Gelesen: Scott Lynch – The Lies of Locke Lamora

Jetzt kenne ich mich schon so lange und falle trotzdem immer wieder auf mich herein. Anstatt das verregnete lange Wochenende dafür zu nutzen, jetzt aber endlich die Unterlagen für die Steuererklärung fertigzumachen und den Postrehakram für die Krankenversicherung auszufüllen, gar nicht zu reden von dem und jenem auf dem Papierstapel, das dringend meiner Aufmerksamkeit bedürfte, weil irgendwelche Fristen demnächst ablaufen, höre ich auf Pauls Einflüsterungen und verfalle einem Buch. Ganz und gar und mit Haut und Haar und das zu Recht.

“The Lies of Locke Lamora” spielt in einem Stadtstaat, der vage an das alte Venedig angelegt ist und Locke Lamora ist zwar Waise, aber alles andere als ein Waisenkind und steigt rasch zum Anführer der “Gentlemen Bastards”, einer Gruppe von cleveren Dieben auf. Scott Lynch schreibt in einer sehr witzigen blumigen Sprache, wechselt ständig zwischen Zeitebenen und immer, wenn man glaubt, alle Intrigen durchschaut zu haben, setzt er noch eine drauf; mit ziemlicher Sicherheit ein Erbe seiner Zeit als Autor von Rollenspielen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die vielen Folgebände noch lesen will; ich fürchte, man kann das Thema totreiten und das wäre schade, aber dieser eine und erste hat mir das diesjährige Pfingsten versüßt. Weil das Buch schon 2006 erschienen ist, gibt es bereits eine deutsche Übersetzung, die allerdings allerorten sehr verrissen wird.

Empfehlung: Lesen, wenn’s an Pfingsten regnet und die Steuererklärung fertig ist.

Liebe Süddeutsche Zeitung,

Ihr leistet euch ein Sprachlabor und den Laboranten Hermann Unterstöger, der in jeder Wochenendausgabe über die Fährnisse der deutschen Sprache und ihrer Grammatik doziert. Und laßt es zu, dass einer eurer Kollegen in seiner Konzertkritik über Phil Collins diesem ein kaputtes Schiff anzieht? Ernsthaft, jetzt?

Wrack1

Liebe Süddeutsche Zeitung, wie wärs, wenn ihr die Steine wieder auf den großen Haufen legt, euch in euer Glashaus zurückzieht und euch schämt?

So a saudummer Tag

Wenn ein Tag schon damit anfängt, dass frau nichts mit kochendem Wasser aufgießt, die Frühstücksbutter mit der Butterseite nach unten auf den Küchenboden klatscht und dann zu allem Überfluß der Ausflug an den Badesee mit Sonne sowie Schwimmen und Lesen wg. Scheißwetters durch Nurlesen* ersetzt werden muß. Dann hätte es eigentlich nicht gebraucht, dass El Knie nicht nur ein Wettervorhersager, sondern den ganzen lieben langen Tag auch ein Wetteraufsager ist. “Es regnet. Nämlich. Ich äußere das mal durch stechende Schmerzen.”

Konzentrier’ du dich auf Beugen und Strecken, du Scharniergelenk, du!

 

* Wobei “Nurlesen” gibts ja eigentlich gar nicht. Viel besser als lesen geht nicht. Niemals. Vor allem, wenn der Besuch vom langen Wochenende neulich so lange hartnäckig aus seinem Buch vorliest, dass frau unbedingt wissen muss, wie’s weitergeht. Und ihren Lesemarathon nicht mit Schwimmen unterbrechen muss, weil das Buch beim Pedalo-Treten trocken bleibt.

Summertime

Kann ja sein, dass bei anderen Menschen der Sommer am 21. Juni anfängt, bei mir ist es schon heute so weit: der Herr gegenüber, ich glaube, letztes Jahr hatte ich ihn Luis getauft, wässert seine Balkonpflanzen wieder im Adamskostüm. Modell very crinkle.

Die Entstehung der Arten

Erst neulich hatte ich von den knatschbunten Likören der Firma Einhorn berichtet (s. https://flockblog.de/?p=32971) und hielt diese Abifeieralkopops schon für einen eigentlich nicht mehr steigerbaren Höhepunkt aus dem Universum der Geschmacklosigkeiten.

Offensichtlich habe ich nicht immer recht, denn es ist zur Zeit eine gar gräßliche Einhornisierung zu beobachten. Und nicht etwa nur bei Kleinmädchenzeugs, wo’s schon schlimm genug wäre. Nein. Dieser Tage standen mein australischer Gast und ich recht fassungslos vor Einhornpralinenkugeln in den Geschmacksrichtungen Apfelkuchen-Pfefferminz sowie Schockschoko-Brummbär* und heute mußte ich beim Verräumen meines Sonderangebotsklopapiers (doch, das ist meine Ausrede, dazu steh’ ich) feststellen, dass ich Einhornzellstoff erwischt hatte, mit süßem Zuckerwatteduft. Ach, was sag’ ich. Süß reicht denen nicht, es muß gleich zuckersüß sein.

Augen auf beim Einkauf: wenn ein Regenbogen drauf ist, ist das pummelige Hornpferd nicht weit.

zuckersüss

 

* Und ich mußte dieses gräßliche Beerenwortspiel auch noch übersetzen…

Konzertbericht*

Wem es mit klassischer Musik so geht wie mir, nämlich, dass sie zu ihrem Bedauern nicht viel davon versteht, andererseits aber auch den Arsch fürs Selbststudium nicht hochkriegt, um diese Unwissenheit auszumerzen, der ist gut beraten, ein Konzert des Pianisten András Schiff zu besuchen. Sir Schiff nämlich hat einen intrinsischen Lehrauftrag und will, dass die Menschen, die ihm zuhören, verstehen, was sie hören. Und darum unterweist er sie in Musikgeschichte und schult die Öhren, indem er ihnen Beispiele und Ausschnitte (Neudeutsch: “snippets”) vorspielt, bevor er sich in der ersten Hälfte seines Konzertes daran macht, einen Dialog zwischen Bach & Bartók herzustellen, als lägen nicht zwei Jahrhunderte zwischen den beiden Komponisten. Im zweiten Teil bringt er Janácek und Schumann zusammen, wobei letzterer seinen Stücken als Zuschreibung (in der Welt, von der ich mehr verstehe, heißt sowas “Regieanweisung”) so lustige Tempi vorgibt wie “etwas hahnbüchen” oder auch “sehr rasch und in sich hinein” und Sir Schiff erklärt auch hier vorher mit einer Engelsgeduld und gutem Humor, wie das umzusetzen sei.

Ich hätte nicht erwartet, dass mir dieses Konzert soviel Spaß machen können würde. Weil man mich aber etwas gelehrt hat, hat es und ich habe mich über jede der drei Zugaben genauso sehr gefreut wie alle anderen im gestern fast vollbesetzten Prinzregententheater.

 

* Diesen blogpost eine “Kritik” zu nennen, wäre angesichts meines grob lückenhaften Wissens einfach nur vermessen gewesen.

Klassenbester

Habe El Knie heute knapp zwei Monate nach der OP bei seinem Chirurgen, auch bekannt unter dem Beinamen der Große Hesitator, vorgestellt. Das Röntgenbild war Lehrbuch, die Narbenheilung auch und es wurden eigens zwei Doktorenkollegen herbeigerufen, um El Knie und den Skalpellmeister zu loben. Wir sind dem üblichen Heilungsverlauf ungefähr drei Wochen voraus, dürfen ab sofort für längere Märsche die Krücken schon durch Walking Sticks ersetzen und wurden mit einem wohlwollenden “Weiter so und bis nächstes Jahr um diese Zeit” entlassen.

Heute Abend ist El Knie dick geschwollen. Wahrscheinlich vor lauter Stolz. (Am tagelangen Herumlaufen in Stadt, Park und Museum kanns ja nicht liegen. Nicht bei drei Wochen Vorsprung.)

Ach Vroni, mei Engerl

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Veronica Angela