So schön kann ein Sonntag sein: Erst Shakespeare mit Blitz und Donner
und anschließend Schnitzel, dazu ein Täßchen frisch gepflügten Weins.
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind immer noch stillgelegt und hundertausende von “non essential” Regierungsangestellten im “Furlough”, das heißt in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt worden – möglicherweise mit der Aussicht, daß die Zwangspause rückwirkend doch noch entlohnt wird, aber nix is fix. Bloomberg hat in New York zur Selbsthilfe gegriffen und zahlt aus dem Stadtsäckel, daß Touris wieder die Aussicht von der Freiheitsstatue erleben dürfen. Aus purem Altruismus, selbstverständlich. Genau wie Arizona jetzt auch noch Gelder im bundesstaatlichen Budget freigeschaufelt hat, um den Grand Canyon Nationalpark wieder zu öffnen. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn die Peripherindustrie litte und Hotel- und Moteliers, Hamburgerbudenbetreiber und Andenkenverkäufer ihr Wahlverhalten überdenken würden – ganz zu schweigen von den ausbleibenden Steuereinnahmen.
Aber davon wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Sondern davon, daß die Politisch Korrekten jetzt mahnend ihre vielen Zeigefinger erheben, weil die Bezeichnung “non essential” von den Ausgesperrten als kränkend empfunden werden könnte. Man solle doch lieber von “nonexcepted” oder “nonemergency” sprechen. Oder, wie im Falle des Panda-Cam-Verantwortlichen im New Yorker Zoo von “nonappreciated”, wörtlich: “nicht hinreichend geschätzt/gewürdigt”.
Jetzt spinnen sie vollends, die Politisch Korrekten. Oder, um den schönen Satz zu verwenden, den wir jüngst gelernt haben: They collectively left the realm of reason for wacky land.
Werte Online-Bademodenhändler,
es ist erfreulich, daß ihr – im Gegensatz zum Offline-Handel – auch im Oktober noch eine große Auswahl an Schwimmkleidung anbietet und diese zu moderaten Preisen rasch verschickt. Gut gemacht.
Wenn ihr wollt, daß ich irgendwann wieder bei euch bestelle, dann sollten wir uns auf folgende Spielregeln verständigen:
Haben wir uns verstanden? Gut.
Alle Kataloge sind übrigens auf dem Rückweg zu euch und euren Freunden. Ich finde, das ist ein gutes Werk für die Arbeitsplatzsicherheit bei der amerikanischen Post.
* Ein “Closet” ist ein Wandschrank. Also ein Loch mit einer Tür davor. Hier lebt eine ganze Branche davon, notorischen Zuvielshoppern dabei zu helfen, ihre Einkäufe wiederzufinden, indem sie ein paar Kleiderstangen, Regalbretter und Schubladen für den besseren Überblick einbauen.
Weil wir jetzt bald Wochenende haben und viel Zeit, um unsere Vokabeln zu lernen, gibt’s heute gleich eine Handvoll:
– malarkey: Unfug, Blödsinn, Quatsch – und keiner weiß, wo dieses hübsche Wort herkommt: http://bit.ly/UU91Fq
– naughty bits: wörtlich – “schmutzige Kleinteile”. In der Definition der hiesigen Puritaner sind das “the parts of the human anatomy which are sinful and have no business”.
– rumour and scuttlebutt: Klatsch und Tratsch, im weitesten Sinne Seemanngarn. Das scuttlebutt war das Süßwasserfaß auf dem Deck eines Schiffes, um das sich die Matrosen zu sammeln pflegten. In unserer Zeit dienen Kopierer oder Kaffeeküche als Süßwasserfaßersatz für den Austausch der neuesten Bürogerüchte.
Falls jemand Bedarf haben sollte, die Tatsache, daß ein anderer nun vollkommen durchgedreht ist, in einer Fremdsprache auszudrücken, empfehle ich die wundervoll bildhafte Aussage:
– He left the realm of responsibility for the wacky world.
Schön, oder?
ICH finde ja, daß Toni nuschelt. Toni hingegen unterstellt mir, ich hädde schleschte Ohren. Ganz wurscht an wem es liegt*, es darf sich auf keinen Fall ändern. Unsere Kombination von Schwerzüngig- und Harthörigkeit hat heute der wunderbaren Wortschöpfung “Spaghetti-Licht”** Geburtshilfe geleistet.
* (An Toni natürlich! Ätsch, wer schreibt hier den Blog?)
** So klingt halt mal “Check-Engine-Light”, wenn Toni das ausspricht.
Toni macht sich gerade um die linguistische Erziehung unserer Kollegen verdient:
Just found the video version of http://funnypictures.me/its-just-german/ :http://www.youtube.com/watch?v=-_xUIDRxdmc
Another good introduction: http://www.youtube.com/watch?v=SRCYK5gfLo0
P. S.: Don’t believe any of this.
P. P. S.: Datenstrategie! 😉 *
P. P. P. S.: http://www.youtube.com/watch?v=Vt4Dfa4fOEY
* Anmerkung: das ist ein Insider-Witz – man stelle sich einfach vor, was dem Wort angetan wird, wenn es ein aus Barbados stammender Amerikaner ausspricht.
Der gemeine Amerikaner scheint ein unbezwingbares Bedürfnis zu haben, die Welt ungefragt über seine Reproduktionserfolge sowie Art und Gattung seiner Haustiere zu informieren – und zwar per Aufkleber am Rückfenster seines Fahrzeugs. Je Van, desto mehr. Die Dinger gibt’s in hetero, gay, zombie und nerd (zum Beispiel Star Wars oder Packfamily) und vielem mehr. Aber nur in kaukasisch, nicht in Neger.
Mir scheint, die einzig adäquate Maßnahme gegen dieses Statement von Verhütungsinkompetenz ist dieser Sticker:
Wenn nach der Ansage “Welcome to your commute from hell!” ca. 12 Minuten Unfälle, Staus und spontane Fahrzeugbrände folgen, dann ist klar, daß man, obwohl eine Viertelstunde eher losfahrend, mit Glück mindestens 20 Minuten später als sonst im Büro eintreffen wird. Wie immer dienstags. Der Dienstag ist bei den Wochentagen das, was der April in der Poesie ist, nur noch grausamer, weil er pro Jahr 52 mal vorkommt.
Was machen die alle auf meiner Straße und warum können sie nicht woanders sein, wie an anderen Tagen auch? Hmmmm?
Wenn etwas “cockamamie” ist, dann ist es auf gut Schwäbisch “lumpig” und im Hochdeutschen “mies” oder “minderwertig”. Auf diesen sehr hübschen Wortfindling angesprochen, meinte meine amerikanische Kollegin, daß schon ihre Großmutter den Begriff als altmodisch empfunden hätte.
Wieder so ein Begriff, den ich gerne dem Obsoleten-Nirwana entrisse…
Überhaupt, Schwaben in Amerika. Die neue Klassenlehrerin ihres Sohnes, Ms. Ipperlii, komme aus dem gleichen “State” wie Rouland Emritsch und ich.
Geschrieben wird der Name Eberle.
Wie immer am Samstagmorgen mit den dicken Damen Wellen geschlagen, dann heimgefahren. In meine Straße eingebogen, hinten bei mir steigt Rauch auf. Näher dran und die Sorge weicht: das ist kein Rauch, das ist Staub, weil der beste Sam von allen gerade meinen staubtrockenen Rasen mäht.
Seitdem denke ich an Brecht.*
* Heimkehr des Odysseus
Dies ist das Dach. Die erste Sorge weicht.
Denn aus dem Haus steigt Rauch: es ist bewohnt.
Sie dachten auf dem Schiffe schon: vielleicht
Ist unverändert hier nur mehr der Mond.