TAMS-Theater – “Kafkamaschine”

Bumm – Schepper – Klatsch – Klirr – Do-do-do-Dong – Baarrrrummmm – Dotz – Platsch – Flotz – Huuuiiiii – Peng…

Was ist da los?

Auf der Bühne des Theaters am Sozialamt steht eine überaus faszinierende Appartur aus fünf billy-großen Rahmen (Idee und Aufbau: Lorenz Seib) in deren einem sich wie durch Zauberhand auf einer Kurbel kreuz und quer gespannte Fäden aufrollen, die offensichtlich Impulse auslösen. Dann rattert eine Nähmaschine, rast ein Matchboxauto in ein Aquarium und orangene Springkugeln hüpfen über die Bühne, fließt ein Wasserstrahl durch transparente Plastikrohre und Trichter in einen Eimer, malt ein Wischwaschwusch abstrakte Bilder, spielt ein Schneebesen Gitarre, irgendwo steigt Rauch auf, ein Ventilator betreibt einen lustigen Propeller, eine Aufschnittmaschine surrt, ein Winkekatzentrio winkt – alles vollkommen sinn- und zweckfrei, absolut nutzlos, total absurd und ungeheuer charmant.

Irene Rovan und Lena Vogt, in ganz eigenartige harlekineske Overalls gewandet, tragen dazu Kafka-Texte vor. Das passt. Irgendwie. Das Ende ist erreicht, wenn die Kunstreiterin vom Pferd fällt und alle Fäden auf der Spule in einem dicken Wust aufgerollt sind.

So etwas habe ich noch nie gesehen und möchte den Abend doch nicht missen. Fremd und befremdlich, absurd und absonderlich, wunderlich und wundersam. Schön.

Sie spielen im Mai noch einige Vorstellungen. Wer die Zeit findet, möge hingehen. Vielleicht kommt dann mehr Publikum zusammen als an dem Abend letzte Woche, wo gerade mal 16 Menschen den Weg ins Theater fanden.

Gestern Abend in der Schrottgalerie: Susi Weiss / Heinz Dauhrer Quartett – “Traditioneller Swing und New Orleans Jazz”

Nach dem Motto* “Hinein ins Auto und ab in die Provence” fuhren Frau S. aus D. und ich gestern Abend durch blühende Zwiebelturmlandschaften nach Glonn, wo in der mythenumrankten Schrottgalerie Musik gespielt werden sollte.

Und dem war dann auch so. Hinter dem schweren Holzrolltor des alten Stadls Metallskulpturen, die Treppe rauf dann “unser Wohnzimmer” mit viel Malerei (ich nehme das Triptychon mit den Damen vorne rechts) und weiterer Schrott- und Steinkunst an den Wänden, alles schon sehr schön.

Und das Konzert erst. Meine Fresse! Am Piano Susi Weiss, die erste Frau, die ich in einer Jazzband am Klavier erlebt habe (mehr hier: https://susiweiss.com/) und die mich total weggebeamt hat. Richtig, richtig gut, wahnsinnig vielseitig, Vollblutmusikern. Dann am Schlagzeug (Hach, Schlagzeug!) ein Herr namens Hermann Roth (https://www.musikschule-sl.de/hermann-roth), ein Lehrer, der anfänglich einen eher soliden zurückhaltenden Eindruck machte und dann auf einmal in den Soli die drumsticks tanzen ließ, dass alles zu spät war und schließlich the leader of the gang, Heinz Dauhrer (https://heinzdauhrer.de/). Lehrer der Tochter der Frau S. An dem sind mindestens zwei, möglicherweise aber auch drei Alleinunterhalter verloren gegangen – das hätte ich ja nicht so gebraucht, war aber dann schnell versöhnt, weil der alles spielt, das man blasen kann und mit einem Flügelhorn anfing. (Hach, Flügelhorn!) Am Bass der zuverlässige Thomas Laar. Sie spielten sich durch bewährte Jazz-Standards, Frau Weiss überzeugte kurz vor Schluß noch mit dem Vortrag der Moritat von Mackie Messer und der ganze Saal (https://schrottgalerie.de/) kochte vor Begeisterung. Ganz arg scheee und multiple Hachs!

Im Hintergrund schien noch ein Look-Alike-Contest zu laufen, weil: der Galerieerfinden und “Schrotter” Sven Friedel (seit über 20 Jahren der Schuldirektor von Glonn) schaut aus wie eine etwas ältere Version von Michi Altinger und die Stimmen sind quasi identisch. War aber noch nicht alles, weil: der Bandlieder Heinz Dauhrer mit seinem Pigskinhut und dem sehr schiefen Grinsen muss ein Schwippcousin von Woody Harrelson sein. Schließlich diese Dame im Kostüm mit den hackenden Absatzschuhen – der Archetyp einer bayerischen Politikerin. Wie Ilse Aigner. Lag daran, dass sie’s war. Gut, dass die Herren und Damen Musiker und Galeriebetreiber mehrfach und nachdrücklich auf die Bedeutung künstlerischer Erziehung schon im Kindesalter hinwiesen. Vielleicht sagt sie es ihren Politkollegen weiter.

So ein selten schöner Abend. Vielen Dank noch einmal an die gute Frau S., deren Idee das war und die mich darüber hinaus getränkt, genährt und gebettet hat. Hach! Ich darf mit unserem einstimmigen Urteil am Ende des Konzertes schließen: “Da waren wir nicht zum letzten Mal.” Ganz bestimmt nicht.

* Wer das Motto nicht versteht ist einfach zu jung und soll sich doch selbst um seine Horizonterweiterung kümmern, zefix.

Verpasst

Ach, Menno, ein Ladesäulenfiasko habe ich mir schon immer gewünscht. Jetzt isses vom Markt. Aber beim nächsten Fiaskoverkauf, da ruft ihr mich vorher an, gell?

Danke, Internet

Ohne dich hätte ich nie erfahren, dass heute Zwergflusspferdtag ist. Ganz ehrlich? Es hätte mir auch nicht gefehlt…

Auf Stellensuche?

Beim BND ist noch was frei.

Hut ab, das ist originell und selbstironisch. Wenn ich nicht schon fast in Rente wäre…

Some like it hot

Es war, glaube ich, letztes Jahr, als ein kluger Mensch sagte, man werde von nun an jedes Jahr hören, dass das aktuelle das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sei.

Wie dieses Wochenende, mit 30°C Anfgang April.

Ich habe für mich die Badeseesaison eröffnet. Noch kann ich das genießen.

Neulich im Lokschuppen Rosenheim: “HELDINNEN & HELDEN”

Shrek, Herakles, Brian (der von “Life of Brian”), Batman, der (nachfolgend generisches Maskulinum) unbekannte… Soldat, Sanitäter, Kindergärtner, Feuerwehrmann, Polizist (im Zweifelsfall immer richtig: “Rosenheim Cop”), Pilot, Übersichselbsthinauswachsende, Widerstandskämpfer, Lebensretter, Altenpfleger, usw. usf., Che Guevara, Neil und Lance Armstrong, Wonder Woman, Jeanne d’Arc, Trachtman, Siegfried, Willi (aus Biene Maja), Bond, James Bond, Marie Curie (Monsieur Curie findet keine Erwähnung), Ladybug und Cat Noir, Humboldt (Alexander, nicht etwa Wilhelm), Goethe (aber sonst kein Dramatiker oder Sprachwissenschaftler, nicht mal Konrad Duden oder William Shakespeare), Rosa Liebknecht und… Karl Marx (WTF?), Dragman, Mr. Bean, Claus von Staufenberg, die Geschwister Scholl, Georg Elser (der deutsche Widerstand ist mit allen bekannten Namen vertreten, sonst aber keiner, nicht Spanier, nicht Franzosen, nicht Chilenen…), Summer Smith (Superheldin mit, jaha, Übergewicht), Leonidas (der von “This is Sparta!”), die Avengers, en gros et en détail, und so weiter und so fort – alle Helden, irgendwie.

Die ganze Ausstellung ist ein ganz großer Kessel Buntes, wobei immer mal wieder eine Art roter Faden erkennbar scheint, der sich dann aber auch schnell wieder in Luft auflöst. Überall wird man (wofern noch sehr jugendlich) zum Mitmachen animiert, für Erwachsene empfiehlt sich eine gewissene Techaffinität, weil viele Informationen nicht beim Exponat aufzufinden, sondern hinter Barcodes versteckt sind – muss man mögen. Überhaupt, die Exponate. Mit wollte es oft scheinen, als habe man manche einfach unkompliziert beschaffen können und ergo ausgestellt, nach anderen gar nicht erst recherchiert.

Die Zielgruppe scheinen junge Menschen wie der altkluge Zwölfjährige zu sein, der die Ausstellung mit seiner Mama ungefähr im selben Tempo anschaut wie ich. Was hätte ich für einen gut bestückten Pausenraum gegeben, um den an mir vorbeiziehen zu lassen… Vorsatz fürs nächste Mal: immer auch das Kleingedruckte lesen. Dann hätte man es nämlich vorher wissen können: “Helden Ausstellung Rosenheim – Familien Ausstellung”.

Aber es soll keiner sagen, dass ich nicht auch was gelernt habe. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass es Duftbäume mit Che-Guevare-Odeur gibt.

Und falls wer sich abenteuerlustig fühlt und sich nicht schnell vor was graust: es gibt mehr… so viel mehr. Die schrecken vor nichts zurück, die “Duftbaumdealer”. (https://duftbaum.store/)