1000 x Nebel
“Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen nun zum Abschluß unserer heutigen Schau den Höhepunkt der “Einfach Himmlisch-Kollektion” präsentieren. Vorhang auf.”
[Monique, Konfektionsgröße DoppelNull, stolziert auf den Laufsteg.]“Dieses entzückende Ensemble besticht mit mutigem Muster- und Materialmix. Auf einem zarten Bettchen aus babymützenblauer Wolle wuchern asynchrone Breitstreifen in Lachsmetallic, in starkem Kontrast zum indigogeschwärzten Raffsamt, auf dem das Accessoire, eine bleiche Sichel, ums Überleben zu kämpfen scheint. Dieses einzigartige Modell haben wir nur für Sie geschaffen, meine Damen. Wir sehen Sie darin auf einer Dachterasse, wie Sie mit einem beschlagenen Glas in der Hand und einem wehmütigen Lächeln auf Ihren wunderschönen Lippen einen der wenigen kostbaren letzten Spätsommerabende zelebrieren. Vielleicht den letzten? Wer weiß?”
[Beifall. Monique ab. Licht aus.]Winter is coming.
Voodoo für Anfänger
Sinnend streife ich im Halbdunkel an Töpfchen und Tiegeln, Fläschchen und Flakons entlang. Hmmm, nah, Liebeszauber brauch ich heute keinen und auch keine Flüche oder Verwünschungen, die kann ich selber. Eigentlich würde ich nur gerne abends mal wieder vor Einbruch der Dunkelheit daheim sein und nicht immer ewig im Stau stehen. “Haben Sie da vielleicht was Passendes da, Madame Esmeralda?” Sie würdigt mein Ansinnen gerade mal eines halblauten “Pffhhh” und mit einem sehr müden Augenaufschlag sowie der Bemerkung, daß das erstens alle wollen und es zweitens total simpel sei. Einfach in die Wüste fahren und einen Mann verbrennen.
Nicht erschrecken. Madame meint nicht irgendeinen beliebigen, sondern DEN Mann aus Stroh, Holz und anderen brennbaren Materialien, der zum Abschluß des riesigen Hippie- und Kunstfestivals in der nevadischen Wüste traditionell am Abend des 1. September in der nur für diesen Zweck und nur für ein paar Tage aufgebauten Black Rock City entzündet wird (http://www.burningman.com/). Man rechnet dieses Jahr mit ca. 80.000 “Burners”, allein aus unserer winzigen 20-Mann-Firma ziehen zwei alljährlich in die Wüste. 10% also. Wenn man darauf auf den Burner-Anteil in den Belegschaften der hiesigen Großen wie Google, Apple, Oracle etc. ableitet, dann ist Esmeraldas Männerabfackelei auf einmal gar kein Zauber mehr, sondern eine Verkehrsberuhigungsmaßnahme.
Wurscht wie, Hauptsache ist, daß es tatsächlich funktioniert.
Winter is coming
Starbucks schenkt schon seit heute wieder Pumpkin Spice Latte aus.
(Früher, also noch letztes Jahr, galt Labor Day als eisernes Bollwerk für “The Season”; letztere umfaßt vor allem die Farben Orange und Braun (Thanksgiving) sowie Rot und Grün (Weihnachten) und die Besinnung auf Family Values und Konsum.)
Baby, it’s cold inside
Ich finds lustig, daß der Fahrer des Kühllasters das Heck seines Fahrzeugs mit den sorgsam aufgeklebten Buchstaben “Heroes of the Cold War” verziert hat. Es können doch nicht alle Rednecks sein.
Oder etwa doch?
Aus dem Vokabelheft
Heute lernen wir mal nichts.
So wie in: “Das wird nix” oder “His chances are close to zilch”.
Neulich an der Supermarktkasse
Man hat ja hier als Supermarktkunde nach dem Vielegängeweitlauf nicht mehr sehr viel mehr zu tun, als seine Einkäufe hinter dem “Divider” aufs Band zu laden, auf daß die Kassenkraft scanne und kassiere und die Einpacker einpacken (in die mitgeführten Mehrwegtaschen). Meistens geht das ganz flott, es sei denn, irgendwer am Anfang der Kassenschlange findet den Geldbeutel nicht, löst Coupons ein oder bezahlt mit Scheck. Das dauert. Weil der Geldbeutel nie in einer der vielen Taschen aufzufinden ist, egal wie oft man draufklopft, und der Großeinkauf wg. Storno komplett quasi rückwärts über den Scanner gezogen wird, die Coupons abgelaufen sind und der Kunde trotzdem auf seinem Preisnachlaß bzw. dem Zupack für umsonst besteht bis der Manager kommt oder der Scheck ausgefüllt, vorsichtig aus der Gummierung gelöst und aus dem immer zu engen und zu steifen Plastikfenster des Schutzbüchleins genestelt wird und dann doch meistens noch einmal eine Schleife zwischen Kassenkraft und Kunden zieht, weil die Unterschrift fehlt.
Für solche Wartezeiten sind die Zeitschriften im Kassenbereich vorgesehen; ich habe noch nie gesehen, daß jemand eine gekauft hätte. Super! Die meisten sind bunter als Regenbögen, voll mit “shocking news” über Royals (Ausland) und darstellendes, singendes oder politisierendes hiesiges Gschwerl (Mehrfachnennungen möglich) sowie Koch-, Dekorations-, Landser- und Diäthefterl und jede Menge Fernsehzeitungen. Außerdem Cosmopolitan. Genau, das laut Eigenwerbung Blatt für die moderne Frau, das auch Männer gerne lesen. Diese Ausgabe bestimmt, Cosmo ist nämlich in der Welt der Same Sex Relationships angekommen und macht auf mit: “28 Mind-Blowing Lesbian Sex Positions”. Ich habe mir die “geschmackvollen Zeichungen” angesehen. Alle 28. (http://bit.ly/UyooK2) Wenn ich das recht verstehe, kneifen lesbische Frauen beim Sex die Augen ganz fest zu, haben keine Körperbehaarung (noch nicht mal Augenbrauen), scheuen offen zur Schau getragene Brustwarzen und ihr Schambereich entspricht Position 19 (dem “Bermuda Triangle”). Spaß zu machen scheint es ihnen nicht.
Habe mir fest vorgenommen, bei meiner nächsten Zeitreise mit einigen Tonnen Sekundenkleber sicherzustellen, daß diese Drecks-Mayflower und ihre ganze Flotte in England kleben bleiben. Plymouth den Puritanern! Aber nicht die Neue Welt. Nicht nochmal.
Verantwortung übernommen
Lyn von nebenan ist neben dem Wetter offensichtlich auch für die Seismik in Kalifornien zuständigt und hat ihr eine Entschuldigung geschrieben*. Erdbeben kenne man hier sonst gar nicht.
Ja. Genau. Und die Erde ist eine Scheibe.
* Ich habe nämlich nicht aufgemacht, als sie heute früh um 7:00 Uhr klingelte. Mir ist war das Risiko zu hoch, daß sie daraus ableitet, daß ich sonntags um die Zeit immer schon wach bin.
Aus dem Vokabelheft
Wenn hierzulande einer ordentlich angeben will und sich zu diesem Zweck extra bescheiden gibt, dann nennt man das “to humble brag”.
Beispiele: “Ich weiß nicht, warum ausgerechnet ich den Job bekommen habe. Die anderen Bewerber hatten doch bestimmt auch Doppelabschlüsse von Harvard und Yale.” Oder (den Beispielsatz mag ich sehr.) “Igittigitt! Ich bin vorhin in Kaugummi getreten. Jetzt aber mal ehrlich, was für ein Untier spuckt seinen Kaugummi ausgerechnet auf dem Roten Teppich aus?”

