Das Kreuz mit dem Kreuz

Ich hab’ ja nun schon ziemlich lange Rücken und meine Sehnen und Muskeln und alles, was gerade sonst noch von meiner Physiotherapeutin Carol einem Aufbautraining unterzogen wird, scheint der irrigen Annahme zu sein, daß es erst noch einmal schlechter werden muß, bevor es besser wird. Drum gehe ich manchmal nach besonders anstrengenden Einheiten am Stock. An diesen Tagen tue ich nicht nur mir selbst leid, sondern auch meiner Kollegin Wei. So sehr, daß Wei jüngst das Gelenk- und Knochengesundheitsgeheimnis ihrer Schwiegermutter mit mir geteilt hat. Weis “mother-in-law is a doctor for traditional and Western medicine”. Okay, Wei, was soll ich machen? Auf Wurzeln kauen? Die Antwort hat mich dann doch überrascht. Schwiegermutter hasse stinkende Tees und seltsame Pilze, Wurzeln oder Getrocknetes, dessen Herkunft unbestimmbar und im besten Falle zweifelhaft sei. Sie empfehle stattdessen ein amerikanisches Präparat. Freiverkäuflich, sauber, stets gleichmäßig dosiert und geruchsfrei.

Nehme ich seitdem. Davon abgesehen, daß die Pillen ungefähr so groß sind wie Saubohnen und man zur Abendmahlzeit drei davon herunterwürgen muß, scheinen sie bis dato nicht zu schaden. Der Nutzen, so Wei, sei eher langfristiger Natur, man spüre den Effekt nach ein bis zwei Jahren. Wenn sonst nichts, wird mich das Medikament immerhin Geduu-uuuld lehren.

Sonntagabend

Bumm. Licht aus, Film aus, alles dunkel. Was ist nun wieder? Haustür auf. Da stehen sie, die Nachbarn, mit den gleichen verwirrten Gesichtern, manche schon mit Taschenlampen ausgerüstet. Man trifft sich in der Straßenmitte und der neuzugezogene Taiwanese von gegenüber macht seinem Unmut über die “suckers” von PG&E Luft, die noch nicht einmal eine Leitung ordentlich reparieren können. Wahrscheinlich alles schnell hingeschlampt und dann wieder auf die faule Langewochenendhaut gelegt. Und das bei den Preisen! Der Familienvorstand der um ihn gescharten mexikanischen Großfamilie kommentiert eher lakonisch, daß es doch jedes Jahr dasselbe sei. Wenn der Wind komme, sei es keine Frage des Ob, sondern nur des Wann der Strom ausfalle. Dabei lebe man doch hier in einem entwickelten Land und nicht in “goddam Pakistan”. (Ich beiße mir fast die Zunge blutig. Nein, Sabine, Schnauze halten. Nichts über die Infrastruktur sagen. Nicht!)

Man schimpft vor sich hin, die ersten holen ihre Hoodies (“dam’ wind”), um nur ja beim Gruppen-“rant” nicht zu frieren. Nach 10 Minuten wirds in den Häusern hell, die Blockparty ist vorbei, alle gehen wieder heim. Was bin ich froh, daß die bei PG&E das Duct Tape so schnell gefunden und noch ein paar Lagen mehr um das Kabel gewickelt haben. Vielleicht hälts ja, bis die Frühlingsstürme vorbei sind. Und bis Herbst ist es noch lang hin…

Selbst ist die Frau (with a little help from Google)

Seit dem Update auf Internet Explorer 10 hielt der flockblog jedes deutsche Wort für einen Tippfehler und es ist extrem nervig, in einem Umfeld von rot unterstrichenen Worten zu schreiben und zu denken. Das muß doch irgendwie abzustellen sein! Bloß wie?

So gehts: http://answers.microsoft.com/en-us/ie/forum/all/how-to-disable-autospell-autocorrect-in-ie-10/22b8a7ca-e7f1-409a-a30a-37f0fb063a79. Dankeschön an Jorge Seldner for this “Most Helpful Reply”!

Sonntagmorgen

Ich wache zwar genau so früh auf wie sonst auch (Fluch des Älterwerdens, gnagnagna), ahaber es ist Sonntag. Noch dazu der Sonntag eines langen Wochenendes, weil wir am Montag den Memorial Day freihaben. Das heißt, ich bringe mir eine schöne große Tasse Milchkaffee ans Bett und lese noch ein Stündchen oder zwei oder drei. Das Licht im Bad funktioniert nicht, hmmm, können drei Glühbirnen auf einmal kaputtgehen? In der Küche wirds auch nicht hell, dammit, dann habe ich offensichtlich nicht von Hummeln geträumt, sondern bin vom Geräusch von Franciscos Notstromaggregat wachgeworden. Statt Kaffee zu kochen rufe ich PG&E an. (Ist doch auch schön.)

Sprachauswahlmenü: wenn ich der Annahme sei, aktuell einen Stromausfall zu erleben (“if you think you may currently be experiencing a power outage”), möge ich die “2” drücken (bei “Danger”, zum Beispiel freischwingenden stromführenden “power lines” die “1”, dann werde man mich sofort zur “emergency crew” durchstellen). Eine Computerstimme teilt mir mit, daß ich mich tatsächlich momentan in einem Gebiet aufhalten könnte, das möglicherweise von einem Stromausfall betroffen sein könnte (in der Anhäufung von Konjunktiven sind sie groß). Es bestehe aber kein Grund zur Panik, weil “repair crews” schon unermüdlich für mich im Einsatz seien (“our crews work for you”) und die “power” um “… 10:41 … am …” wieder “restored” sein werde. Wenn nicht, werde man aber um “… 10:51 … am …” ein “educated estimate” (wörtlich: “gebildete Schätzung”) über den tatsächlichen Wiederherstellungszeitpunkt geben können. (Sowas heißt hierzulande “guesstimate”, ein Kompositum aus “to guess” (raten) und “to estimate” (schätzen) und hat die Qualität von “ich denke mal” oder “ich glaube”. Also Nichtwissen.) Bei Fragen könne ich jederzeit gebührenfrei die Nummer 800 – nuschel nuschel anrufen, und, falls mir das jetzt zu schnell gegangen sei, mit “1” die Ansage noch einmal wiederholen lassen. Die Nummer hätte ich schon gerne, also drücke ich eins und höre, daß um “… 11:21 … am …” alles besser werden soll und wenn nicht, sie unter der Nummer zu erreichen sind, die ich eh gerade gewählt hatte.

Ganz schnell auflegen und ohne Kaffee zurück ins Bett, sonst wird das noch später. Ich wähle als Lektüre ein Buch mit dem Titel “Happy”.

PS: Strom ist wieder da. Vielleicht steht morgen bei Twitter, woran’s gelegen haben könnte, PG&E schweigt sich über die Ursache immer gründlich aus. Für den wahrscheinlichen Fall, daß der Strom wieder ausfällt, habe ich mir die Nummer im Telefon gespeichert und die Anweisungen hier ausgdruckt an die Pinwand gehängt.

http://pge.com/myhome/customerservice/outages/reportanoutage/

Schönen Sonntag noch!

89. Minute

Tor für Bayern und der Spiegel bricht zusammen. Zum Glück funktioniert der Live-Ticker von Ahram Online aus Ägypten. (!!)

Zieht den Bayern die Lederhosen aus

Selbst hier gibt es Soccer Fans und die feiern angesichts der Champions League ein “Sausage and Beer Festival”.

Nicht, daß ich dort wäre. Nicht ohne meine Gabi! Ich mache Hausputz. Bin aber soweit angefixt, daß nebenher der SPON-Liveticker läuft… – habe gerade sogar die Funktion “Sound bei Tor-Alarm” aktiviert.

Gerade war Ausgleich – also immer noch gute Chancen auf bayerische Beinfreiheit. Gibt’s in der CL eigentlich Elfmeterschießen?