Nur für Boomer

In der nicht einmal 20 Jahre dauernden Blütezeit der DVD habe ich circa drei gute Umzugskartons voll in meinen Besitz genommen. (Das weiß ich so genau, weil ich sie transatlantisch hin- und her gepackt und transportiert habe.) Und wenn ich mal des Lesens müde und des Streamens unlustig bin, dann suche ich mir was Schönes aus meiner Sammlung, lege die Silberscheibe in meinen DVD-Player (vergeßt es einfach sofort, Kinder; fällt in die Kategorie Faxgerät) und schau mir einen schönen Film oder eine Serie an.

Die Älteren, gegebenenfalls auch phantasiebegabte Nachgeborene können sich jetzt vielleicht vorstellen, wie ich mich gestern Abend gefühlt habe, als die letzte, alles erklärende und alle Handlungsstränge zusammenführende Folge der letzten Staffel einer Krimiserie nicht aufzufinden war. Nicht an ihrem Platz in der Hülle des Box-Sets von insgesamt 38 Folgen, nicht irgendwo drunter oder sonstwo falsch eingeordnet, sondern nur weg. Weg! Einfach nicht mehr da.

Ich habe dann getan, was ich immer tue, wenn die Technik versagt. Habe das Ding Ding sein lassen, ihm die Chance gegeben, sich selbst zu reparieren bzw. in diesem Falle zur seinen DVD-Brüdern und -Schwestern zurückzukehren und bin ungeschaut und unaufgeklärt ins Bett gegangen (und habe, nachdem ich rasch ein Recap durchgelesen hatte, ruhig und entspannt geschlafen).

Die Beste-Methode-von-allen hat sich bewährt. Heute früh lag die DVD unter dem Sofa. Ganz unschuldig, als wäre sie nie woanders gewesen. Dann werde ich wohl heute Abend ausführlich gezeigt bekommen, was ich schon läängst weiß.

Andere Länder, andere Feiertage

Wo bei uns in Bayern Mariens Himmelfahrt gefeiert wird (endlich mal wieder an einem Wochentag, wie ich als werktätige Bevölkerung wohlwollend feststelle), begehen die Inder ihren Independence Day. Auch recht. Hauptsache ein freier Tag!

Optimierungspotenzial

Da sagt mir gestern meine Kusine, noch dazu eine Kusine aus dem Rheinland, dass ihre Nürnberger Kollegen entweder arg unzuverlässig sind, weil sie ihr nicht Bescheid gesagt haben, was sie gar nicht glauben kann, oder dass Mariae Himmelfahrt gar nicht in allen Teilen Bayerns Feiertag ist. Weil ich das nun wieder gar nicht glauben kann, denk’ ich mir, “das google ich einfach kurz” und dann wissen wir es beide.

Tun wir nun. Die Franken nämlich sind außen vor. Nix Feiertag. Und das in ein- und demselben Bundesland. Es gibt nur ein weiteres Bundesland, in dem der Feiertag und zwar landesweit gilt. Es ist… na? na? … ausgerechnet das Saarland. In Bayern feiert man nur in Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung. Festlegen tut den Wert nicht etwa die Kirche, sondern das Statistische Landesamt, wahrscheinlich, weil dessen Zahlen glaubhafter sind.

Herr Dr. Ministerpräsident: Fällt der Schutz der fränkischen Minderheit nicht in Ihr Ressort? Bloß, weil deren Altvorderen mal dem Luther nachgelaufen sind, darf man die Nachkommen doch heute nicht mehr strafen, oder? Ist Ihnen wurscht? Klar, verstehe ich. Wer der härteste Corona-Hund war und beinahe Kanzler geworden wäre und sich jetzt um das Fracking in Niedersachsen kümmern muss, weil im eigenen Bundesland die Gewinnung erneuerbarer Energien die Landschaft verschandeln täte, der kann sich mit solchen Marginalitäten nicht befassen.

Mach so weiter, Maggus. Bald sind Wahlen.

Nachtkritik: Derniere von “Ratatata” im Lustspielhaus

Es ist ja nicht so, dass ich das Stück nicht schon gesehen hätte. Ahaber, das war seinerzeit eine Es-geht-wieder-was-im-Theater-Freilichtaufführung (s. https://flockblog.de/?p=45452 und https://flockblog.de/?p=45468) und die Stimmung im Publikum war ganz anders. Begeistert, dass überhaupt. Dankbar. Freudig. Die wollten mitgehen, damals, vor knapp einem Jahr.

Heute im Lustspielhaus waren sie schon wieder etablierter, mit dem Anspruch, unterhalten zu werden. Nicht, dass das Spektakel nicht gefallen hätte. Nicht, dass es nicht Szenenapplaus und Lacher gegeben hätte. Aber das Freudige, das hat schon arg gefehlt.

Dabei waren die Dame und Herren Schauspieler so gut wie immer. Das Stück da, wo’s passte aktualisiert, die Einsätze genau, die unglaublich schnellen Kostüm- und Rollenwechsel präzise. Es wäre möglicherweise hilfreich, wenn eine Frage, wie auf den Proben auch, so gestellt würde, dass der Kollege darauf wie immer verneinend antworten kann und nicht auf einmal “Ja” richtig gewesen wäre, aber das haben sie prima eingefangen. Sind ja nicht umsonst Vollprofis. Wobei ich die Kollegin Lindner ganz besonders für ihre Verdienste um den Weihnachtsbaum-Free-Style-Poetry-Slam loben möchte. (Wenn ich hier im Blog mit Emojis arbeiten würde, käme jetzt ein Doppelzwinkersmiley…).

Die anschließende Feier war weder groß noch wahnsinnig lang, aber trotzdem sehr sehr nett; den Kindern Schleich sei für die Musikauswahl gedankt und wer sich jetzt noch nicht heiser gesungen hat, ist selber Schuld.

Ja, dann. Danke allen und bis zur nächsten Wiederaufnahme.

Kinder, wie die Zeit vergeht

Heute auf den Tag genau vor sieben Jahren bin ich nach meinem sieben Jahren in Kalifornien nach Deutschland zurückgekehrt.

Ich habe lange überlegt, was ich darüber schreiben will. Vergleiche anstellen? Bilanz ziehen? Bewerten in einer Plus- und Minus-Tabelle? Merke aber, dass das gar nicht geht. Ich war vor 14 Jahren ein anderer Mensch als heute. Vor sieben Jahren aber auch.

Vielleicht sollte ich mich einfach freuen, dass dem so ist. Und wenn an der Theorie was dran ist, dass sich das menschliche Leben in ungefähr Sieben-Jahres-Zyklen bewegt, sehr gespannt auf meinen nächsten Abschnitt sein. Quasi: Hallo Rente, ich komme!

Ja, das klingt gut. So mache ich das.

Jugendwort 2022: Gommemode?

Gibt man Gommemode als Suchbegriff ein, stellen die meisten Ergebnisse einen Zusammenhang zu Minecraft her und geben als Bedeutung sowas wie “unbesiegbar” oder “unbezwingbar” oder “sehr stark” an.

Es sei denn, man befragt Schweizer. Dortzulande ist Gommemode negativ konnotiert und bedeutet “Gammelmode”. (2. Definition von unten.)

Summertime… And the livin’ is easy

Voll easy. Also mein Leben derzeit. Volle Kanne. Ein über den anderen Tag fahre ich irgendwohin auf Besuch, genieße die Schönheiten meiner bayerischen Heimat Bayern und werde nach Strich und Faden verwöhnt. Hach! Und man muss auch einmal eine Lanze für den Katholizismus in Bayern brechen, Herrgott nochamal. Wäre am Montag nicht Mariä Himmelfahrt, wäre mein Urlaub gestern schon halb rum gewesen. Aber weil wir ja hierzulande immer dann extra traditionstreu sind, wenn es uns nutzt, habe ich noch einen Extratag geschenkt bekommen. Gelobt sei, wer hier in Bayern die Feiertage befiehlt.

An einem Tag, an dem andere arbeiten müssen, gondele ich durch eine Gegend, in der andere Urlaub machen und weil auf der Autobahn viel los ist und ich Zeit habe, lasse ich mich vom Navi auf Landstraßen leiten und habe da sehr viel zu gucken. Auf den Wiesen liegen träge fette Kühe und hängen mit gerunzelten Stirnen bovinen Gedanken nach. Der Mais steht hoch, wird aber von Sonnenblumen überragt, die übers ganze Gesicht strahlen. Was Gras war, wird zu Heu geschnitten, die Getreidefelder sind schon abgeerntet und die Stoppeln strahlen unter der freundlichen Sonne in jenem Gelb, in dem ich ganze Kollektionen gestalten würde, wäre ich denn eine große Couturière. Bin ich aber nicht, und drum kann ich hier alles einfach sein lassen und mich an den matter werdenden Farben ergötzen. Hach!

Und da bin ich auch schon angekommen im Sommerhaus meiner Freundin und das Verwöhnen kann beginnen. Ich hatte mir zu Mittag einen Biergartenbesuch gewünscht – und einen ganzen Biergarten habe ich bekommen. Nicht irgendwo mit Hinfahren, nein, gleich bei ihr im Garten. Liebevoll hat sie ein Brotzeitbrett mit Köstlichkeiten aus lokalen Spezialitäten arrangiert und gute Vorsätze (weniger Kohlenhydrate) hin, weiße Brezn und Seelen und Spezialsalzstangen her – Mann, es ist Sommer, ich habe gerade mal eine Woche Ferien und außerdem: Leben und leben lassen.

Eben. Also legen wir die Beine hoch, schwätzen dies und das, schauen in den Himmel und den Apfelbaum und sehen seinen Äpfeln beim Reifen (dicker – runder – roter) und der Zeit beim Vergehen zu. Hach! Als Teil des Deluxeverwöhnprogramms werden mir mundgerecht geschnittene sonnenwarme Apfelschnitz angereicht und darüber wird es irgendwie Abend.

Schwalben flitzen hoch über uns, das verspricht, wie wirs von den jeweiligen Omas gelernt haben, auch morgen wieder einen heißen Tag. Hach! Als in der Dämmerung ein bleicher schiefer Fastschonvollmond aufgeht, nehmen sich ganze Schnakenhorden ihre 15 minutes of fame und tun sich an jedem unbedeckten Stück Haut gütlich, dann ist aber auch Ruhe. Schwalben schlafen, Wespen schlafen, Schnaken schlafen und das Rindvieh in den Ställen rundum muht sich zur Ruhe. Nur die Herren und Damen Glühwurm, die zu den Dinnerlichtspielen gebucht waren, verpassen ihren Auftritt. Na gut. Das ist zwar schade, reicht aber nicht einmal für Punktabzug. Weil, sonst ist alles Hach!

Der Landluft ist die Tageszeit egal. Sie nutzt jedes noch so kleine Lüftchen für einen Abstecher in die Städterinnennase, die dann nicht anders kann als rümpfen. Das, schwöre ich, ist aber nur ein Reflex und hat mit Kritik gar nichts zu tun.

Mit großem und vielem Dank reise ich wieder ab und wenn mich die Gastgeberin (doch, doch, das musst du auf dir sitzen lassen…) nicht von sich aus zum Wiederkommen eingeladen hätte, hätte ich’s selbst getan.

HACH!

Veggie-Love

Um die Beziehung der beiden jungen Menschen im U-Bahn-Nebenvierer muss es recht gut bestellt gewesen sein, denn sie neckten einander die liebe lange Fahrt über.

Für mich war das Geplänkel längst zum Hintergrundgeräusch geworden, muss aber zugeben, dass ich doch aufhorchte, als der Jungmann die nunmehrige Gesichtsfarbe seiner Angebeteten mit den Worten kommentierte: “Du wirst ja rot wie eine Kartoffel!”