

Aus dem Vokabelheft

Trendsetter aufgepaßt!

dumbass-smartassWer hier auf sich hält, geht mit der Mode und franglisiert. Aus dem “Dumbass” (Dummbatz, Blödmann, Hirni) mit Betonung auf der zweiten Silbe wird ein “Dúmas”* und wer wissen will, warum sich ein anderer gar so saublöd verhalten hat, erkundigt sich (meist lautstark): “Dafuq?”.

* Für meine alteuropagebildete Frage “père ou fils?” reicht ihr “Froggish”** aber nicht. Dafür ernte ich allenfalls verwirrte Blicke.

** In Amerika lautet die politisch nicht korrekte Bezeichnung für Franzosen “frogs” und leitet sich her von deren Vorliebe für anderes Fleisch als nur kiloschwere Steaks.

Aus dem Vokabelheft

Gestern beim Mittagessen nehme ich mit einem Späßle einen Kollegen auf den Arm. Weil er Angelsachse ist, fühlt er sich am Bein gezogen und bietet im Gegenzug an: “Pull the other one, it’s got bells on.” (Zieh am anderen Bein, da sind Glöckchen dran.) Was in dem seltsamen Bereich meines Gehirns, der für das unfreiwillige Memorieren von Liedtexten zuständig ist, sofort den Schlager vom “Flower Power Kleid mit Blumen drauf und Glöckchen dran” (http://bit.ly/1rAO5o6) ausgräbt und woanders die Assoziation zu einem Narrenkostüm. Erstere ist mir doch zu peinlich, also erwähne ich das “jester’s costume” und er wehrt ab, nein, nein, das müsse er als Muttersprachler doch wissen, er sei doch nicht auf Suppe. Wieso Suppe? Wo kommt die jetzt her? Nun ist der Kollege verwundert. “Auf Suppe sein” sei doch ein deutsches Idiom? Ausdrücken wolle er, daß er sehr wohl “the sharpest knife in the drawer”* sei. Und weil i ned auf der Brennsuppn dahergschwumma bin, komme ich drauf, was er meint.

Anschließend füllen wir die restlichen Lücken. Die Glöckchen und Schellen am Bein haben ihren Ursprung tatsächlich im Narrengewand (Toldyaso!) und wer “in the Olden Days” von Brennsuppe leben mußte, war arm, hatte wenig Zugang zu Bildung und wurde darum *”nicht das schärfste Messer in der Schublade”, sondern blieb auf gut bayerisch ein Depp.

Wieder was gelernt

you hit meWenn man von 1 Stunde und 58 Minuten im Stau über eine halbe Stunde auf das “GDFATHR”-Kennzeichen eines schwarzen Dodge Ram mit diesem Rahmen (links) starrt, dann stellt man fest, daß Witzischkeit eine erstaunlich geringe Halbwertszeit hat.

Finito

Der Highway 101 hat ja schon an seinen besten Tagen wenig mit einer Autobahn zu tun, aber heute überzeugt er ganz besonders mit seiner Darstellung des langsamsten Gemischtautofließbandes der Welt. 1 Stunde und 58 Minuten vom Büro bis daheim. Und warum? Weil die Beatles anno 1966 im Candlestick Park ihr allerletztes Live-Konzert gegeben haben und weil es drum irgendwem wg. “historisch” gefallen hat, Sir Paul McCartney und seine aktuelle Kapelle das allerletzte Konzert überhaupt in diesem Stadion zu spielen lassen. Heute. Danach wird es abgerissen.

Ich bin, im Gegensatz zu den meisten San Franziskanern, die sehr dagegen sind, daß “ihre” 49ers (Football) nun im Santa Clara County im funkelniegelnagelneuen Levis-Stadion* ihre Balleier werfen, dem Umzug gegenüber sehr sehr positiv eingestellt: fürderhin werden die Fans nämlich den 101 Richtung Süden vollstellen, wenn ich in der Gegenrichtung einfach an ihnen vorbeibrause. Hah!

 

* Sehr schöne Geschichte, übrigens: Wer mich kennt, weiß, daß ich manchmal felsenfest davon überzeugt bin, an einem bestimmten Ort “noch nie” gewesen zu sein, obwohl das nicht stimmen kann. Meistens liegt es daran, daß man mir eine Landmarke genommen hat oder daß meine sehr defizitäte “spatial intelligence” wieder Spielchen mit mir treibt. Als ich denn am Sonntag auf dem Weg nach Monterey Toni darauf aufmerksam mache, daß ich den Wegweiser zum Levis Stadium noch nie gesehen habe, glaubt er mir nicht. So ein Stadion kann schließlich nicht einfach aus dem Nichts auftauchen. Als Beifahrerin mit Smartphone google ich das selbstverständlich sofort und mein Triumphgeheul “Das Stadion ist ein Neubau und erst letzte Woche eröffnet worden! Hah! Doppel-Hah!” bringt die Scheiben im Auto zum Klirren.

Ab sofort bin ich nur noch Teilzeit-ODP!

Alle Jahre wieder – für Theodor Fontane*

Lyn kommt rübergewackelt, eine Tüte Birnen in der Hand. Lyn, nein, nicht doch. Du hast einen Birnbaum und ich auch und meiner hängt mindestens genauso un-faß-bar voll wie deiner. Thanks, but not thanks. Die einzige Möglichkeit, sie zum Heimgehen zu bewegen, ist geduldig zuzuhören, wie sie mir wieder das widerliche Rezept von überreifen Matschbirnen und gelbem Cheddar Cheese aufsagt. (Vergl. auch: https://flockblog.de/?p=5776, https://flockblog.de/?p=10539).

Mann, Lyn, ich komme gerade erst von der Arbeit und habe Hunger!

 

* Weil man das ja seit dem G8 nicht mehr voraussetzen kann:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: “Junge, wiste ‘ne Beer?”
Und kam ein Mädel, so rief er:
“Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick hebb ‘ne Birn”.

 

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ‘s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: “Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.”
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht
Sangen “Jesus meine Zuversicht”.
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
“He is dod nu. Wer giwt uns nu ‘ne Beer?”

 

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn’ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

 

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung’ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: “Wiste ‘ne Beer?”
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s:
“Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick gew’ di ‘ne Birn.”

 

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

1000 x Nebel

Am Himmel leuchtet Zuckerwatte in Goldene Zitrone bis Framboise. Ich finds einfach nur hübsch, für die Frau Königin jedoch ist das ein Zeichen und sie beordert ihr Volk eilends in die Wärmestube. Es sieht so aus, als gelte der Letzte im Zahnputzbecher bei der Seepferdchenprüfung als durchgefallen.

Ich hol dann mal das Gel.

Was man so vom Verkehrsfunk erfährt

Wer könne, möge es vermeiden, heute in den Lower Heights mit dem Auto unterwegs zu sein, da sich Menschenmassen vor dem Mrs. Doubtfire House on Steiner (2640 Steiner Street) drängten, um auf ihre Art von dem heute verstorbenen Robin Williams Abschied zu nehmen.

Auf zum Ork, Mr. Williams!