Was dem gemeinen Asterix-Leser schon von klein auf als Danaergeschenk (s. u.) bekannt ist,
verallgemeinert der mit den europäischen Stämmen offensichtlich nicht über die Maßen vertraute Native Englischsprecher zum Greek gift.
Ich will es jetzt einmal für ein gutes Omen halten, daß in meiner Mieternummer gleich zwei Mal die Zahlenfolge “007” enthalten ist, denn bis dato kann ich meinem Vermieter eigentlich nur ein ganz besonderes Talent zum Knüppel zwischen die Beine* werfen attestieren. Den Mietvertrag? Habe ich bis heute noch nicht, warum auch? Weil zum Beispiel der wohnungs- und schlüsselübergebende Hausmeister auf einem schriftlichen Einzahlungsnachweis für die Kaution besteht? “Kein Problem”, sagt der Verwaltungsangestellte, “die Kontonummer steht in den Vertragsunterlagen.” “Die”, sage ich, mühevoll die wachsende Panik und Ungeduld in meiner Stimme unterdrückend, “ich immer noch nicht bekommen habe.” E-mail? Fax? Reitender Bote? Irgendeine andere Zustellart als Schneckenpost? “Nein”, sagt der Verwaltungsangestellte, “machen wir nicht” in diesem Das-haben-wir-immer-schon-so-und-nicht-anders-gemacht-da-könnte-ja-jeder-kommen-Ton, der bei mir einen Beißreflex auslöst. Nach zwei Tagen mit zunehmend hektischeren Telefonaten habe ich ihn soweit, daß er mir immerhin die Nummer des Kautionskontos per e-mail schickt. Bravo! Das macht ihn zum klaren Anwärter für den Titel “Verwaltungsangestellter 2.0” und mich zum schnellsten Kautionsüberweiser ever.
Gut, das hätten wir geregelt, meine Chancen, am 1. Dezember den Hausschlüssel zu bekommen, sind soeben sehr stark gestiegen. Das ist hilfreich. Nicht zuletzt deswegen, weil die Lagermenschen, die auf meine Möbel aufpassen, im Kleingedruckten ihres Vertrags versteckt hatten, daß, wenn ich meinen Hausrat nicht spätestens am 3. Dezember von ihnen weghole, jeder weitere angefangene Tag wie ein Monat zählt und somit auch eine weitere Monatsgebühr, im Voraus und nicht erstattbar, erhoben wird. Interessante Zeitrechnung, to say the least. Und auch, weil die einzige Umzugscrew, die in der Adventszeit noch aufzutreiben war, nur am 2. Dezember vormittags Zeit hat.
Durchatmen. Dieser Teil scheint geregelt. Was noch? Mein Vormieter ist wankelmütig. Will sein Bett, das bis dahin hoch oben auf der Ablöseliste stand, doch mitnehmen. Oder nicht. Oder doch. Oder bis zum 15. in der Wohnung lassen und dann holen. Oder doch mir verkaufen. Nachdem sich diese Entscheidungsunfreudigkeit über eine Woche hingezogen hatte, habe ich heute eine klare Ansage eingefordert. Letzter Stand: sein Bett bleibt sein Bett bleibt sein Bett. Gut, daß ich mein rotes Futon eingepackt habe. Das Futon war vor seiner Karriere als Gästebett in San Bruno schon mal mein Aushilfsbett, das kann es wieder sein. Haben wir auch dieses Problem gelöst, wiewohl mir das coole (und bereits fix und fertig aufgebaute) Vormieterbett doch sehr ins Auge gestochen hätte. Ich bin noch dabei mir einzureden, daß das bestimmt bedeutet, daß da draußen in den fernen Möbelwelten eine viiiieeel bessere und schönere Schlafstatt auf mich wartet. Bestimmt.
Nächster Punkt: ich brauche Strom. Und Internet. Und einen Staubsauger.
Anruf bei den Stadtwerken: “Ich möchte bitte Strom von Ihnen.” “Ja, welchen Strom hätten’S denn gern?” “Ja, hmm, weiß nicht…” (Kann ich denn ahnen, daß, kaum ist man ein paar Jahre außer Landes, die SWM vier verschiedene Stromsorten erfinden?) “Kann ich mir das nochmal überlegen?” “Kein Problem” sei das, befindet die freundliche Dame am Telefon, man lasse üblicherweise die Leitungen offen und stoppe die Stromzufuhr erst, wenn man über eine ganze Weile Verbrauch beobachte, ohne daß sich jemand dafür verantwortlich und zahlungswillig zeige. Das ist schon nett hier; amerikanische Energieversorger kennen da nix, die stellen nach dem Motto “Kein Geld? Licht aus!” auf die Stunde genau ab.
Internet bestellen ist komplizierter. Mit Kabelfernsehen? Ohne? Mit bis zu 10 Telefonanschlüssen? Warum? Oder säckeweise Filmen und Serien aus der hauseigenen Datenbank? Welche down-, up- und wo wir gerade dabei sind, side- und ums-Eck-load-Geschwindigkeit braucht der Mensch? Als Nicht-Gamer, aber Doch-Streamer? Wie lange dauert es, bis mein Smartphone explodiert, wenn es als Hotspot benutzt wird und wann streikt der Mobilfunkanbieter in diesem Fall? Es isch ned oifach in dera digitala Weld…
Ich brauche schon gar nicht mehr alle Finger an einer Hand zum Abzählen, wann es endlich losgeht mit der Umzieher- und Auspackerei und dann bleibt nur noch wieder eine Grundausstattung an Lebensmitteln und Gewürzen zu besorgen und nach und nach zu ersetzen, was ich nun schon zum 2. Mal wegen falscher Spannung verschenkt habe (Staubi zuerst!) und schon wohne ich wieder. Hach!
* Im Angelsächsischen geht man für dieses Idiom nicht mehr zu Fuß, da heißt es “to put a spoke in sb.’s wheel”.
Im Rennen um das Unwort des Tages ist ein Kandidat verspätet ins Rennen eingestiegen und hoooolt auf! Un-glaub-lich! Was für ein Finish! Kopf an Kopf rasen Graupelschauer und Schneeregen auf die Ziellinie zu – uhund? Es wird gemessen und gewogen und die Torkamera befragt – tatsächlich: ein ganz klares Unentschieden.
Brrrhhh.
Aus gegebenem Anlaß wählen wir heute den Begriff “Graupelschauer” mit dem Hinweis darauf, daß ich das englische Äquivalent “shower of sleet” extra nachschlagen mußte, weil ich das in den sieben Jahren Nordkalifornien nicht einmal gebraucht und also nicht gelernt habe.
Danke, Annette, für diesen Gastbeitrag.
Kaum ist man wieder auf der anderen Seite des Atlantik, verblassen Erinnerungen, wie zum Beispiel die an den amerikanischen Ausnahmezustand Ende November. Hektisch überteuerte Reisen zur weit entfernten Familie buchen und sich dann mit Massen durch Flughäfen schieben, die gleichermaßen auf extrem verspätete Ab- (und spätestens am Sonntag auf Rück-) Flüge warten, Staus auf Highways, Grocery Shopping XXXL, weil manche Geschäfte womöglich (nur leicht) eingeschränkte Öffnungszeiten haben, einen Tag lang fressen fressen fressen, einen Black Friday lang extrem kaufen kaufen kaufen und dann Reste, Reste, Reste verwerten und wie jedes Jahr den Schwur ablegen, nie nie nie mehr einen Truthahn mit allen Nebengerichten zu braten und nie nie nie mehr ein Turkey-Sandwich zu essen und der Allejahrewiedergutvorsatz endlich endlich endlich eine Diät zu machen, damit man ins feine G’wand fürs Kaminfeuerbild für den Weihnachts-Bragging-Brief paßt und und und… Ein Streß, sag ich dir!
Ja, aber es war schon dort nicht meiner (außer als Beobachterin) und hier schon gleich drei Mal nicht. Es langt mir, daß mich jetzt alle mit digitalen Grußkarten zuschmeißen – unten die bisher tollste – und ich nix muß. Nicht fressen, nicht hungern, nicht kaufen. Bloß umziehen.
Hoid amoi, Moooooment amoi!
Das war aber so nicht abgesprochen. Erstens sind meine neuen Winterschuhe noch nicht eingelaufen (und das dauert!) und zweitens ziehe ich demnächst um – da kann ich keinen Schnee gebrauchen. Sofort wegtauen und dann verschieben wir die Schneierei bitte erst mal, bis mindestens 2050 oder so.
Außderdem laufen in meinem Kopf in einer Endlosschleife gerade alle Winterlieder, die ich je gehört habe und meistens enden die damit, daß jemand in einer Schneewehe erfriert oder im Eis einbricht und im kalten Fluß ersäuft.
Und nun alle:
Herr Winter
geh hinter,
der Frühling kommt bald!
Das Eis ist geschwommen,
die Blümlein sind kommen
und grün wird der Wald.
Herr Winter
geh hinter,
dein Reich ist vorbei.
Die Vögelein alle,
mit jubelndem Schalle,
verkünden den Mai!
“Jetzt”, denk ich, “jetzt kämen sie daher, die Homeland-Securer, jetzt, wo ich einen neuen Job und eine neue Wohnung habe und täten mich wiederhaben wollen. Phhh!” Wie ich die e-mail dann gründlicher anschaue, ist es doch nur das TIME Magazine, das mir ein geradezu unglaubliches Angebot macht, um mein Abonnement zu verlängern. Nein, tut mir leid. We are done. Wenn ich nochmal kommen sollte, dann allenfalls als Touristin und dann kauf ich mir vielleicht das gerade aktuelle Heft.
Ihr hattet eure Chance.
Ich: “Ja, ich will!”
Da Compjutah: “Wirklich? Also, ganz in echt?”
Ich: “Ja, du elektronischer Depp, ich will. Wirklich ganz in echt. Ich habe eine Wohnung gefunden! Endlich!” Und jetzt müssen deine fleißigen Algorithmen nicht mehr für mich durch Datenbanken wandern und das ohnehin schon begrenzte Wohnangebot mit meinen Suchkriterien abgleichen.
Und? Wie ist sie, meine neue Wohnung?
Tja, das ist eine längere Geschichte, die ich richtig gerne erzählen will. Die regelmäßigeren Leser unter euch erinnern sich sicher noch an meine Begeisterung, als ich vor gut drei Wochen MEINE Wohnung gefunden und es auf die Wohungsinteressentenvormerkliste geschafft hatte (s. https://flockblog.de/?p=28914) – und an meine Enttäuschung, als ich kurz darauf eine Absage kassierte. Und wie ich dann unverdrossen weiter durch die Ebenen und Höhen irrte, den Sirenen (“Unterschreiben’S einfach hier meinen Maklervertrag und Sie werden’S sehen, wie die schönen und bezahlbaren Wohnungen wie die Pilze aus dem Boden sprießen”) widerstand und Zyklopen (“So wie ich das sehe, biete ich Ihnen hier eine bildhübsche Wohnung an”) trotzte und sogar knapp dem Hades entrinnen konnte. Bloß eine Wohnung, die ich so gerne mochte wie MEINE, die wollte sich nicht finden lassen. (Es wird nicht leichter, wenn man die Folgeangebote an der Idealwohnung mißt…)
Aus gutem Grund. MEINE Wohnung ist jetzt nämlich doch meine geworden. Der Mensch auf Platz 1 der Wohungsinteressentenvormerkliste ist diese Woche kurzfristig und überraschend vom Mietvertrag zurückgetreten, mein zukünftiger Vormieter hat mir umgehend Bescheid gegeben, ich habe ebenso umgehend die Hausverwaltung bezirzt, aber so dermaßen, daß sich Medeas Tante jetzt ganz schön warm anziehen kann, und hatte keine 24 Stunden später die Zusage, daß ich am 16. Dezember einziehen kann. Weil aber Calendrata, die Göttin für Terminänderungen, ihre schützende Hand über mich hält, hat sich der Vormieter in spe noch einmal umbesonnen und die Wohnung ist schon zum 1. Dezember frei.
Hach! Noch 10 Tage bis zum eigenen Herd. Und das im Wortsinne, die Küche samt Herd gehört nämlich zu den Dingen, die ich ablösen werde – so wie schon aufgehängte Lampen und aufgebaute Schränke. Doppel-Hach!
Sehr vorfreu!
Eine Rolltreppe ist ein Personenbeförderungsmittel zur Überwindung einer Höhendistanz, bei dem sich bewegende Metallsegmente Treppenstufen bilden. Eine besondere Ausführung sind Rolltreppen mit wechselnder Fahrtrichtung. Die Fahrtrichtung ist dabei nicht wie sonst immer gleich bleibend und mit Aufklebern gekennzeichnet, sondern wird durch Statusanzeigen an den beiden Enden angezeigt, die die jeweils aktuelle Fahrtrichtung angeben.
Und was habe ich mich bei dem Hin und Her und Auf und Ab auf der Suche nach einem neuen Domizil in den verschiedensten und entlegensten Ecken Münchens über die letzeren gefreut. Wo ich doch jetzt Knie habe!
Dem Amerikaner, außer er käme aus Las Vegas, sind ja schon Rolltreppen an sich nicht geheuer (der gemeine New Yorker zum Beispiel schleppt sich noch heute über ganz reguläre Treppen aus dem Underground), wenn sie dann auch noch die Laufrichtung ändern, dann wittert er Teufelswerk und steht mit der Fackel bei Fuß.
Gell, Toni?