Aus der Rentnerei

Einer der schönsten Aspekte des Ruhestands ist das Ausschlafen. Aufwachen, wenn der Traum zu Ende, die Schlafphasen in ihrer von der Natur vorgesehenen Reihenfolge absolviert und der ganze Mensch gern und erholt dem jungen Tag ins Gesicht sieht.

Soweit die Theorie. In Wahrheit wird das lästige Gelärme des Weckers von früher abgelöst durch eine Kakophonie unerbetener Klänge. Im Allgemeinen sind die Guruh-Guruhs die ersten, gurren, flattern und – ich schwöre – furzen sich warm, bevor sie kacken (inzwischen allerdings mehr auf den Nachbarbalkonen). Dann rückt die Engelbert-Strauß-Brigade an und läßt ihre Motoren röhren, als Kontrapunkt piepen Lieferwagen dazu “Jetzt-fahre-ich-rückwärts” und als ob das noch nicht genug wäre, legen die Schüler der nahegelegenen Mittelschule auf dem Weg zu ihrem anstrengenden Schultag auf dem Spielplatz unten einen Zwischenaufenthalt ein und tauschen sich über ihre Erlebnisse des Vorabends aus. Das muss offensichtlich schreiend geschehen, sonst gilt es nicht.

Früher war ich um die Zeit in der Arbeit und habe Rentner noch beneidet…

Es wechseln die Zeiten*

Früher, klagt die Jubilarin (ein halbes Jahr älter als ich), habe man zu ihrem Geburtstag immer eine Schifffahrt (damals noch mit zwei, heutzutage mit drei “F”) unternommen. Nicht in diesem Jahr. Niedrigwasser an der Anlegestelle.

Hmmm. Früher war ich ja immer neidisch auf die Menschen mit Sommergeburtstagen wg. Gartenfest und Poolparty, alles draußen und in der Sonne. Wohingegen an meinem Geburtstag immer Schnee und kalt und Polarbären in den Straßen.

Wenn das so weitergeht, werde ich es möglicherweise noch erleben, wie wir meinen Happy (?) Birthday im Biergarten feiern. Merke: man kann beim Wünschen nicht vorsichtig genug sein!

* Wer das Zitat erkennt und den Satz vervollständigen kann, bekommt einen Taler.