Neu in der ZDF-Mediathek: Bier Royal

Untertitel “O’zofft is!” Ein lustiges bayerisches Stückl mit dem Titel “Bier Royal”. Was ist das? Eine Duftmarke setzen? Eine Anmaßung? Eine Verbeugung vor dem Godfather aller Schwabingkomödien und wenn ja, ironisch oder ehrfürchtig?

Die korrekte Antwort lautet: Ja. Auf alles.

Warnung: Ab hier Spoiler.

Der Patriarch (Andreas Giebl grient gemeiner als der gesamte Kreuther CSU-Parteitag aus den mit Trauerflor geschmückten Photos in der Zirbelstube) einer Münchner Brauerdynastie hat das Zeitliche gesegnet und der ZDF-Zweiteiler setzt an, als auf dem Friedhof gejodelt und anschließend das Erbe verteilt wird.

Gisela (Gisela Schneeberger), zweite Frau und nunmehr erste Witwe des Oberbrauers, außerdem Mutter des bereits in der dem Ehestand vorangegangenen Affäre gezeugten Sohnes sowie gut gereifte Bißgurke, sitzt dem Intrigantenstadl bei der Testamentsverlesung vor.

Dem Darsteller ihres Buben Patrick (Franz Pätzold) wird gar nichts abverlangt. Eine schlechte Kindheit, sichtbar gemacht durch Kajal um die Augen und weißes Puder ins Gesicht, dazu Neos schwarzer Ledermantel, im Sarg schlafen und einen Leichenwagen fahren. Fertig ist der Epilepsie-Exot. Dass er zu sonst nix taugt, sieht man schon daran, dass das ZDF ihn als Mitglied des “Clan” gar nicht erst aufführt.

Der Clan

Der Witwe treu zur Seite steht der Geschäftsfüher der Arnulfbräu, Dr. Erich – “Lassen’s mich durch, ich bin Österreicher“ – Maxlhuber (Robert Palfrader). Charmant, intrigant, bösartig sowie Schmäh im Quadrat. Außerdem sammelt er Nazi-Devotionalien wie zum Beispiel Görings Unterwäsche. Schtonk läßt grüßen und hätte die Idee gerne bei Gelegenheit wieder zurück.

Wieder zugereist: Patriarchentöchterl “Vicky”* (Lisa Maria Potthoff). Die hatte seinerzeit, vorgeblich wegen der bösen Stiefmutter, Bayern (!) in Richtung Amerika verlassen (!) und dorten was mit Marketing gelernt, sich dem Veganismus verschrieben und einen selbstverständlich veganen Gatten erworben.

“Magic Dan” (Michael Klammer), den Basektballspieler. Der hat Kohle, kann Landwirtschaft, spricht geflossen Germish, ist groß und gut aussehend und gerade mal so milchkaffeehellbraun, dass er gegen eine Münchner Solariumsbräune nicht direkt heraussticht. Bloß auf seinen sächsischen Soja-Latifundien, da schimpfen sie ihn den “Tofu-Neger”.

Hamma no wen vergessen? Aber ja. Das Brauereipatriarchenhunderl, den “Kneißl”. Der wird mit einer reichen Apanage bedacht und der ehemaligen Haushälterin zur Pflege übergeben. (Die kriegt sonst nix. Nur den Dackel.) Marianne Sägebrecht spielt die Rosa vom Blatt. Also als habe man ihr den Text phonetisch aufgeschrieben und sie sagt ihn auf, wie er dasteht. Ohne Betonung, dafür im falschen Tempo, als würde sie ums Verrecken nicht verstehen, was er bedeutet. Wie seit immer und ehedem – ich habe nie verstanden, warum diese Frau als Schauspielerin durchgeht. Aber sie kann gut Dirndl tragen und kleine Hunde an die ausladende Brust drücken.

Im weiteren Dunstkreis, weil in Bayern ja nun auch Wirtschaft (a) Wirt Eisi Gulp, mit hinreichendem Speichelfluß), Wirtschaft (b) das zentrale gelegene Grundstück der Brauerei) und Politk einfach z’sammg’hern: eine intrigante SPD-Oberbürgermeisterin (Ute Willing), die ausschaut wie weiland die Sabine Csampai. Und die “Rote Renate” (Ulrike Kriener), Lokal- und Investigativ-Reporterin. Immer nah am Skandal, aber nie ganz so intim mittendrin wie der Schimmerlos selig. Außer einmal. Aber dazu später.

Außerdem Bayern. Der Himmel immer strahlend blau und die Cabrii (?) offen, die Sonne strahlt auf blühende Landschaften, herrliche Seen, saftige Wiesen, stets freie Straßen und München leuchtet, leuchtet, leuchtet.

So, die wichtigsten dramatis personae kennen wir nun, jetzt bemühen wir unseren am Komödiantenstadl geschulten Sinn für Komik. Die oben aufgeführten Leut’ intrigieren, lügen, betrügen einander und sich selbst, treten sich gegenseitig vors Schienbein, holen Skelette aus längst vergessenen Schränken, kurz, sie spielen die heimtückische Klaviatur rauf und runter. Jeder ist vor allem einmal sich selbst der Nächste und Allianzen halten genau so lang, wie sie nützen oder einer reingrätscht, der mehr zahlt oder weiß. Das ist stellenweise sogar erfreulich komisch, insgesamt aber ein bißchen selbstverliebt (“schau, was uns noch alles eingefallen ist”) und ein bißchen zu lang geraten. Außer, s.o., die Szenen zwischen Willing und Palfrader. Da sind sich zwei gewachsen und spielen ihre Affäre so gemein und punktgenau, dass man nur den Hut ziehen kann.

Der Schluß soll witzig sein. Ist aber ein Rohrkrepierer.

Wers trotzdem anschauen mag, solls tun. Sage dann aber hinterher nicht, er sei nicht gewarnt worden.

 

* Da sieht man einmal wieder, wie wichtig es ist, seinen Nachwuchs mit international verwendbaren Vornamen zu versehen. Viktoria -> Vicky -> g’mahde Wiesn.

Da schau her: Ein Schnee

Dann brauch ich mich auch nimmer wundern, warum ich gestern schon nach der halben Jam-Session mit einem Mordstrummschädelweh hab heimgehen müssen.

Winter, jetzt hör doch einmal genau hin: die Vögelein zwitschern schon. Woaßt scho, Frühling, blaues Band, laue Lüfte und so. Jetzt mach halt endlich Platz!

Gelesen: Paulus Hochgatterer – “Das Matratzenhaus”

Ebenfalls ein Kriminalroman, eine Fortsetzung von “Die Süße des Lebens”, den ich heute Nachmittag der Vollständigkeit halber noch schnell weggelesen habe.

Felicitas von Lovenberg (FAZ) sagt darüber im Klappentext “Spätestens jetzt sollte man Paulus Hochgatterer lesen.” Ich meine eher, dass man es ab spätestens jetzt wirklich bleiben lassen kann. Krimi Nr. 2 ist nämlich eigentlich Krimi Nr. 1 mit kleinen Varianten. Lohnt nicht.

Gelesen: Paulus Hochgatterer – “Die Süße des Lebens”

Hmmm. So sehr ich von Hochgatterers Theaterstück “BÖHM”, genauer, von der Habjanschen Interpretation des Textes begeistert war (s. https://flockblog.de/?p=37827), so wenig bin ich es von diesem, immerhin mit dem Deutschen Krimipreis 2007 ausgezeichneten, Roman.

Hat er nicht detailliert-analytisch gezeichnete Figuren? Hat er. Ist die Schilderung der Jahreszeit, eines grauslig-kalten Winters, nicht sehr realistisch grauslig-kalt? Ist sie. Sind die Grausamen nicht empathielos grausam? Sind sie. Stehen ihnen die Guten nicht hochempathisch hilflos gegenüber? Tun sie. Und erhalten wir nicht einen Einblick in die Seele eines Kinderpsychiaters, wie sie so nur ein Kinderspychiater geben kann? Erhalten wir. Und ist nicht der Fall unheimlich spannend, vor allem, als er sich als zwei Fälle entpuppt? Nein. Ist er nicht. Hochgatterer zeigt seinem Leser die Protagonisten wie Forschungsobjekte, eingeklemmt zwischen zwei Objektträgern zur distanzierten Betrachtung unter dem Mikroskop. Und das ist leider langweilig.

Muß nicht gelesen werden.

Bist deppat?

Oder vielmehr, wie ich vorhin vom großen Palfrader gelernt habe: “…von alternativer Einstellung gegenüber komplexen Sachverhalten”.

Ernüchternd

Gut vorbereitet warte ich auf den Anruf der Geschäftsführerin einer Personalberatung, die aktuell immerhin drei Positionen in ihrem Portfolio hat, für die ich supergut qualifiziert wäre.

Auf das, was sie mir dann zu sagen hat, bin ich dann doch nicht gut genug vorbereitet… Ja, stimmt sie mir zu. Mein Profil deckt sich perfekt mit den Anforderungsprofilen. Mit allen dreien. Außer in einer winzigen Kleinigkeit. Bei allen dreien. Und die wäre? Mein Geburtsjahr. Uffff!

Aber, wende ich ein, man liest doch immer… Geburtenschwache Jahrgänge, Fachkräftemangel, dass ein Umdenken stattgefunden habe und Erfahrung wieder wertgeschätzt werde. Auch hier stimmt sie mir uneingeschränkt zu. Lese man. Wäre auch, wenn es denn stimmte, sehr gut und richtig. Stimmt aber nicht. Wann immer sie sich mit Headhunter-Kollegen austausche, berichteten alle von derselben Erfahrung: Ü40 sei das reine Gift. Sie finde das so bescheiden* wie ich, könne aber leider ihre Kunden nicht umerziehen. Zumindest nicht so schnell, dass es meiner Jobsuche nützen würde.

Habe nach dem Telefonat überlegt, ob ich den Jetzt-ist-Panik-angsagt-Zeitpunkt vorziehen oder zumindest für diesen Abend die Alleine-trinken-ist-verboten-Regel aussetzen soll. Beides nicht getan. Hilft ja nix.

Bleibt mir wohl nur, der Dame für die realistische Ansage zu danken. Und bei meinem zukünftigen Arbeitgeber, an den ich nach wie vor fest glaube, vor dem Jetzt-ist-Panik-angesagt-Zeitpunkt anzuheuern.

 

* Das ist von ihr, ich hätte einen drastischeren Begriff gewählt.

Millennials, Nachtrag

Neulich im Fernsehen. Der Kommissar verhört einen Verdächtigen.

Detective: “Was haben Sie gestern Abend getan?”
Verdächtiger: “Hab ferngesehen.”
Detective: “Now I know that you’re lying. Millennial don’t watch TV.”