Machine Learning

In Zeiten, in denen Computer immer mehr und schneller von ihren Menschen lernen, machen die Autokorrekturen kaum noch Blödsinn.

machine learning

Wie gesagt: kaum noch. Manchmal aber doch, wie heute bei der SMS, mit der eine Freundin ihren Besuch ankündigt.

Jetzt muß die Autokorrektur leider nachsitzen und 100 x “… sollen sie doch Kuchen essen” schreiben.

Neu auf Netflix: The Dragon Prince

Das Team von “Avatar – The Last Airbender” hat sich ein neues Universum ausgedacht, bevölkert von Prinzen, Elfen, Magiern, Drachen und die erste Staffel der Animationsserie ist sehr schön geraten. Sie funktioniert, wie schon Avatar, auf mehreren Ebenen. Alter egal, ein Kindergemüt reicht, wer aber gerne was fürs Hirn hätte, findet sich ebenfalls gut versorgt.

Avatar-Aficionados werden viele Parallelen finden, nicht zuletzt weil Callum, der ältere der beiden Prinzen, dem Sakka aus Avatar sehr ähnelt. Er wird ebenfalls von Jack De Sena gesprochen, auch ihm verunglücken ständig Witze, aber auch wenn er seinen Platz im Leben noch finden muß, ist er doch schon seit immer der Beschützer der Jüngeren. Meine aktuell liebste Figur ist ein Elf, Rayla (Stimme: Paula Burrows), sehr begabt, außer als Attentäterin, und das wäre eigentlich ihr Job. Sie spricht mit einem allerliebsten schottischen Akzent und ist die Figur mit den größten Konflikten und dem interessantesten Potential.

Wer Magie und Fabelwesen mag und dazu nicht zwingend Zombies, Blutgedärm und Sex braucht, möge sich den Drachenprinzen ansehen und mit mir hoffen, dass die 2. Staffel bald in Auftrag gegeben wird.

Urban Jungle

Ein junger Mann rennt den Gehweg lang wie weiland Lola. Das ist eigentlich nichts besonders, allein, er schwingt dabei Krücken – die er übrigens auf dem Rückweg in den Boden rammt und sich solchermaßen schnell vorwärts schwingt, dass man gar nicht anders kann, als “Liane” zu denken. Ein sehr junges Mädchen verschlingt im Gehen grüne Blätter aus einer mindestens einen zerpflückten Salatkopf fassenden großen blauen Plastikschüssel. Vor einem Café hockt breitestbeinig und tiefenentspannt ein gut gebräunter Herr mit Glatze, in silbernen Sneakerboots, dunkelfliederfarbenen Socken, allerletzterversuchlilaner Feincordhose und Bomberjacke im Baseballstil, die Arme rot mit dicken blauen Lettern, die Front in Gold, über den Wanst gespannt, rauchend und teetrinkend. Weiter hinten auf dem Gehweg räkelt sich eine Dame in viel selbst Gestricktem, gekrönt von einer beuligen Mütze mit Schirm vorne, Puschel oben und langem Zipfel hinten (irgendwo müssen die Wollreste ja hin) auf einer roten Plüschdecke und modelliert die andere Hälfte ihrer Sandskulptur. Es scheint sich dabei um ein wurstförmiges Tier mit Knubbelohren (kupiert?) und Schweineschnauze zu handeln.

Nein, ich habe nicht schon wieder einen schrägen Film gesehen. Ich war bloß in der Schwanthaler Straße, Nähe Stachus. Besorgungen machen. Frage mich allerdings, ob ich womöglich in den Dreharbeiten zur modernen Variante des heiteren Beruferatens geraten bin? (Wer sind diese Menschen und was tun sie?) Oder ob ich als Haderner Landei halt ein bißchen überfordert bin von der großen Stadt…

Neu auf Amazon Prime: The Fitzroy

the fitzroyAutor und Regisseur Andrew Harmer hatte sich diesen Film schon lange in den Kopf gesetzt, mit einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne das Geld gesammelt und ich freue mich sehr, dass er so viele Finanziers gefunden und die Gelegenheit bekommen hat, seine Ideen umzusetzen. Herausgekommen ist eine schwarze skurrile postapokalyptische so very British Komödie, einfach ganz und gar herrlich. So ein schöner Film!*

Anfang der Fünfziger Jahre. England liegt verheeret. Eine Giftgaswolke hat die Welt dahingerafft, nur wenige haben überlebt. Die Luft bleibt verseucht, ein Aufenthalt draußen ist nur noch mit Gasmaske** möglich. Und nicht ein allwissender Erzähler aus dem Off bringt uns mit sonorer Stimme auf diesen Wissensstand, sondern einer der wohl schönsten animierten Vorspänne der Filmgeschichte.

Ein kleines Häufchen Menschen hat Unterschlupf gefunden auf, nein, in der Fitzroy, einem aufgelassenen rostigen Uralt-U-Boot, das vor der Küste des Seebades Margate gestrandet ist. Diese lucky few sind ein Querschnitt der englischen Nachkriegsgesellschaft, man muß sich die einzelnen Typen wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Da ist das furchtbar schmuddelige Besitzerehepaar, Geizkrägen dickensianischer Dimension, mit englischen Gebissen aus den Zeiten vor der Einführung des National Health Service und der Maxime, dass alles machbar ist, solange der Kunde zahlt. Wenn der Hauswirt – immer persönlich, man kann ja keinem trauen, auch und vor allem nicht der eigenen Frau – die Miete eintreibt, kommt er mit einer kleinen Waage und läßt losen Tee (die neue Währung, hey, es sind Briten) in die Schale löffeln, ganz genau, bis zum letzten trockenen Blättchen. Wer so nicht (mehr) bezahlen kann, begleicht seine Schuld in Naturalien (zur Femme fatale des Filmes später mehr) oder fliegt raus und muß nun ihr ganz und gar tragisches Dasein als Wahnsinnige, mit Gasmaske und angekettet am Strand fristen.

Wo ich gerade dabei bin: Das Casting kann man gar nicht genug loben. Und die Ausstatter. Die Special Effects. Die Schauspieler. Was die aus dem vergleichsweise kleinen Budget gemacht haben: saa-gen-haft!

Zu den Dauergästen in der Fitzroy zählen: der längst dem Wahnsinn verfallene ehemals bessere Herr, langzottelhaarig und mit Megaphon, in das er, gleich nach dem Aufstehen (und er steht früh auf) seine tägliche und über den Tag häufig wiederholte Tageslosung “We are dooooooomed” plärrt. Und sonst? Der ehemalige Offizier der ehemaligen Kolonialtruppen mit Großwildjägerattitüden. Die reizende alte Dame mit dem Sittich (man denke Miss Marple, denn sie hat einen sehr feinen Biß, die Gute). Der irre Arzt, eine Dr. Hyde-Figur unter Verzicht auf den guten Dr. Jekyll, am besten beschrieben als eine Art Schwippcousin des Fleet Street Barbiers Sweeny Todd. Eine ganz wunderbare Femme fatale, von der sich Lady Macbeth gerne noch ein Scheibchen abschneiden würde, wenn sie denn könnte. Das Orchester, dicht gepackt in einer gemeinsamen Kabine im unteren Unterdeck, mit dem wohl tragischsten Beckenspieler, den man je gesehen hat. Und natürlich die eigentliche Hauptfigur: Bernard, der Page in der klassischen roten Uniform, der den Laden am Laufen hält. Mahlzeiten serviert, Lecks stopft (ein Meister mit Duct Tape), Klos entstopft, putzt, wäscht, macht, tut und, natürlich, keinen Dank bekommt. Er ist selbstverständlich auch zuständig für den Empfang der ersten neuen Gäste seit langem, dem frischvermählten Ehepaar Fisher auf dessen Hochzeitsreise. Es ist so herrlich absurd, wie sie in Zeiten der Apokalypse geradezu krampfhaft Normalität herbeispielen, ich habe Tränen gelacht.

Dann, oh weh, ist es soweit: Der Inspektor kommt. Es muß unheimlich Spaß gemacht haben, diesen furchtbar schmierigen Typen zu spielen, vor dem Mechtel und Techtel, Mord, marodes Schiff und anderes verborgen werden sollen. Wie das gründlich schiefgeht und was sonst noch alles passiert, möge sich bitte jeder und jede selbst und vor allem bald ansehen

Falls es aus dem Text nicht klar hervorgehen sollte:
Anschauen Anschauen! Anschauen! Anschauen! Hurtig, jetzt!

 

* Wer Wes Andersons Film mag, ist auf der Fitzroy*** schon mal nicht ganz verkehrt.

** Wenn die Protagonisten durch Gasmasken sprechen, ist das recht schwer verständlich. Das haben sie, mit viel viel mehr Budget, aber auch bei Batmans Bane nicht besser hingekriegt und ist hier verzeihlich.

*** Schon der Name ist schön doppeldeutig: “Fitzroy oder FitzRoy ist ein “künstlicher” Familienname, ursprünglich gedacht für die direkten unehelichen, aber quasi offiziell anerkannten Nachkommen eines Königs. “Fitz” ist ein anglo-normannisches Präfix für “Sohn von” (aus frz. fils de), während Roy die alte französische Schreibweise für König ist.” (Quelle: Wikipedia)

Happy Halloween!

batmanEin Freund aus Amerika schreibt heute, dass er sich dieses Jahr als THE PENGUIN verkleiden werde und weil man ja nie weiß, welches Vorwissen andere haben, fügt er vorsorglich hinzu, dass es sich beim Pinguin um einen Schurken aus Gotham City handelt. Ah, frage ich, ist der kleine Enkel inzwischen alt genug, um THE BATMAN sein zu wollen (s. links).

Ja, schon, eigentlich, aber als sie im Laden mit den Halloween-Kostümen waren, habe sich der Knabe spontan für ein anderes Gewand entschieden und nun werden sie heute Abend als THE FLASH and HIS PET PENGUIN trick-or-treaten gehen.

 

Halloween und die Außenbeleuchtung des Häuschens an und die Candy Bowl in Griffweite und viele viele klopfende Kostüm-Kinder, die ihr “Tickateet” aufsagen, das fehlt mir schon sehr.

Neu auf Netflix: Castlevania, 2. und finale Staffel

Ich weiß gar nimmer, ob ich von der ersten Staffel schon geschwärmt hatte? Immer, wenn ich so anfange, ist es Faulheit – ich brauche doch bloß “Castlevania” ins Suchfenster einzutippen und schon spuckt der Algorithmus brav https://flockblog.de/?p=33305 aus und siehe da, ich hatte von der ersten Staffel und dem Cliffhanger schon berichtet.

Ausgangssituation: Vlad Tepes Dracula ist nicht gut auf die Menschen zu sprechen, weil sie ihm seine erste, einzige und größte Liebe als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben und will das Gschwerl aus Rache vom Erdboden brennen (statt dass er sich nur an der Kirche rächen täte, die Autor Warren Ellis, wie gerne und oft in seinem Werk, als Übeltäter brandmarkt); sein Sohn aus dieser Beziehung, Held Belmont, der Letzte aus dem Geschlechte derer von Belmont und eine kluge Frau wollen das verhindern. Machen sie auch, in acht recht kurzweiligen Folgen, wo sie sich mit allerlei Ausgeburten der Hölle und der Kirche herumschlagen und recht viel Magie einsetzen.

Wenn man dergleichen in der Form eines schnell durchgeblätterten Comic mag, kann man viel Spaß damit haben.

Barbie lebt! oder Klischee, aber was will man machen.

Vorhin im Supermarkt, in der Kassenschlange vor mir: ein Schonlängernichtmehrteenager mit (von unten nach oben) rosa Riemchenballerinas, rosa-roter Ringelstrumpfhose, keck unter der mauvefarbenen Longjacke mit Glitterpuschelkapuze hervorblitzendem schwer pinkem Minirock und lustiger (na was wohl?) rosafarbener Mütze mit Hello Kitty-Sticker und fettem Rosaglitzerbommel verstaut ihre beiden Redbulls, drei Sojajoghurts und zwei glutenfreien Müsliregel in diesen Leinenbeutel (Design: H&M):

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Gelesen: 1. “Eddie muß weg” von Katinka Buddenkotte und 2. “Wunder” von Raquel J. Palacio

Der große Vorteil am Aufenthalt in einem Haushalt, wo die Bettzeit pünktlich nach dem Ende des ersten Fernsehabendfilmes beginnt, ist, dass man nachts lang zum Lesen kommt.

Die erste Nacht verbrachte ich mit Katinka Buddenkottes “Eddie muß weg”, in der zweiten hab ich den Eddie ausgelesen und gleich noch Raquel J. Palacios “Wunder” hinterher. Beide, dies vorausgeschickt, sind uneingeschränkt empfehlenswert. War irgendwie witzig, denn beide Autorinnen lassen ihre Geschichte von mehreren Erzählern aus der Ich-Perspektive erzählen und schaffen so unterschiedliche (und – Bonus – unterscheidbare!) Klangfarben.

Nun aber getrennt voneinander weiter. “Wonder” richtet sich an heranwachsende Leser/innen und wurde mir von Tochter und “Ich-habe-Rotz-und-Wasser-geheult”-Mutter gleichermaßen empfohlen, wobei mich der Körperflüssigkeitenausstoß erst einmal abgeschreckt hatte. Hätte er nicht müssen, ist wohl eher rezipientinnenspezifisch. Es geht um den Jungen August, der durch eine extrem seltene Kombination von Gen-Mutationen “entstellt” ist (ein Wort, das die Autorin bewußt als unpassend charakterisiert*). Nachdem ihn bisher seine Mutter zu Hause unterrichtet hat, lernen wir ihn kennen, als er in die 5. Klasse einer öffentlichen Schule eingeschult wird. Wie zu erwarten, sind die Reaktionen seiner Mitschüler durchaus gemischt und Auggie hats nicht leicht. Aber die Autorin ist Amerikanerin und kann nicht aus ihrer Haut, also geht’s per aspera ad astra und gut aus. Der Weg dahin ist lohnenswert zu lesen und strotzt von kleinen Alltagsbeobachtungen aus der noch eher kindlichen Perspektive bis hin zu gut umgesetzten Lektionen über den Umgang mit Fremdem, mit Verlust und Trauer und der kontinuierlichen Veränderung, die Leben heißt. Die Übersetzung vom Amerikanischen ins Denglische (besorgt von André Mumot) ist im großen Ganzen gelungen, auch wenn ich irgendwann nicht mehr ertragen konnte, dass irgendwer irgendwem anderen “Fünf gab”.

“Eddie” ist da schon eine ganz andere Nummer und viel schwerer zu beschreiben. Als ich, übersprudelnd wie immer, wenn ich will, dass alle anderen meine supertolle Neuentdeckung auch lesen sollen, das Buch einem Freund nahebringen wollte und dabei nicht so recht vorwärts kam, stellte er mir die Aufgabe, den Inhalt in einem Satz zu beschreiben. Isi. Meine leichteste Übung: “Ein Paar erzählt aus seinem Leben und am Ende ist es kein Paar mehr.” Aber wie Katinka Buddenkotte, eine der am unverdientesten wenig bekannten deutschen Autorinnen, das erzählt und wieso die Geschichte so aufhören darf/soll/muß, wie sie endet, das ist hohe Kunst! Ich bin begeistert! Und berührt. Und wenn ich Rotz und Wasser heulen könnte – für dieses Buch hätte ichs getan.

Lesen! Lesen! Lesen!

Und wer mir verspricht, dass er/sie es bald zurückgibt, der/die bekommt es gerne geliehen.

 

* Selbstbeschreibung: “Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.”

Aus dem Vokabelheft

Ein “fall guy” ist nicht, wie man annehmen möchte, ein Herr, dem die Typberaterin attestiert hat, dass ihm Herbstfarben besonders gut stehen, sondern vielmehr ein Angeschmierter, Prügelknabe, Bauernopfer, leichtes Opfer, kurz: ein Sündenbock. Analog dazu bezeichnet “fall money” den Betrag, den ein Häftling damit “verdient”, dass er stellvertretend die Strafe für einen anderen absitzt.

Gelüst

Amerika an sich fehlt mir immer weniger, aber jetzt, wo es auf Halloween und Thanksgiving zugeht, würde ich schon gerne mal wieder eine Pumpkin Spice Latte trinken. (Wahrscheinlich, um dann wie jedes Jahr festzustellen, dass ich diese überzuckerte Zeug mit den künstlichen Aromen gar nicht wirklich mag.)

Der Besuch einer deutschen Starbucks-Filiale hilft nicht. Ich habs probiert. Der schmeckt da falsch.