Früher war “der neue Donna Leon” immer Gesprächsstoff, man musste die jüngste Diogenes-Ausgabe gelesen haben, um dazuzugehören. Irgendwann hat sich das verwachsen, weiß nicht, ob es am Umzug nach Amerika lag oder allgemein an viel los im Leben und außerdem anderem Lesestoff und davon viel. Wurscht.
Nun brauchte ich neulich dringend ein U-Bahn-Buch, leicht, handtaschenhandlich klein und dieser Bücherschrankfund sprang mir in den Beutel und hat mir unerwartet großes Vergnügen bereitet. Zum einen schreibt die inzwischen sehr routinierte Ms. Leon wie der Teufel, der seiner Gallapfeltinte noch ein paar Tropfen Gift beigemischt hat und dann kommen so schöne Sätze heraus wie dieser: “Her mouth was set to spend the rest of its life on earth parted in a small smile, the sort one gives when introduced to the maid’s grandchild” (Mein Versuch einer Übersetzung: “Ihren Mund teilte für den Rest seiner Tage ein kleines Lächeln, so als hätte ihr gerade das Dienstmädchen sein jüngstes Enkelkind präsentiert.”)
Die Geschichte befaßt sich mit Müllschmuggel in Europa, den Verwicklungen der Mafia in dieses profitable Geschäft und den paar wenigen Aufrechten, die was dagegen tun. Genauer: zu tun versuchen.
Das kann man sehr gut lesen und es sei empfohlen. Mein Exemplar ist zu haben.