Ja mach’ nur einen Plan*

Weil so ein neuer Lebensabschnitt ja auch gestaltet werden will, habe ich mir Mim ausgedacht. Mim ist die supercoole griffige Abkürzung für “Mittwoch morgens um halb elf” und steht für die unglaublichen Freiheiten, die man als berufstätiger Mensch um diese Tageszeit eher so nicht hat. Nämlich unter anderem die, Mittwoch in der Früh in eine Ausstellung zu gehen oder eine Matinee oder… und dort mutterseelenallein der Kultur zu frönen.

Jaha! Neihein! Von wegen. Ich habs jetzt zwei Mal ausprobiert, letzten Mittwoch und heute, weil ja hätte sein können, dass es am Wochentag liegt, und kann berichten: es funktioniert nicht. Beide Male war’s rappelvoll und beide Male kann ich als mein einziges Verdienst vorweisen, dass ich das Durchschnittsalter gesenkt habe. Aber auch nur das.

Unterdurchschnittlich war noch nie mein Ziel und darum wird Mim hiermit wieder eingestampft. Pah!

* Diese Überschrift fällt, wie leider viel zu vieles, in die Kategorie Brecht hat recht.

Nimmer ganz neu im Kino und schon Oscar-nominiert: “Conclave”

Ich hatte den Film schon vor einer Weile gesehen, aber aus welchem Grund auch immer nicht dazu geschrieben. Nu aber.

Also: er soll alle Oscars bekommen, für die er nominiert ist und noch ein paar mehr. Großartiger Cast, ganz wunderbar inszeniert und die Fotografie? Zum Niederknien. Selten so dermaßen die Beklemmung in der Symmetrie gesehen. Doch! Sehr sehr sehr gut und für die, die in noch nicht gesehen haben: unbedingt empfehlenswert!

Baustelle

Seit Montag empfiehlt es sich für mich, dickere U-Bahnbücher einzupacken, da im Untergrund Bauarbeiten stattfinden, die zur Folge haben, dass ich zwei Mal umsteigen und zwei Mal eine Weile warten muss, um bis in die Innenstadt zu kommen. Ein Umstand, dem ich wahrscheinlich in 14 Tagen nachweinen werde, denn dann ist bis Ende Mai nur noch SEV* und meine Haltestelle komplett gestrichen.

Die MVG informiert schon seit Wochen mit Durchsagen und Aushängen und Info-Flyern in den U-Bahn-Stationen über diese Baumaßnahmen, man hat mir sogar eine Broschüre in den Briefkasten geworfen. Nichtsdestotrotz hat es viele Menschen am Montagmorgen vollkommen überraschend getroffen, dass jetzt gerade nichts mehr so ist wie sonst. Zum Glück für solche Leute gibt es meine Freundin Frau L. aus M. (seit neuestem zarte 78 Jahre alt), die eine sehr hilfsbereite Natur ist und “den alten Leuten” sagt, wo’s lang geht.

* “SEV” steht für Nicht-Öffentliche-Verkehrsmittelbenutzer für “Schienenersatzverkehr” und dafür, dass überfüllte Busse die Menschen, die sonst flott mit der U-Bahn von hier nach da fahren, irgendwohin spedieren.

Ganz frisch in der ARD-Mediathek: “Spuren”

Sehr sehr schön.

Die Serie basiert auf dem Sachbuch “Soko Erle” des ehemaligen Freiburger Polizeisprechers Walter Roth und das ist auch ihr Tenor. In vier Dreiviertelstundenteilen werden Morde an zwei jungen Frauen aufgeklärt. Und zwar in mühseligster Kleinarbeit. Statt spektakulären Y-Schnitten auf Edelstahlseziertischen und coolen Pathologen mit Wurstbroten sieht man Proben, Reagenzgläser, Pipetten und Zentrifugen, statt reißerischer Bilder halbnackter Opfer detaillierte Tatortsicherung und es ist nicht der eine genialische Ermittler mit dem schlimmen Trauma oder sein weibliches Äquivalent, der in einem Geistesblitz alles aufklärt, sondern ein Team, das sich erst zurechtruckeln muss und dann mal müde und erschöpft ist und grätzig untereinander, aber auch, trotz alledem, weitermacht. Immer noch weiter. Selbst, wenn die Aufklärungsarbeit der SoKo sich über mehr als ein halbes Jahr hinzieht.

Großes Drama ohne Drama. Ganz unbedingt empfehlenswert und sehr sehr gut und stimmig besetzt. Ich möchte im übrigen anmerken, dass ich schon im Oktober 2020 darauf hingewiesen habe, dass man sich Liliane Amuat merken soll (s. https://flockblog.de/?p=42701). Die gibt in dieser Verfilmung die Staatsanwältin und macht das ganz ausgezeichnet.

Nachtrag für Frau S. aus D.: Mir will scheinen, dass wir nun die perfekte Arbeitsteilung gefunden haben. Du trüffelschweinst, was deutsche TV-Produktionen hergeben und ich kümmere mich derweil um die Angelsachsen. Anschließend sagen wir die guten Sachen einander weiter. Deal?

Nimmer ganz neu zum Strömen: “The Night Manager”

“The Night Manager” ist ein sechsteiliger extrem atmosphärischer und sauspannender Spionage-Waffenhandel-Thriller, glänzend inszeniert von Susanne Bier, basierend auf einem – stark aktulisierten – Buch von John le Carré und besetzt mit erstklassigen britischen Schauspielern, u. a. Olivia Colman, Tom Hiddleston und Hugh Laurie (Reihenfolge alphabetisch), um nur einmal drei meiner persönlichen Favoriten zu nennen.

Wer sich einen langen Winterabend lang gut unterhalten und in die Welt perversen Reichstums sowie politischer Verstrickungen mitnehmen lassen will, ist mit dieser Kurzserie sehr gut bedient.

Fehlzündungen

“Ich dir, es bringt nix, um den heißen Brei herumzugehen.” Recht hat sie, die Dame hinter mir an der Supermarktkasse.

Gestern Abend im Resi: “Gegen den Hass” – Lesung von und mit Carolin Emcke und Ensemble

Wegen der großen Nachfrage hatte das Residenztheater die ausverkaufte Veranstaltung dankenswerterweise kostenfrei live gestreamt.

Und? Ja. Hmmm. In einem unaufgeregten Setting (Tische, Stühle, Menschen mit Texten) wurden wohlgesetzte Worte von gut geschulten Stimmen vorgetragen. Gegen Hass und Häme, für gleichberechtigte Teilhabe aller an der demokratischen Gesellschaft, unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glauben, religiösen oder politischen Anschauungen, Gesundheitszustand, Behinderung, Alter. (Wenn ich noch was vergessen haben sollte, liegt es an mir und nicht an Frau Emcke.)

Emcke ist unbestreitbar sehr klug und kann ihre Gedanken exzellent formulieren. Es mag an mir und meiner Neigung zum Zynismus liegen, dass ich den Eindruck hatte, dass dergleichen edle, gute und hehre Veranstaltungen wenig hilfreich sind im Angesicht blökender und brüllender Mißachter von Gesetz und Umgangsformen. Inzwischen habe ich Zweifel an der so oft berufenen Wehrhaftigkeit der Demokratie und Angst, dass die Erwartung, sie sei schon stark genug, naiv ist.

Wie sehr lautes Pfeifen im sehr dunklen Wald.

Ad Astra

Für einen winzigen Augenblick ging mir durch den Kopf, dass “Space Cowboys” doch schon lange abgedreht ist und die Schauspieler damals besser aussahen.
Dann war wieder Realität.

Busuu i̇le türkçe öğreni̇yorum

Danke an Frau S. aus D., die mir einen kostenfreien Premiumtestzugang zu Busuu geschenkt hat. Nun lerne ich also jeden Tag zwischen einer halben und einer ganzen Stunde Türkisch. Ich könnte schon behaupten, dass ich/du/er/sie/wir/ihr/sie Anwältin, Lehrerin, Verkäuferin, Studentin, Arbeiterin ist/sind, groß oder klein, glücklich oder traurig, jung oder alt, braun- oder blauäugig, arbeitslos und gutaussehend (kein Antonym bis jetzt). Außerdem andere nach ihrem Namen fragen, sie begrüßen und verabschieden.

Für gerade mal am Montag angefangen finde ich das nicht übel, wenn auch sehr anstrengend und fordernd. Ich werde weiter berichten.

Hoşçakalın, allesamt.