Gnadenlos

Drei Tage strenge Nestruhe, Wadenwickel, Schnabel halten und schon ist Seine Schreihalsigkeit genesen und grüßt die aufgehende Sonne mit nie gekannter Leidenschaft, wohl in der irrigen Annahme, er habe etwas nachzuholen. Es ist Wochenende, du Depp! Da schlafen selbst der CalTrain und der Flughafen aus.

Klappe halten! Sonst Schleuder!

Vorhin im Supermarkt

Mitgehört, wie die Kassenfachkraft der Kundin vor mir enthusiastisch erzählt: “I am no longer a Christian. I am catholic now!”*

Ist das jetzt ein Fall für die Schweizer Garde? Die Inquisition? Die Glaubenskongregation? Oder ist die einfach nur unheilbar blöd?

 

*Ich bin keine Christin mehr. Ich bin nämlich jetzt katholisch.

Verdammt! Verpaßt!

Dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, die schwachsinnigsten aller Feiertage zu begehen… Jetzt ist es für den 30%-“For Your New Self”-Rabatt zu spät. Werd’ wohl mein altes behalten müssen.

National Hairstyle Appreciation Day

1000 x Nebel

“Gut, daß ich Sie noch treffe, Fräulein Lopetz, ich glaub’, mein Lehrbub hat da was falsch verstanden. Ich les es Ihnen amal vor: ‘Obenrum weiße Baumwolle gesmockt, mit Elefantenohrfedernappliaktionen, blickdicht, und untenrum ‘ein Hauch von Nichts, wie beim Fräulein Renate neulich bei der Preisverleihung, aber ohne Luftpolster’… Ah, des ham Sie ge-nau-so gemeint? Scho recht. Machma Ihnen. Wer zahlt, schafft o.”

Spaß! Spaß! Spaß! Mitmachen! Gewinnen!

bacon collageDa bestellt man einmal wegen hüftlahm und ans Haus gebunden bei einem Essenslieferdienst und wuppdich haben die einen auf ihrem E-mail-Verteiler und schicken einem so Zeugs wie dieses: Nothing says ham-handed like a fistful of bacon-themed prizes. (Sinngemäß übertragen: Nix sagt Wurschtfinger so sehr wie wurschtige Preise.) Win These Meat Mementos (Fleischmemorabilien), rufen sie mir zu und kriegen sich dann vor lauter lustig gar nicht mehr ein: Speckduftseife, Zahnseide mit Speck-Aroma, eine Speckbrieftasche und – wuhahaha – ein sprechendes* Speckkopfkissen. Wenn ich nicht schon keinen Facebook-Account hätte, würde ich mir dafür nun schon extra keinen zulegen.

Ich dachte, wir hätten eine Vereinbarung: ich bestelle Essen, ihr liefert und kriegt dafür von den Restaurants in der Nachbarschaft einen kleinen Obulus. Ich habe – wie immer und überall – sehr klar angekreuzt, daß ich keine Werbemails will. Unsubscribe ist geklickt. Haltet euch in Zukunft besser dran – oder verliert eine Kundin.

Your choice.

* Was sagt sowas?

Schreihals

Alles ist grau, eine dicke Nebelwand verschluckt den Sonnenaufgang und Freund Brüllvogel schweigt. Was man mit einem Regentänzchen nicht alles schafft.

Letzte Warnung!

Ein feuerroter Briefumschlag schreit nach “Immediate Attention!” (natürlich alles in Großbuchstaben und mit vier Ausrufungszeichen) und jemand verlangt einen Rückruf binnen 48 Stunden nach Erhalt des Schreibens, widrigenfalls man die Angelegenheit ohne weiteres Zaudern dem COLLECTOR übergeben werde. Hmmmm. Ich habe in letzter Zeit sehr viele Rechnungen bekommen, alle von Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, irgendeinen Anteil am Austausch meiner Hüfte zu haben; weiß ich, ob die notorisch unzuverlässige amerikanische Post eine davon verschlampert hat und ich im Zahlungsverzug bin? Weiß ich nicht. Also rufe ich an.

Nach einer lustigen Viertelstunde mit dem Sprachauswahlmenü bequemt sich Jo-Anne and den Apparat. Sie sagt irgendwas, das kann ich aber nicht verstehen, denn sie scheint noch beim Mittagessen zu sein und hat ca. 5 heiße Kartoffeln im Mund. Es schnauft. Es scheint zu schlucken. Ich frage, ob sie denn bitte ihre Frage von vorhin wiederholen könne und – werde unterbrochen: Ob ich denn gefälligst mal sagen kann, wer ich sei, und warum ich sie anrufe. Ja klar, gerne. Ihr habt mir geschrieben und – nein, unterbricht sie wieder, das kann nicht sein. Jo-Annes Abteilung macht nur Telefonservice. Gut. Nochmal langsam. Ich habe hier ein Schreiben und – “Wazzecasenumbr?” Ich glaube, ich habe verstanden. Sie will eine Nummer von mir. Auf dem Wisch stehen, neben dem Betrag und horrenden Verzugszinsen und weiter keinen Angaben zum Rechnungssteller, so einige Nummern – ich fange dann mal an, zu verlesen. “A as in Alpha, dash…” – nein, die wolle sie nicht. “Can’t use. Number’s gottaaa staaht with niine-teen; ONE NINE.” Genau, Jo-Anne, einfach lauter werden, wenn einen das Gegenüber nicht versteht. Das hat sich schon immer bewährt. Ich gehe den gesamten Zettel durch. Keine der Nummern beginnt mit 19. Und nun? Kann sie das auch anders finden? Indem sie eventuell nach meinem Namen sucht? Ha! Dann soll ich den aber erst mal buchstabieren, wobei es nicht klingt, als erwarte sie von ihren Anrufern und schon gar nicht von mir, daß wir das können. Ich beginne: “F” wie “Foxtrott”* und sie hat scheint’s nicht nur Kartoffeln im Mund, sondern auch Bohnen in den Ohren und ich muß jeden einzelnen Buchstaben mehrfach wiederholen. Gaaahhhh! Bin froh, daß ich nicht Schäuble heiße oder Wagenknecht, dann wären wir jetzt noch nicht soweit. Anscheinend hat sie inzwischen noch einmal ein paar Kartoffeln nachgeschoben und preßt zwischen denen durch “pleeeaaseholdwhileiprosheshyourrequest. Düdelidüdeli.” Passiert da jetzt was? Die Zeit verrinnt. Jo-Anne ißt erst mal in Ruhe zu Ende und kommt dann wieder. “Shanksforholding. Databirt?” Darauf falle ich nicht mehr rein. Das Geburtsdatum (“Date of Birth” oder auch gerne DOB) gilt hier als ultimative Identifikation, das kennt ja außer dem rechtmäßigen Anrufer auch bestimmt keiner.

Pause. Tastaturklackern. Kann ich meinen Namen vielleicht nochmal buchstabieren? Und einen Vornamen angeben? Und das DOB? Mache ich alles, wenn’s der Wahrheitsfindung dient. Und, Jo-Anne? What’s up? Ganz klar und deutlich und sehr sehr langsam kommt vom anderen Ende. “I do not show an open balance, Madam. Why are you calling?”

Wenn mir nicht die Spucke weggeblieben wäre, hätte ich vielleicht geschimpft, daß mir irgendwelche Hansel einen roten Brandbrief mit Ultimatum und ihrer Nummer geschickt haben. Und diese Knaller das nächste Mal vielleicht die Zahlungseingänge prüfen könnten, bevor sie sowas tun. Und überhaupt! So einigen wir uns auf einen “Computer Glitch”, der hier oft an vielem Schuld ist, daß ich keine Schulden habe und sie mir das schriftlich bestätigt (in 14 – 21 Tagen und per Post) und daß ihr überhaupt die “Inconvenience” ganz arg leid tut. Deppenhaufen!

 

* Vielleicht hätte sie “F wie Fuck, Fuck, Fuck!” besser verstanden.

Drecksvieh

Auf dem Dachgiebel über meinem Schlafzimmerfenster grölt dieser verdammte Vogel nun schon den dritten Tag in Folge seinen Sonnengruß. Und das, wo die Tage jeden Tag ein bißchen früher anfangen. Dabei hat er nicht einmal eine schöne Singstimme, ist aber dafür wirklich laut.

Sei bloß vorsichtig, du Krachvogel: Manche Menschen werden durch Schlafentzug zu Mördern…

1000 x Nebel

Meister Yakimoto ist zufrieden, denn niemand außer ihm weiß um die Myriaden von Nuancen zwischen Weiß und Creme. Noch ein winziger Tupfer mit dem kleinsten Tuschepinselchen und ihm ist wieder ein Meisterwerk gelungen. Da! Fertig ist: “Gipfel im Milchschaum”.

“This is your TTT”

Stau. Wenn’s mal ein bißchen voran geht, dann in einem Tempo, daß ich mit Gehstock zu Fuß lässig mithalten könnte. Was ist denn bloß wieder los?

Die Lösung weiß das Radio, also vielmehr die schon qua Berufsstand entsetzlich frohgemute sonnige Morgensendungsmoderatorin: “your Typical Tuesday Traffic”. Man solle das ganz gelassen sehen, bald gingen die Sommerferien los und dann wären auch dienstags weniger Autos auf dem Highway. Und jetzt hören wir wieder zusammen Schlager, die die Laune heben. Zum Beispiel: “If I had a million dollars” von den Barenaked Ladies. http://www.youtube.com/watch?v=LHacDYj8KZM

Funktioniert.