Deutschen Zahnärzten unterstellt man gerne, sie wollten sich aus den Mündern ihrer wehrlosen Patienten ein Sommerhaus in der Toskana finanzieren. Meine hiesige Zahnärztin treibt anscheinend auch das Verlangen nach einer Ferienimmobilie. Wenn ich gestern nicht europäisch biestig geworden wäre, dann hätte sie sich des Schmerzzahnes immer noch nicht angenommen, sondern nur den Behandlungsplan mit mir diskutiert, der sie um einige tausend Dollar reicher machen soll und das Befassen mit dem Backenzahn gegen Weihnachten vorgesehen hätte.
Mit dem Hinweis darauf, dass in Deutschland immer ein paar Pinselstriche Lack um den Zahnhals gereicht hätten und das ohne größeren Aufwand auch im Anschluss an die Zahnsteinentfernung möglich gewesen sei, hatte ich sie bei der amerikanischen Dentalehre gepackt. Was die in Deutschland können, kann sie nämlich auch. Und besser. Und teurer. Pinseln ist im Dentalsonderangebotsstarterpaket nicht vorgesehen, das kostet extra. $27.60. Und wieder konnte die Verwaltungskraft, die “das Finanzielle macht”, nicht an sich halten und wollte meine Kreditkarte unbedingt in dem Moment haben, wo die Nurse über mich gebeugt den Lack rührte und Frau Doktor von der anderen Seite, die Unterlippe mit einer Klammer niederpressend, auftrug. Das mag so üblich sein, ist aber irritierend.
* Man sollte wissen, dass es sich bei einer “Cabin” durchaus um eine mehretagige Villa mit 10 und mehr Zimmern (+ je 1 Bad), ein paar Terassen (mit Jaccuzis) und einem reichlich bemessenen Grundstück in schöner einsamer Seelage handeln kann.
naja, was spricht eigentlich gegen so ‘ne “cabin”? doch wohl nur die kosten… und die nachbarn (weil das mit “schöner einsamer seelage kannst du wahrscheinlich über kurz oder lang vergessen – da kommen noch mehr zahnärzte auf die idee 🙁