Mit meinem Gedächtnis bin ich an sich recht zufrieden. Ich kann viele Gedichte und ganze Passagen aus Theaterstücken auswendig, bringe vom Einkaufen mit, was auf dem auf dem Küchentisch verbliebenen Zettel steht, erinnere mich an Geburtstage und andere historische Daten und Ereignisse. Außerdem hat mich eine Laune der Natur damit beschenkt, dass sich Lieder und deren Texte, auch wenn ich sie nur mehrfach irgendwo im Hintergrund gehört habe, mühelos in mein Gehirn einbrennen und dort verbleiben. Mir tun, wie schon mehrfach erwähnt, meine zukünftigen Mitinsassen im Altersheim bereits im Voraus sehr leid.
Aber eigentlich will ich über etwas anderes sprechen, über das ich mir heute Nacht erfolglos ebendieses schlagertextfeste Hirn zerbrochen habe. Bei mir standen alle Türen und Fenster weit offen, mich fror und ich mußte mir eine Extradecke holen. Ich weiß genau, dass es erst neulich glühend heiß war, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie sich das anfühlte.
Möglicherweise ist es mit der Erinnerung an erfahrene Temperatur ähnlich wie mit der Erinnerung an Schmerz. Man weiß, dass man ihn empfunden hat, auch dass er schlimm oder weniger schlimm war, kann das Sentiment aber nicht reproduzieren.
Weiß das wer besser und kann es mir erklären?