Dreibettentournee

Meine Fresse! Irgendwer hat doch an der Uhr gedreht oder warum ist übermorgen schon wieder Abreisetag?

Meine letzten bayerischen Tage verbringe ich jeden Tag mit anderen Freunden und schlafe jede Nacht in einem anderen Bett. Und in 10 Minuten falle ich bereits in Bett zwei von dreien. Kann man das mit dem schönen Verweilaugenblick eigentlich auch ohne Pakt mit dem Teufel haben? Und wenn ja, wie? Wenn nein, wieso eigentlich nicht? Muß ich direkt mal drüber schlafen.

Shakespeares “Wintermärchen” im Münchner Volkstheater

Kurz zusammengefaßt mein Fazit: Der Stückl ist auch nur glücklich, wenn er die Bühne vollkommen total einsaut.

Die etwas ausführlichere Version: Shakespeare hat eigentlich zwei Stücke geschrieben, die weder in Form noch Inhalt so wirklich zusammenpassen. Der erste Teil ein Drama, in dem ein psychopathischer Machthaber vor lauter Eifersucht seine ganze Familie in den Tod oder mindestens ins Exil treibt, der zweite Teil ein Schäferspiel, was sich bei Stückl in Ringelspiel mit Anfassen übersetzt. Als Klammer dient das einst in der Fremde ausgesetzte Kind Perdita, das inzwischen zur Prolljungschäferin mit Evelyn-Künecke-Schnauze herangewachsen ist und sich einen Laubhut- und Leintuchlover hält. Florizel, Königssohn inkognito.

Ansonsten Popkultur, bunte Kostüme, Kalauer, Grillhendel, Prolls, Bumm, Schepper, Klirr, Brüll, Slapstick, Drehbühne und alles vollkommen total eingesaut.

Sehr gut, daß, wo Shakespeare seine weiblichen Darstellerinnen in Schönheit leiden läßt, Christian Stückls Frauen starke überlegene Figuren sind, die dem tobend-torkelnden lauten Mannsvolk mit nachsichtiger und darum sehr überheblicher Toleranz begegnen. Das aufrechte Abonnentenpublikum in der Reihe hinter uns war’s nicht zufrieden: “Der König in Adiletten, das hätte es aber doch wirklich nicht gebraucht.” Stimmt, aber keine Angst. Der Stückl tut nix. Der will sich nur einen Jux machen.

Deutscher Schwachsinn

Ich war jüngst zwei Tage lang der Dauerbeschallung durch Radio SWR4 Baden Württemberg ausgesetzt, schön laut und unentweichbar. Davon abgesehen, daß tatsächlich immer noch alle Schlager im Programm sind, die meine Mutter seinerzeit im Wunschkonzert beim Kochen zum Mitsingen animiert haben, laufen auch ganz moderne Titel. Überraschenderweise von Interpreten vorgetragen, die wir noch vom Dieter, dem Thomas, dem Heck kennen, zum Beispiel Ireen Sheer, der Mutter aller Pudelponyföhnfrisuren. Ich frage mich, ob es am spezifisch schwäbisch-patenten Häuslebauersfrauenpublikum liegt, daß “Komm ich mach das schon” alle halbe Stunde durchgenudelt wird? Oder müssen andere Bundesländer gleichermaßen leiden?

Nun zum Text:

Du liegst auf dem Sofa, das Telefon schellt. / Und ich sag : “Komm geh doch mal ran”. / Du hast deine Ohren auf Durchzug gestellt / Dein Fußball fängt gerade an. / Der Hund muß raus und der Garten sieht aus, / Die Leiter liegt seit Wochen vorm Haus,

(Die Textqualität wird leicht gesteigert, wenn man beim ersten Hören zu vernehmen glaubt, daß seit Wochen vorm Haus eine Leiche liegt – das ändert sich auch nach mehrtägiger Beschallungsfolter nicht mehr. Und, was macht Madame nun mit der Leiche? Sie kümmert sich:)

Es hilft nichts und ich sag wieder zu Dir: / Oh my Darling komm ich mach das schon / sonst kippst Du mir noch aus den Schuhn / Wenn Du nur deine Ruhe hast, / Oh my Darling komm ich mach das schon. / bleib doch auf deinem Machothron. / Für Dich da würd ich alles tun. /  Oh my Darling komm ich mach das schon.

Inzwischen sehen wir, daß Madame sich ein Geschöpf in einem Abhängigkeitsverhältnis zu halten scheint, das selbst kleinste Handlangerdienste nicht (mehr?) erbringen kann. Jegliches Selbstvertrauen dieses Wesens ist bereits solchermaßen untergraben, daß es schon beim Versuch, sich in eine aufrechte Haltung zu begeben, sofort seiner Fußbekleidung verlustig geht. Und die Herrin tut alles, um ihr Opfer noch weiter zu demütigen:

Dein schlechtes Gewissen sagt steh doch mal auf / und hilf ihr heut mal beim Geschirr. / Du trocknest die Tassen mein teuerstes Stück, / ein Fluchen und schon macht es Klirr. / Das neue Bild, jetzt hängst Du es auf / und haust Dir gleich auf den Daumen drauf. / Ich tröste Dich und sag mal wieder zu Dir: Refrain 3x wiedeholen

Ich würde mich gar nicht wundern, wenn sie ihren Sklaven zum Mitsingen zwänge. Mindestens 3x.

Wie gesagt, das läuft in BaWü alle halbe Stunde. Das ist doch ein Schulbeispiel für die Anwendung der Genfer Konventionen, namentlich der Nummer Römisch 4: “Die Genfer Konventionen, auch Genfer Abkommen genannt, sind zwischenstaatliche Abkommen und eine essentielle Komponente des humanitären Völkerrechts. Sie enthalten für den Fall eines Krieges oder eines internationalen oder nicht-internationalen bewaffneten Konflikts Regeln für den Schutz von Personen, die nicht oder nicht mehr an den Kampfhandlungen teilnehmen. Die Bestimmungen der vier Konventionen von 1949 betreffen die Verwundeten und Kranken der bewaffneten Kräfte im Felde (Genfer Abkommen I), die Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der bewaffneten Kräfte zur See (Genfer Abkommen II), die Kriegsgefangenen (Genfer Abkommen III) und die Zivilpersonen in Kriegszeiten (Genfer Abkommen IV).” (Quelle: wikipedia.de)

Ich schätze mich dann mal glücklich, daß ich da unbeschadet wieder rausgekommen bin.

Sie ist noch immer auf Reisen

und hat inzwischen Straßburg und Mittelbergheim mit großem Bedauern hinter sich gelassen. Wir haben gelernt: Das Schnitzel bleibt in Straßburg! Gratiniertes ist mit Vorsicht zu genießen und wem Choucroute garnie verweigert wird, dem bleibt immer noch der Altstadt-Thai. Außerdem sollte sich der christliche Religionsbeauftragte unbedingt der Straßburger Kathedrale annehmen und die Händler aus dem Tempel schmeißen – ich sage nur Ölberg. (Wer Licht will, zahlt.)

Jetzt München. Das leuchtet umsonst.

Reise tuen und erzählen

“Heute sind alle Deitschen da” und drum ist die Stadt vollkommen verstopft und die privaten Parkplätze, die uns das Hotel vor der Anreise vollmundig versprochen hat, schon “lääääängst weg”. Wir könnten es, empfiehlt der nette Herr an der Rezeption, im Parkhaus am Bahnhof versuchen. Das sei nur 5 Minuten weg. Gehminuten. In Autodurchdenstaustehminuten sind das knapp 75. Aber wir haben Dusel und finden im vorletzten Stockwerk eine Lücke und müssen nicht bis zum Park&Ride Parkplatz an der Rotonde staustehen, und von da aus zwei Stationen mit der Trambahn zum Hotel zurück. Überhaupt, die Trambahn. Mit der haben die Straßburger, wie wir in einem Feldversuch feststellen, ja wirklich das ganz große Los gezogen. Wir beziehen zu Forschungszwecken ein Zimmer über den Gleisen: tagsüber fährt die Bahn alle Nase lang, und muß recht viel klingeln, weil wieder irgendwer die Gleise zustellt, abends fährt sie immer noch arg oft, so oft, daß man im Touristenschlender schier überrannt wird, und nachts auch. Das macht die Straßburger so glücklich, daß spätnachts/frühmorgens eine kleine Gruppe abgeordnet wird, um auf der engen Straße mit dem schönen Halleffekt zu singen und zu tanzen, wobei sich eine Frau hervortut, weil sie über einen gefühlt viel zu langen Zeitraum exakt die Stimmlage mit ihrer quietschenden Fahrradbremse hält. Für die Zeit ummara 3:00 Uhr früh liegen keine verläßlichen Daten vor, weder zum Ureinwohner, noch zum Transportmittel; das Forschungsteam bedauert, offensichtlich wurden beide kurz vom Schlaf befallen. Danach fährt die Bahn in einem für so frühe Morgenstunden recht häufigen Turnus. Glückliche Straßbürger!

Außerdem haben wir gelernt: Nie wieder gratiniert!

Leaving on a Jetplane

Obwohl wir erst spät aus dem Büro loskommen, bin ich rechtzeitig am Flughafen, Gepäck ist eingecheckt, noch eine schnelle SMS an Toni, daß ich jetzt zum Security Check gehe – und wo ist dieses verdammte Handy? Dammit! Doppeldammit! Das liegt daheim auf dem Küchentisch und lädt auf. Zefix! Kurz erwägen, ob ichs einfach zurücklasse. Ja? Nein! Geht nicht. Geht gar nicht! Also Blitzaktion starten: wieder raus aus dem Flughafen, da fährt auch schon das von mir herbeigewünschte Taxi vor, der Fahrer läßt mich, obwohl das ganz und gar illegal ist, bei “Departures” einsteigen, braust zum Häuschen, und während er am Ende der Sackgasse wendet, springe ich flott rein, Handy ab- und einstecken, wieder abschließen, noch ein Abschiedsblick und dann rasen wir auch schon wieder zum Flughafen. Keine 20 Minuten und 30 Dollar ärmer bin ich wieder am Ausgangspunkt, vor dem Security Schalter. Puuaaaahhh! Das ist gerade nochmal gutgegangen. An der Security ist nichts los, so sehr nichts, daß die TSA-Menschen sogar herzlich mit mir über meine Nachlässigkeit lachen, als ich durchgehe und das eben gerettete Handy in meiner Hosentasche piepst. Und die lachen sonst nie.

Das Gate füllt sich langsam mit Mitreisenden, am auffälligsten ist ein Vater mit vier Kindern + Frau, alle in butterblumengelben T-Shirts und in dem Gewimmel nicht zu übersehen. Bei näherer Betrachtung kann man sich allerdings nur wünschen, daß die Frau in einem kündbaren Anstellungsverhältnis steht, so wie der Typ sie jedes Mal anhirscht, wenn eines der Kinder Begleitung für einen Toilettengang braucht. Dann noch ein Model mit Entourage und mehr Handgepäck als die sechsköpfige Gelbfamilie insgesamt aufgegeben haben dürfte und eine Asiatin in knappem Top, die sich zur Freude aller anwesenden Männer durch die verschiedenen Warrior-Posen yogat. Manche Frauen nesteln verstohlen schon nach ihren Schlafbrillen, um ihren angetrauten Gaffern die Scheuklappen anzulegen.

Dann steigen wir ein und super! die 100 Dollar für den Platz am Notausgang haben sich echt rentiert. Ich müßte mir noch ca. einen halben Meter Bein wachsen lassen, damit ich bis an die Wand vorne reiche. Mein Nachbar ist ein polnischer Student, der gerade nach einem Vierteljahr Work and Travel wieder an die Uni in Breslau zurückfliegt und wir vertreiben uns die Zeit bis zum Abendessen mit darüber angeben, wer schon wo war und wie schön wir das dort fanden. Dann gehen wir schlafen und 11 Stunden später sind wir in München. So einen schönen ereignislosen Flug hatte ich schon lange nicht mehr. Und weil ich, kaum angekommen, gleich mit Rainer in seinen Geburtstag hineinfeiere, gehe ich erst ganz spät schlafen und bin so alle, daß ich nichts mehr tun kann, außer durchzuschlafen.

Jetzt gehts in Urlaub!

PS @ Toni: überhaupt.

Schlangenlinien

Ein bislang stark unterschätzter Risikofaktor im Innenraum von Kraftfahrzeugen sind Schlangen. Ja, Schlangen. Diese sich häutenden schuppigen wechselwarmen Biester. Warum sonst hätte der Pick-up Truck hinter mir nicht nur sämtliche Türen, die Heckklappe (dazu später) und auch seinen Kühlergrill in Grellgelb und sogar in Spiegelschrift mit der Frage beklebt: “Got Snakes?” So dicht, wie er auffährt, scheint er eine in meinem Kofferraum zu vermuten und ist offensichtlich einsatzbereit zu sofortiger “Humane Rattlesnake Removal & Consultation”. Brauch ich nicht. In meinem Kofferraum sind nur Klappboxen und meine Tasche mit den nassen Schwimmklamotten. Drum bin ich froh, daß er mich bei der ersten sich bietenden Möglichkeit überholt.

Sehe den monstergroßen gelben Heckaufkleber noch lange auf der schnurgeraden Strecke in jeder Spur aufblitzen. Schließe daraus, daß es sich bei dem Fahrstil um ein Berufsrisiko handelt (occupational hazard).

Polemik

Der Moderator einer satirischen Fernsehsendung befragt im Straßeninterview Passanten zum Thema Gewaltenteilung (“3 Branches of US Government”). Er wird viele richtige und halbwegs korrekte Antworten bekommen haben, gezeigt hat er diese Aussage eines mündigen Bürgers: Die drei Gewalten im Staat seien Feuerwehr, Post und Polizei. Warum diese – wahrscheinlich und hoffentlich – nicht repräsentative Antwort so erschreckend ist? Der Mann ist stolz darauf, als Wähler eingetragen zu sein.

Dazu muß man wissen, daß es in den USA kein zentrales Melderegister gibt und wer sein Wahlrecht ausüben will, sich dazu aktiv in ein Wählerregister eintragen lassen muß. Dies geschieht unter Vorlage einer “Picture ID”, im allgemeinen des Führerscheins, auf dem neben einem Photo die Anschrift der Person erfaßt ist und fällt damit in die Zuständigkeit des Department of Motorvehicles. Klingt komisch, ist aber so. Steht auch auf meiner Führerschein Renewal Notice: “Do you wish to register to vote?”

Hmmm. Do I?