Gelesen: Barbara Yelin, Miriam Libicki und Gilad Seliktar – “Aber ich lebe”

Zwei graphische Künstlerinnen und ein Künstler illustrieren die Überlebensgeschichten vierer Kinder in der NS-Zeit.

Die hochverehrte Barbara Yelin, die ich jüngst schon für ihr Buch über Therese Giehse über den grünen Klee gelobt hatte (s. https://flockblog.de/?p=52365), erzählt von Emmie Arbel, die als Vierjährige mit Mutter und Geschwistern nach Ravensbrück kommt (der Vater wird gleich von der Familie getrennt und in Auschwitz ermordet) und sich dann über Bergen Belsen alleine durchschlagen muss. Miriam Libickis benutzt für ihr Thema, den Genozid in Transnistrien und wie der junge David Schaffer als einziger aus seiner Familie überlebt, wieder eine vollkommen andere Bildsprache. Gilad Seliktar schließlich verwendet in großen Panels als Farben nur noch mattes Gelb, Schwarz und viele Grauschattierungen, um von den dreizehn Verstecken der Brüder Nico und Rolf Kamp zu berichten.

Im äußerst lesenswerten Anhang finden wir eine Art “Making of” mit dem Titel “Hinter den Kulissen”, in dem die Künstler*innen uns, natürlich in gezeichneter Form, an ihrer Zusammenarbeit, den Freuden und den Schmerzen ihrer Auseinandersetzung mit dem Sujet teilhaben lassen. Außerdem sprechen die Überlebenden selbst.

Es ist dies keine leichte Kost, aber unbedingt lesenswert. Mein Exemplar kann ausgeliehen werden.

Verhörte Intelligenz

Wußtet ihr, dass Clint Eastwood zu Zeiten in seiner Paraderolle als “Dirty Hairy” brilliert hat?

Manchmal muss man sie für ihre Ahnungslosigkeit fast liebhaben, die VI. Oder weiß sie mehr als wir alle und der olle Clint hatte einfach nur ungewaschene Haare?

Nein! Nein! Nein!

Gleißendes Licht durchsticht meine Lider. Ah, wah, nein! Ich mag nicht wachwerden, mag nicht aufstehen, weil ich weiß, was das Licht bedeutet. Überall liegt wieder weißer kalter nasser Dreck. Bääh! Dazu dröhnt der Schneepflug, jeder Winzhund da draußen verbellt Schneewehen, und lästiges Jungvolk juchzt. Viel zu früh! Lasst mich doch alle in Ruhe!

Dabei war ich sicher, der Bayernwinterwettergott und ich hätten uns seit meinem Zuzug damals geeinigt, dass die Schneefallgrenze in Garmisch liegt und München von diesem Mist unbelästigt bleibt. Kann mir das nur so erklären, dass der Gott und sein Sturmtief Elli wortbrüchig und wahnsinnig geworden sind (“Wir sind die Größten, wir legen das ganze Land lahm…”) oder der Vertrag trickreich befristet war oder hier auch, wie überall auf der Welt, alles den Bach runtergeht. Den zugefrorenen Bach.

Können wir das jetzt bitte bleiben lassen? Ich kann nicht Winter! Ich mag nicht Winter! Das ist Körperverletzung! Mich schmerzen die morschen Knochen und meine Laune ist im Keller (3. von zwei Untergeschossen, wohlgemerkt).

Eine Runde Mitleid bitte.

Ich wollte, es wäre Nacht und der Kreisler käme*

Ja, ich weiß auch, dass es viel zu kalt ist. Deswegen gehe ich ja auch nicht raus. Das heißt aber nicht, dass ihr Dreckstauben euch zwischen meine Abwehrbeseninstallation auf dem Balkon kuscheln und dann Kacke ablassen sollt.

Die putzt sich gefroren auch nicht angenehmer weg. Haut ab!

* Wer das abgewandelte Zitat erkennt, bekommt einen Taler.

Verhörte Intelligenz

Stephen Colbert spricht hier im Interview mit Terry Gross davon, dass “Republicans in Congress” den öffentlich-rechtlichen Sendern im letzten Sommer einen großen Teil der staatlichen Zuschüsse gestrichen haben. Die VI hört statt der “Republicans” “Rubble begins”, also “es geht los mit Schutt, Dreck, Müll”. Vielleicht ist sie doch nicht so doof.

Manchmal muss man das Bild zeigen.

Jegliches hat seine Zeit

Arg lautes Holzhäckseln im schallverstärkenden Innenhof zum Beispiel darf auf keinen Fall nach 07:00 Uhr früh beginnen.

Später brächte dem Häcksler sieben Jahre Pech und führte dazu, dass arglose Rentnerinnen zu ihrem Frühmorgenschlaf kämen. Wer will das schon?

Gelesen: Dirk Stermann – “Die Republik der Irren”

Weil es nichts gibt, was es nicht gibt, leitet der Autor sein Nachwort mit dem Satz ein: “Was in diesem Roman am unglaubwürdigsten klingt, entspricht in der Regel den historischen Tatsachen.”

Und so nimmt er seine Leserschaft mit auf einen Parforceritt durch die vom Dichter Gabriele D’Annunzio ausgerufene 500-Tage-Futuristen-Republik im italienischen Nachkriegs-Fiume (1. Weltkrieg) und des gesamten irrwitzigen Spektakels, das sich in dieser Periode dort abspielt. Ein Stadtstaat, in dem die noch lange nicht verückteste Idee ist, harmlose Irre aus den Irrenanstalten des geschlagenen Landes zu Ministern zu machen.

Das liest sich weg wie nix und wer am Irrsinn unserer Tage verzweifelt, kann sich damit trösten, dass es früher auch nicht besser war und irgendwann zu Ende ging.

Lesen!

Besten Dank an Frau R. aus M. für dieses faszinierende Geburtstagsgeschenk.