Beim Verstauen ihrer Einkäufe in Taschen, Wagerl, Beutel ist sich die Kundschaft einig: früher war alles besser.
Früher, als die Klopapierpackungen noch Henkel hatten und man sich die unhandlichen Dinger nicht unter den Arm klemmen mußte.
Beim Verstauen ihrer Einkäufe in Taschen, Wagerl, Beutel ist sich die Kundschaft einig: früher war alles besser.
Früher, als die Klopapierpackungen noch Henkel hatten und man sich die unhandlichen Dinger nicht unter den Arm klemmen mußte.
Die einen feiern die Besucherrekorde, angestiegenen Konsum beim Gerstensaft, also Sauf- und Freßorgien, “zählen [jedoch] keine toten Tiere mehr” (Zitat der Wiesn-Pressestelle).
Ich feiere auch. Und zwar, dass mir trotz mehrerer Fahrten in Öffentlichen Verkehrsmitteln im näheren Einzugsbereich des Festgeländes auch dieses Jahr keiner auf die Schuhe gekotzt hat.
So hat jeder einen Grund zur Freude.
Frau Shibatas Kollegen sehen in ihr hauptsächlich ein Dienstmädchen, das Kaffee kocht, serviert und den Schmodder nach dem Meeting wieder aufräumt, Milch und Büromaterial besorgt, Papierstaus beseitigt und sich auch sonst, am besten ohne Aufforderung, aber wenn’s nicht schnell genug geht, auch recht rüde mit, aller kleinen Mickligkeiten des Büroalltages annimmt, mit denen Männer nicht behelligt werden können. Wirklich nicht.
Bis sie ihre eigentliche Arbeit dann auch noch erledigt hat, ist es jeden Tag spät und nicht mehr viel Zeit zum Leben.
Irgendwann hat Frau Shibata keinen Bock mehr. Sie besinnt sich auf die Waffen einer Frau. Und ernennt sich zur Schwangeren. Nunmehr schutzbedürftig. Und so ziemlich das Gegenteil des unterwürfigen Wesens von vorher.
In einer leichtfüßigen Fingerübung* läßt Yagi ihre Heldin mit zunehmend dickeren Bauchspolstern, “Maternitybics” (Aerobic für werdende Mütter), Umstandsmode, Spei- und Freßattacken, Ultraschalluntersuchungen, Schwangerschafts-Apps, Auswahl eines Vornamens und und und… in Gesellschaft anderer an der japanischen Gesellschaft leidender Frauen (ungewollt Kinderlose, Mütter, solche, die es demnächst werden – und alle mit faulen Macho-Paschas an ihrer Seite geschlagen) eine ganze ganz wunderbar erfundene Schwangerschaft durchleben. Wie sie diese Chuzpe-Nummer auflöst, verrate ich nicht. Ist aber ganz klasse!
Es ist nicht der große “feministische Text”, den der Klappentext verheißt, läßt sich aber lässig an einem halben Nachmittag wegatmen und stimmt heiter.
Bei der Übersetzung ist nicht alles gut geraten. Zum Beispiel: “Zwei Mädchen im selben Sportanzug”. Wobei, sehen würde ich das schon mal wollen. Ob es sich wohl um siamesische Zwillinge handelt? Oder auch: “Der ansteigende Weg mündete in einem makellos blauen Himmel, vor dem sich dicht die Kirschblüten drängten.” Nichtsdestotrotz lernt man viel über Japan. Außerdem, dass Frechheit siegt.
Man muss das nicht lesen. Aber man kann. Durchaus.
Dank fürs Entleihen geht an Frau S. aus D.
* Geraten hier die Metaphern durcheinander? Wahrscheinlich. Ich bin aber gnädig, habs ja selbst geschrieben.
Herrons Slough House Spionage-Thriller sind einfach eine sichere Bank. Intelligente Unterhaltung, mit Zwang zum Selberdenken.
In diesem nunmehr fünften Band seiner Serie über die “Slow Horses”, abgewrackte Spione auf dem Abstellbahnhof des britischen MI5 schreibt er auf Hochtouren. Jackson Lamb, in der Serienverfilmung kongenial gegeben von Gary Oldman, steigt in ungeahnte Höhen in der hohen Kunst der Beleidigung auf (ich möchte diese Wortspiele nicht übersetzen müssen), der Fall ist so hanebüchen wie glaubhaft und das Ganze, vor allem diese meisterhaften Diaologe, läßt sich vom Blatt verfilmen. Darauf freue ich mich schon.
Das kann man gut lesen und Spaß haben. Muß ja nicht alles immer schwer sein…
Überraschend. Eigentlich wollte ich nach der ersten Viertelstunde ins Bett, weil ich mit Musicals bekanntermaßen nichts anfangen kann. Ehrlicherweise ist “Across the Universe” aber nicht, wie beworben, ein “Beatles-Musical”, sondern eine Aneinanderreihung von höchst abwechslungsreichen Musikvideos mit Neuinterpretationen von Hits der Beatles. Und jetzt die Überraschung: was ich bei den Pilzköpfen aus Liverpool meist als seichten Pop wahrgenonommen hatte, wird hier, von begabten jungen Menschen, unterstützt von ein paar Promi-Cameos (Bono, Joe Cocker, Eddie Izzard) neu interpretiert und gewinnt überraschend an Tiefe.
Die Rahmenhandlung, vor einer Sechziger/Siebziger-Jahre Kulisse mit der Ermordung MLKs und dem Vietnamkrieg, in der der junge Dockarbeiter aus Liverpool sich in die Tochter aus gutem Hause verliebt und… ja doch, sie sich nach vielen Verwicklungen auch endlich kriegen (Hach, die Macht der Musik!) kann man getrost vergessen. Einzelne Aufnahmen jedoch “arbeiten nach”.
Kann man ansehen.
Meine lieben Kolleginnen und Kollegen scheinen mich sehr vermißt zu haben. Die Stilblüten schossen diese Woche geradezu ins Kraut (hihi).
Der leicht erregbare Mitarbeiter mit der kurzen Hutschnur, zum Beispiel. Da dauert es manchmal nur einen Augenschlag und das Handtuch ist für immer zerschnitten.
Zum Glück sind wir alle erwachsene Menschen. Darum treten wir einen Schritt zurück und heben das Thema erst einmal auf die Mettwurstebene.
Freitagnachmittag. Allerschönstes Wetter und die erste von zwei Dreitagearbeitswochen liegt hinter mir. Und weil die Sonne gar so schön scheint und ich gar so fleißig war und weil, obwohl schon fast Oktober, in der Eisdiele noch keine Lebkuchen in der Auslage liegen, gönne ich mir ein Eis (über den Belohnungscharakter von Süßigkeiten wird ein anderes Mal nachgedacht). Die Frau Eisverkäuferin verbringt meine drei (!) (Ha-Ha!) Wunschkugeln in den bestellten Becher. Einen Becher wohlgemerkt, in dem auch die doppelte Menge Platz gehabt hätte.
Während ich gemütlich warte, bis mein Eis zum aus drei sorgfältig komponierten Sorten kreierten Eisbrei zusammengeschmolzen ist, den ich dann mit großer Freude schlürfen kann (für kaltes Eis bin ich ja nicht so zu haben), kontempliere ich meine ach so ganz anderen Erfahrungen in den Ferien.
Der spanische Eisverkäufer und seine spanische Eisverkäuferinnenkollegin nämlich setzen ihren ganzen Ehrgeiz darin, riesige Mengen Eis in kleinstmögliche Becherchen zu stopfen und dann auf der soliden Grundlage Türmchen aufzuspachteln. Weil es viel wärmer ist als hier und das Eis viel weicher, läuft einem der Baaz schon bei der Übergabe über Hand und Arm.
Sagen wir so: wer es schafft, in Spanien ein Eis zu essen, ohne sich komplett einzusauen, bekommt von mir ein blütenweißes T-Shirt und eine grande porción Schokoladeneis.
Übrigens, ganz und gar ohne jeden Zusammenhang, nur weil es gar so schön ist. Der Eingeborene heißt in Malaga El Malaguenho.
Das wollte ich endlich einmal untergebracht haben.
Oh Mann, jetzt geht das schon wieder los. Die ganze Nacht leuchtet ein heller Fastvollmond das Schlafzimmer aus, aber wenn in der Früh der Wecker klingelt (Wecker? Was ist das? fragt mein urlaubsvernebeltes Hirn zu Recht), dann ist es stockfinstere Nacht und ich muss Licht machen.
Abends ist es fast genauso schrecklich. Bis die liebe Sonne einer lichten Dämmerung weicht, ist es nach meinem Zeitempfinden schon weit nach neune. Nicht hier. Hier ist um acht schon stockfinstere Nacht.
Boooaaaahhhh! ¡No me gusta!