Ka-ah-lonk! Statt weiter hochkonzentriert auf eine langweilige Excel-Tabelle zu starren, lasse ich mich sofort (und voll gerne) ablenken und gehe nachschauen, wer wohl für dieses Geräusch verantwortlich sein könnte, das hier das Balkongeländer vibrieren läßt wie eine Stimmgabel.
Direkt vor mir sitzt eine dicke fette Krähe und schaut mich an, als wäre ich gerade mit Scheiße an beiden Schuhen über ihr vom Personal frisch blank poliertes Parkett gelatscht. Im Angelsächsischen gibt es für dieses arrogante Von-oben-herab-Gehabe das wunderbare Idiom “to look down one’s nose”, wobei hier im Krähenfall die Nase durch den langen Schnabel zu ersetzen ist. Aber hochwirksam, ich bin fast versucht, mich zu entschuldigen, dass ich meinen Balkon betrete und Madames Kreise störe. Keine Ahnung warum, aber die hatte sowas von Maggie Smith als Dowager Countess, dass ich automatisch annahm, sie müsse weiblich sein. Kann mich trotzdem gerade noch beherrschen – hier bin nämlich ich Queen of the Castle und scheuche drum die schwarze Spaßvogeldame in die Lüfte. Sie hebt ab. Ganz ehrlich: ich habe noch nie zuvor gesehen, wie man Flügel dermaßen mit Verachtung schlagen kann.
Andererseits: es hat sich den ganzen Tag keine Taube mehr auch nur in die Nähe getraut. Drüber, drunter, nebenan guruh-guruhen sie, aber nicht auf meinem Balkon. Ist das nun ein gutes Zeichen? Kann man mit der Krähin wohl irgendeine Vereinbarung schließen oder ist sie mehr der Typ Mafiosa und diktiert die Bedingungen?
Ich werde berichten.