C-Schnipsel – Die “Diese-Woche-mitgehört”-Edition

# Im Arztwartezimmer, die Dame, die empört in ihr Mobiltelefon fragt: “Wann haben Sie gesagt? Ende März? Und das geht nicht früher?” und auf die offensichtlich verneinende Antwort nachfragt “Und seit wann machen sie Termine?” und dann in einem Ton, in dem sich zu gleichen Anteilen Indignation, Sehr Beleidigte Leberwurscht und Entrüstung mischen, schnappt: “Das wurde mir nicht mitgeteilt.” Nachdem sie in ruhigerer Stimmlage den Termin für “ALLES. Farbe, Welle, Schneiden. ALLES”am 25. März bestätigt hat, adressiert sie alle Mitwartenden “Und da wundern die Leute sich, wenn man sich nur noch mit Hut außerhalb der eigenen vier Wände aufhält” (stimmt nicht, da müßte man sich ja für sie interessieren), um sofort die nächste eingespeicherte Nummer zu wählen “Da ruf ich bei der Kosmetikerin wohl am besten gleich an.” Sie wird in ihrem Tun von der Arzthelferin unterbrochen, die sie zur Untersuchung ruft und man sieht ihr an, dass das gerade doch sehr stört.

# Auf dem Bankerl in der Passage unten, zwei passionsspieltauglich coronabebartete Männer im Erfahrungsaustausch. “Bei mir filzt der Bart schon arg, wenn ich die FFP2 zu lange aufhabe”. Der andere kennt sich aus: “Da mußt du ein Olivenöl einkneten.”

# Die Apothekerin, bei der Vorlage des 2. Berechtigungsscheins für über 60-Jährige (ja, ich), der für den Zeitraum zwischen 16. Februar bis 25. April. “Wir hätten auch welche in Grün da.” Ach, ich weiß nicht, ich bleibe beim Standard. Passt irgendwie besser zum “Modell Jens”, wie ich es zu nennen beliebe.

# Der Kollege, der mich liebenswerterweise abends vor dem Hunsrücker Hotel absetzt, während wir beide maskiert und mit beschlagenen Brillen durch ein dunkles Wäldchen fahren: “Den Blitzer hier haben sie auch abgebaut. Seit die Raser draufgekommen sind, dass man sie mit Maske nicht erkennt, lohnt sich das nicht mehr.”

# Der empörte Kunde an der Supermarktkasse, der eigentlich lieber woanders gekauft hätte, zur völlig desinteressierten Verkäuferin: “Ist Ihnen eigentlich klar, junge Frau, dass wir inzwischen in einer Lockokratie leben?”
Für das herablassende “junge Frau” gibts einen Punkt Abzug, aber “Lockokratie” ist schon eine hübsche Wortschöpfung und zwei Punkte wert. Geht der Herr immerhin nicht punktlos heim.

Variationen

Einmal die Woche hole ich Fisch mit Gemüse. Der Grieche bei mir unten muss mich für eine sehr langweilige Person halten.

Dabei finde ich mich sehr abwechslungsreich: entweder gibt es Seezunge oder Lachs oder Kalamari oder Garnelen oder ein bißchen von allem gemischt. Fix und fertig zubereitet und jedes Mal ein Hochgenuß.

C-Schnipsel – Die-“Andere Länder”-Edition

  • Wenn im Hunsrück im Fenster eines Hauses ein roter Eimer steht, deutet das nicht etwa auf eine*n besondere putzsüchtige*n Bewohner*in hin, sondern darauf, dass jemand, der im ältesten Gewerbe der Welt tätig ist, seine Dienste zum Verkauf anbietet.
    Warum sie hierzulande nicht, wie der Rest der Welt, mit roten Laternen werben, bleibt ungeklärt.
    (Gut, hat jetzt gar nix mit Corona zu tun. Aber viel mit Hunsrück.)
  • In der Nachbarschaft wurde ein Kindergarten wegen erschreckend hoher Fallzahlen nach nur einem Tag wieder geschlossen, was die (kinderlose) Kollegin zu der Aussage hinriß: “Wehe, die Blagen versauen mir meinen Friseurtermin nächste Woche.” Manchmal muß Frau einfach Prioritäten setzen.
  • Der 1. März, lerne ich heute, ist der Tag der Scherenübergabe. Ab diesem Stichtag ist Hecken schneiden streng verboten, Haare schneiden hingegen wieder erlaubt.

Abfahrt Montagfrüh, 06:00 Uhr

Hab ich auch alles eingepackt? Waschbeutel? Notfallnüsse, für wenn es im Hunsrück wieder mal kein Abendessen gibt? Notfallschokolade für: s. Nüsse? Buch? Schlappen für den Abend? Ja, alles da.

Alles?

Ach ja. Masken.

Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass ich mich nach fast einem Jahr Pandemie immer noch nicht daran gewöhnt habe, einen Vorrat Mundnasenschütze mitzunehmen und ist der Plural eigentlich korrekt?

Biiep! – Biiep! – Biiep!

Da genießt man den ersten warmen Wochenendtag mit der dicken Wochenendausgabe der Zeitung im Wochenendmodus auf dem Balkon und die Sonne scheint und die Vögel zwitschern… Nein, das sind doch keine Vögel. Weil nämlich, Vöglein machen Vögleingeräusche und bewerben Genweitergabe. Aber was ist das? Im gleichen unangenehmen Ton wie zu meinen Schulzeiten der Wecker piept es von einem der umliegenden Balkone in der Wohnstalt. Immer drei Mal, aber in unregelmäßigen Abständen, so dass es immer wieder aufs Neue recht stört.

Es scheint, dass einer meiner Nachbarn auf akustische Vogelabwehr setzt. Bei mir hats gewirkt. Bin irgendwann schwer genervt reingegangen. Ich hoffe, die Vogelschar rundrum ist weniger empfindlich und scheißt ihm gründlich den Balkon voll. Hah!

Entkommen!

Gestern Abend war ich zu meinem ersten Online-Escape-Room-Spiel eingeladen.

Ausgangssperre
Sieben junge Menschen flüchten sich aus der Enge der eigenen vier Wände und verbringen ein gemeinsames Partywochenende im Ferienhaus. Ein Wochenende, das kein gutes Ende nimmt. Von sieben Studenten kehren nur sechs wieder nach Hause zurück. Aber was ist passiert? War es ein Unfall? Ein tragisches Unglück?
Oder war es kaltblütiger Mord… Helft uns diesen Fall zu lösen und klärt den mysteriösen Tod von Nicolas Maison auf!

Spannend! Wir waren zu sechst mit unterschiedlichen Talenten und Lebenserfahrungen. Eine gute Ausgangsposition. Gefragt waren Kombinationsfähigkeit, Entdeckerfreude, Quer- (im ursprünglichen Sinne) und analytisches Denken, Kooperation und der Kanon der gängigen Sozialen Medien rauf und runter. Der Bruder steckt in finanziellen Schwierigkeiten und ist Begünstigter aus der Lebensversicherung des Dahingegangenen? Uiuiui, Motiv. Die beste Freundin der Freundin des Opfers hatte ein Verhältnis mit dem Toten? Uiuiui, Motiv. Einer aus der Gruppe stalked die Freundin des nunmehr Toten? Uiuiui, Motiv. Opfer und Kumpel studieren Chemie und betreiben eine kryptische Website. Drogen? Uiuiui, Motiv. Aber auch Gelegenheit?

Selbstverständlich haben wir gelöst, wenn auch nicht in dem engen Zeitrahmen, den die Spielemacher für angemessen hielten. Zu unserer Ehrenrettung sei festgehalten: die haben sich das auch eher einfach gemacht und nicht damit gerechnet, dass wir, die Soko Am-Freitagabend-in-der-Pandemie-nichts-besseres-zu-tun, genau diese Ungereimtheiten hinterfragen.

Bis zum nächsten Mal – und danke für die Einladung!

Einladung bekommen

Sehr geehrte Frau flockblog,
die
14. Darmstädter Betonfertigteiltage unterwerfen sich in 2021 den Gegebenheiten der Corona-Pandemie – erstmalig werden sie als Web-Seminar im März an sieben halben Veranstaltungstagen stattfinden.

Klingt verführerisch, werde aber trotzdem nicht teilnehmen. Mag keine halben Sachen.

Hier spricht Ihr Bürgermeister*

Es schneit wie noch nie und es stürmt wie verrückt in Texas. Die Infrastruktur ist bekanntermaßen bescheiden und solchen Herausforderungen nicht gewachsen. Also sind Hunderttausende ohne Strom und frieren. Der Oberste Chef der Stadtwerke von Colorado City findet, dass er da nicht zuständig ist, sondern nach dem Motto “Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott” vorgegangen werden solle.

Ehrlich: Da bekomme ich doch lieber Post von unserem Herrn Reiter hier in München, der hat wenigstens keinen solchen Granatenhau.

* Tim Boyd, mayor of Colorado City, TX – inzwischen zurückgetreten.

Frage

Bin das eigentlich nur ich, die eine tiefe Befriedigung daraus zieht, auf einen im Müll liegende ausgediente FFP2-Maske noch ganz besonders extra viel Dreck draufzuschmeißen? Kippen, Kaffeesatz, Staubsaugerbeutelflusen oder – erst recht – Schlonz- oder Schimmeliges?

Das treibt mich schon um. Ist das meine persönliche Vendetta mit le Virus?