Der ganz große Hey

Man trifft ja als täglich mehrstündige Nutzerin öffentlicher Verkehrsmittel teils doch sehr seltsame Menschen. Die Irren und Wirren sowieso, mein heutiger Liebling jedoch verdient eine gesonderte Würdigung. Ein ergrauter Könstler, erkennbar am frohgemusterten Könstlerschal und fettig aus den Geheimratsecken gekämmter Mähne, der die ganze lange Rolltreppenabfahrt vom S-Bahnsteig Marienplatz zu Stimmübungen nutzte und seine multiplen Varianten einer schön RRRR-gerollten “Revolution” über die Auffahrenden ergoß. Trotz Freitagnachmittagshetze kam das werte Publikum am Bahnsteig oben mit lächelnden Mienen an.

Natürlich nur, um zu erfahren, daß es aus noch unbekannter Ursache zu Verspätungen von noch nicht bekannter Dauer auf der Stammstrecke kommt. Hrrrggn!

Eltern haften für ihre Kinder

Kindergärten und Schulen liegen günstig in der Nähe, davon eine Kindergrippe sogar in der Krüner Straße.”

Wie immer: was wörtlich aus einer Immobilienanzeige stammt, ist kursiv hervorgehoben.

Das Allerhinterletzte

Wie ich aus berufenem Munde erfahre, hält immer jeder Benutzer der S-Bahn “seine” S-Bahn-Linie für die Allerschlimmste. Von mir aus, die haben subjektiv sicher alle recht. Objektiv ist die Gewinnerin des “Fürchterlichste-S-Bahn-Linie-von-allen-Ordens (am Bande)” selbstverständlich die S7 zwischen Kreuzstraße und Höllriegelskreuth.

Genau, das ist die, mit der ich täglich fahre. Fahren muß. Warum?

Herbstkraut

Soweit macht der Herbst ja alles richtig: Wälder sind bunt, rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, Wind weht kühler, flinke Träger springen*, Winzerinnen winken etc. Bloß die Geschichte mit den Feldern habe ich nicht ganz verstanden. Gelb? Aber ja! Und wie. Aber Stoppel? Ganz und gar nicht; bei uns da draußen auf dem Land wuchert auf den Feldern hüftundmehrhoch ein gelbblühendes Kraut. Meine Vermutung, daß es sich um Raps handelt, wurde verneint; was es hingegen stattdessen ist, weiß keiner so recht.

Oder? Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.

* Flinke Träger? WTF?

Hrrrrgggn!

Heute wieder Rudelbesichtigung.

Ich kann nur hoffen, daß der Hausverwalter, Makler, Vermieter oder wie immer er sich heute schimpfte, nicht wie seine Berufskollegen auch in den nächsten Tagen von spontaner Taubstummheit befallen wird und darüber hinaus das gesamte Internetz oder mindestens seine Tipp-Finger verliert.

Ich will heim! In mein Heim! Zefix!

Neu im TV: Tatort Münster – Schwanensee

Sonntag, viertel nach acht in Deutschland. Die Nation guckt Tatort. Ich auch, und zwar pünktlich zur richtigen Zeit und nicht irgendwann viel später mit pixeligen Mediathekwackelbildern von San Bruno Wackel-Cable. Scho sche. Vor allem, wenn Boerne und Thiel in Münster ermitteln. Da gehts dann weniger um die Aufklärung des Verbrechens als um lustitsch und Slapstick. Haben sie wieder sehr schön hingekriegt, und, auch wenn’s jeder Vor- und Nachkritiker schon zitiert hat, hier mein Lieblings-Dialog: Thiel, einer Flüchtigen hinterher: “Kommen Sie zurück, oder ich schieße!” Boerne: “Ob das für einen Suizidgefährdeten eine substanzielle Bedrohung darstellt?”

I was amused. Das langt.

Wie heißt das Zauberwort?

Noch nie gesehen, daß ein unbotmäßiges Kind aber sowas von sofort mit seinem Gemaule und Gequengele aufhört wie vorhin gegenüber im Vierersitz in der S-Bahn, als die Mutter ihren Knaben spitz fragt: “Sind wir gerade ein bisschen schackliin?”

Wiedergänger

Ich habe mich gestern wieder meiner üblichen Wochenendbeschäftigung gewidmet und Wohnungen besichtigt. Dabei ließ mich der Gedanke nicht los, daß es doch geradezu erschreckend ist, wie schnell Herumgerenne und -gesuche zur Routine wird. Möge diese Quest bald enden!

Durch Wohnung Nr. 1 führte ein Makler, der die Haare genauso Vokuhila trägt wie Rudi Völler in seinen Glanztagen. Wobei, von “führen” kann man beim Völlercousin nicht wirklich sprechen: eigentlich drückte er nur für jeden neuankommenden Besucher auf den Haustüröffnedichknopf, belästigte aber im weiteren die zeitgleich knapp 20 Interessenten (von 42 auf seiner Liste), die mit Kind und Kegel sowie Mann und Maus angereist waren und sich im Pulk durch die 65 Quadratmeter Wohnfläche schoben, weder mit Rat noch Tat, zeigte aber immerhin auf Nachfrage auf seinem Tablet (!) Bilder von Kellerabteil, Waschküche und Duplexgarage. Runtergehen war nicht. Wenn ihn jemand erfolgreich stellte, gab er huldvoll Selbstauskunftbögen aus, die man, vom Bewerber wahrheitsgemäß ausgefüllt, “in der Zentrale” sammeln und auswerten werde. Wichtig: “Don’t call us – we call you. Höhö.”

Nun war aber die Wohnung eine, bei der Lage, Preis und Ausstattung stimmen und die ich darum gerne hätte, also habe ich diese Drecksprozedur komplett nicht nur mitgemacht, sondern heute früh auch noch eine reizende Bewerbung mit sehr viel Selbst-Marketing geschrieben. Mannmannmann!

Wohnung Nr. 2 lag in einem entzückenden Wohnviertel, an einer Spielstraße mit Spielplatz in Hör- und Sichtweite, Nachbarinnen, die, die Ellen auf Kissen gestützt, das bunte Treiben auf der Straße fest im Auge haben und wenigstens sechs Neighborhoodwatchern, die mich (ich war 10 Minuten zu früh dran) von hinter ihren Gartenzäunen observierten. Ein Idyll, wie’s schrecklicher nicht geht. Die potentielle Vermieterin hinkte die Treppen zum “Kleinen Paradies mit Gartenmitbenutzung” voraus, das, obzwar “sofort bezugsfähig”, voller Möbel stand (und die Schränke und Kasten voller Geschirr und Kleidung). Hmmm? Ja, dem Vormieter sei es nicht gelungen, die Caritas zur Abholung zu bewegen und daher gehörte das jetzt alles zur Wohnung. Hmmm? Und wenn ich wirklich was ich nicht brauche, könnte ich das doch in den Keller stellen. Oder so.

Nebenher unterhielten wir uns über Arthrose und andere Gebrechen und Superduperhüft-OPs ole und, weil wir beide nimmer so gerne lange stehen, wurde ich zum Weiterplaudern auf einen Kaffee geladen. Das war sehr nett, aber die Wohnung liegt trotzdem immer noch JWD an der Überwacherstraße und ich mag mich außderdem nicht um Einlagerung und/oder Entsorgung von Herrenklamotten und -möbeln kümmern müssen.

Fazit: Lecker Kaffee, lecker Schoggi, seehr nettes Schwätzle – meine Vermieterin wird sie nicht.

 

Aktueller Stand: ich habe mich um zwei Wohungen beworben, bei denen ich mich sehr freuen würde, den Zuschlag zu bekommen und bin für jedes Daumendrücken, Gutwünschen oder sonstiges Voodoo sehr dankbar. Eine dritte Wohnung ist auf der besseren Seite von okay und wäre als Kompromiss akzeptabel – da muß der Vermieter aber noch lernen, die korrekten Einstellungen in seinem e-mail-Konto vorzunehmen. Ich kann ihm mein Interesse nämlich nicht mitteilen, wenn alle e-mails gebounced werden und das Profil auf ImmoScout längst gelöscht ist.

Ist der Ruf erst ruiniert

Schmuddelwetter, nasskalt, grau, Mützeschalhandschuh, Hochnebel, unruhig wandern, Bätter treiben, Grablaterndl, Trübsinn, frösteln, Melancholie, Gustav von Aschenbach, Tiefnebel, mehr frösteln, Knochenkälte, Johanniskraut, Raureif, Gipfeljagennebelschwaden, Tom Waits (http://bit.ly/1iKX1IL), frieren, Zug zu spät, Totaldepri, Schuhesockenfüßenaß, Bäume kahl, Sträucher kahl, richtig ernsthaft frieren, Veteranenschleifenkränze, the sun ain’t gonna shine anymore, alles räbähbäh.

Ich glaube, der November hatte es richtig satt, daß beim freien Assoziieren nie jemandem auch nur ein nettes Wort zu ihm einfiel und sich dieses Jahr gedacht, daß er auch anders kann. Frühlingshafte Temperaturen, Blauhimmel und Sonne satt. So isses recht, November. Sehr brav. Da bekommst du jetzt einmal ein ganz großes Lob! Und ihr anderen nehmt euch ein Beispiel. Ja, du bist gemeint Dezember und ihr auch, Januar und Februar und März.

Nur zur Erinnerung: jetzt, wo ich wieder da bin, liegt die Schneefallgrenze in Garmisch. Allerfrühestens.

LärcheBusch
Apfel

Schon wieder Metropoltheater: Unter dem Milchwald

Was ursprünglich “Ein Stück für Stimmen” war (so heißt ein Hörspiel, wenn Dylan Thomas es poetisch umschreibt), ist hier von Ulrike Arnold mit einem verblüffend kleinen Ensemble auf der Drehbühne inszeniert worden. Die Truppe brilliert mit schnelle Rollen- und Kostümwechseln, damit auch ja jeder Einwohner des kleinen walisischen Kaffs Llareggub (rückwärts gelesen für “Bugger, all!”) zu Stimme und Wort kommt. Das ist so gewöhnungsbedürftig wie es unterhaltsam ist – mir sind schon lange keine zwei Stunden mehr so schnell vergangen.

Einzig Gerd Lohmeyer schien ein wenig überfordert, die übrigen vier Darsteller (Lena Dörrie, Markus Fennert, Thomas Meinhardt, Eli Wasserscheid) waren helle Augen- und Ohrenweiden. Das Stück läuft noch bis Ende November in Freimann und hätte viele Zuschauer verdient.