Das 7. Spiel (World Series)

Menschen jubeln, es böllert, es hupt. Die, denen es wichtig ist, erleben “Another Giant Moment” (die Giganten haben die World Series zum 3. Mal innerhalb von fünf Jahren gewonnen).

Ich freue mich für meine Kollegin, die heute früh in Nachtschwarz zur Arbeit kam und mit ebensolcher Stimme verkündete, daß sie möglicherweise nach dem heutigen Spiel NIE MEHR ORANGE tragen werde können. Kannse doch.

Glückwunsch!

“Germans don’t do fun!”

Ja, der Deutsche an sich ist kein lustiges Volk, da ist sich Greisin Lyn von Nebenan ganz sicher. Für mich jedoch bestehe Hoffnung, dafür lebte ich ja jetzt schon lange genug im Fun-State California und am Freitag begehen wir Fun-People hier den funniest Fun-Holiday von allen, Halloween. Sie sei sich fast sicher, daß ich natürlich kein “funny costume” besitze (wg. deutsch und spaßfrei, s.o.), aber “fear not”, sagt sie, sie habe schließlich nicht umsonst die Kostümekiste ihre Lebens aus der Garage gezerrt. Sie geht schon seit vielen Jahren als Kätzchen, ich darf mir heute Abend eine Verkleidung aussuchen, sie am Freitag tragen und anschließend behalten. Für immer.

“Mann, Lyn! Jetzt mal im Ernst: Ich bin Deutsche und mein Mittelname ist Spaßbremse. Oder Faschingsmuffel. Kannst du dir aussuchen. Ich mag mich nicht verkleiden. Ich finde das doof. Hast du eigentlich mal für ein Zehnerl nachgedacht? Also selbst wenn ich wöllte – du bist mindestens zweieinhalb Köpfe kleiner als ich und ein Fliegengewicht – ich könnte mir deine Kostüme allenfalls über den Arm ziehen. Einen Arm. Der Rest bliebe nackig. Will nicht! Geh weg und spiel mit deinen Freunden vom Senior Center.” Das alles lag mir auf der Zunge. Habs aber nicht gesagt, wegen Respekt vor schneeweißen Haaren und so. Stattdessen habe ich weiter die feuchten Scheiben und Spiegel des Autos abgewischt und mehrfach darauf hingewiesen, daß ich jetzt aber wirklich los muß, denn “we Germans don’t want to be late for work.”

Hey, wenn schon archetypisch, dann aber hundertprozentig!

Aus Film und Fernsehen

ZombieberHoffentlich ist dieses Halloween bald ausgestanden, sonst produziert noch irgendwer einen Gruselfilm mit Zombiebern*. Wie, zu spät? Das gibts schon?

ZOMBEAVERS is an action-packed horror/comedy in which a group of college kids staying at a riverside cabin are menaced by a swarm of deadly zombie beavers. A weekend of sex and debauchery soon turns gruesome as the beavers close in on the kids. Riding the line between scary, sexy and funny, the kids are soon fighting for their lives in a desperate attempt to fend off the hoard of beavers that attack them in and around their cabin.

Weiß Joss Whedon davon?

Kino geht also nicht. Was gibts denn neues im Fernsehen? Schwachsinn, Schwachsinn, HBO und richtiger Monsterschwachsinn, wie zum Beispiel:

Rival Survival: 1 demokratischer Senator (echt), 1 republikanischer Senator (auch echt), 1 Woche, 1 einsame Insel (nur halbecht, das Filmteam ist immer dabei). Das Drehbuch, in Originallänge: “They fight it out, then hug it out, then get out.” (Pack schlägt sich, Pack verträgt sich, Pack geht wieder heim.) Ja. Nein. Nein, wirklich nicht. Was kommt denn sonst noch?

Scrotal Recall. Tatsächlich? Was genau? Isdochklar, Dylan hat sich irgendwo eine Geschlechtskrankheit eingefangen und arbeitet nun in einer Aufklärungsmission alphabetisch seine Ex-Freundinnen ab. Wie lustig. Hahaha. Nein. Auch nicht.

Mike Tyson MysteriesSchon gar nicht Mike Tyson, his adopted daughter, a friendly ghost, and an alcoholic pigeon** solve mysteries und erst recht nicht Amish Mafia, Real Housewives von Sonstwo, Kochen bis der Arzt kommt, CSI [ergänzen Sie den Namen der Stadt], Reich durch Trödel, Häuser-, Auto oder Frauentausch, Haunted Sonstwas – es geht immer noch blöder.

squidbilliesLetztes Beispiel Squidbillies, eine Serie über eine verarmte und selbstverständlich dysfunktionale Familie von Redneck-Tintenfischen (!) in den Appalachians. Lustig. Ganz bestimmt. Total lustig. (Um das zu wissen, muß ich das nicht gesehen habe, da langt mir die Inhaltsangabe.)

Eine Symphonie in Schwarmschwachsinn. Warum rege ich mich eigentlich auf? Ich ‘abe doch gar keine Fernseher. Und nach 10 Minuten Programmheftlektüre wieder einmal nicht die mindeste Absicht, das zu ändern.

* Was hat es mich gefreut, daß das Wortspiel in beiden Sprachen gleich gut funktioniert. Untote hingegen grausen mich.

** In einer Welt, in denen Zombieber keinen mehr verblüffen, ist es nicht weiter verwunderlich, daß sie die Drossel mit einer Taube besetzen. Hahaha.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel (World Series)

“We are devastated! The Royals stomped our Giants tonight. Ten to nothing!” (Wir sind am Boden zerstört. Die Königlichen aus Kansas schlagen die Giganten aus San Francisco mit 10 zu Null. Wörtlich: “zerstampfen”; das kommt noch aus der Zeit, wo den Kuhjungen hier manchmal die Rinderherden durchgingen…)

Halb so schlimm, sagt man mir. Dann stehe es halt nach 6 von 7 Spielen unentschieden. Entscheidend sei doch dann eigentlich nur das letzte und siebte Spiel morgen. “Kinda feels like the first time, right?” Das nenne ich Stehaufmännchenqualität, made in America.

Was kriegt man heutzutage schon noch für $8.59?

Also ich wurde dafür von PG&E einen Monat lang mit Strom und Gas versorgt.

Gut, es mag geholfen haben, daß ich im Abrechnungszeitraum für zwei Wochen außer Landes war und das Wetter recht schön warm. Aber am meisten hat geholfen, daß sich in Kalifornien die Erkenntnis durchgesetzt hat, daß der Klimawandel existiert. Und menschgemacht ist. Aber weil ich den ganzen Sommer über Energie gespart habe und so etwas gegen “carbon pollution” tue, hat mir mein Bundesstaat zur Belohnung einen “climate credit” von $29.82 gutgeschrieben.

Was mache ich jetzt bloß mit der vielen Kohle?

Aufreger zu Halloween

can you spot the potIn Colorado, dem Traumstaat aller “Legalize it”-Rastamänner (Anbau, Verkauf und Konsum von Marihuana sind gesetzlich erlaubt), so regen sich manche Menschen schon vorsorglich auf, könnte es passieren, daß in den Sammeleimerchen der Trick-and-Treater möglicherweise der Verkaufsschlager der Saison landet, nämlich mit Marihuana versetzte Gummibärchen. (Ganz ruhig, Herrschaften, das wäre viel zu teuer.) Wieder andere Gutmenschen wollen wie jedes Jahr landesweit den Süßkram durch Gemüse ersetzt wissen. (Funktioniert bestimmt, wie jedes Jahr. Ich kann mich noch gut an den am Ende des Abends immer noch wohlgefüllten Apfelkorb erinnern. Danach habe ich das Experiment nicht mehr wiederholt.)

Den dieses Jahr bisher größten Klopper hat sich Walmart geleistet und auf seiner Website “Fat Girl Costumes” angeboten. Durch das Land der politisch Korrekten ist ein Aufschrei gegangen, Walmart hat sich ganz arg entschuldigt und nennt die Dinger wieder “Plus Sizes”. Wie die Rubrik heißt, ist mir eigentlich egal. Aber so lustige Kostümbeschreibungen wie: “Tinkerbell really let herself go since she has been out of work for so many years.” (Die Fee aus Peter Pan hat sich aber wirklich gehen lassen; liegt wohl dran, daß sie schon so lange arbeitslos ist.) – die regen mich auf!

Fat Girls Halloween Walmart

Aus dem Vokabelheft: Auch englisch?

“Und”, frage ich den Kollegen, “was hast du am Wochenende Schönes* gemacht?” – “Went with Hanner to the Player. Liked it.” “Ah,” schließe ich, “Giants Fan, was?” (Kurzfristig vergessen habend, daß in diesem Zusammenhang nicht etwa “play” Spiel” bedeutet, sondern “game”.) Nein, im Gegenteil. Er interessiere sich nicht für Ballspiele. Deswegen war er ja am Strand. Mit Hanna.

Was lernen wir daraus? Der Aussie ist ein Lautwandler und tauscht gerne ein “A” am Wortende gegen ein „ER“. Klingt ja auch viel schöner. (Wenn man aus Down Under kommt.)

* Auf hiesig: “Did you do something fun on the weekend?”

Streng geheim!

pssst!

Ich finde nicht nur den Umstand an sich witzig, wo doch der Tag eines Baristas im allgemeinen darin besteht, anderer Menschen Namen zu verhunzen (–> Deckname). Viel mehr amüsiert mich, daß es offensichtlich zu den Grundrechten eines Geheimdienstlers gehört, während des Arbeitstages Zugang zu seltsamen koffeinhaltigen Getränken zu haben. Und am allermeisten, daß man sich das Wort “verboten” aus einer anderen Sprache hat ausleihen müssen.

“Prohibited” klingt wohl nicht verboten genug.