Konzertbericht*

Wem es mit klassischer Musik so geht wie mir, nämlich, dass sie zu ihrem Bedauern nicht viel davon versteht, andererseits aber auch den Arsch fürs Selbststudium nicht hochkriegt, um diese Unwissenheit auszumerzen, der ist gut beraten, ein Konzert des Pianisten András Schiff zu besuchen. Sir Schiff nämlich hat einen intrinsischen Lehrauftrag und will, dass die Menschen, die ihm zuhören, verstehen, was sie hören. Und darum unterweist er sie in Musikgeschichte und schult die Öhren, indem er ihnen Beispiele und Ausschnitte (Neudeutsch: “snippets”) vorspielt, bevor er sich in der ersten Hälfte seines Konzertes daran macht, einen Dialog zwischen Bach & Bartók herzustellen, als lägen nicht zwei Jahrhunderte zwischen den beiden Komponisten. Im zweiten Teil bringt er Janácek und Schumann zusammen, wobei letzterer seinen Stücken als Zuschreibung (in der Welt, von der ich mehr verstehe, heißt sowas “Regieanweisung”) so lustige Tempi vorgibt wie “etwas hahnbüchen” oder auch “sehr rasch und in sich hinein” und Sir Schiff erklärt auch hier vorher mit einer Engelsgeduld und gutem Humor, wie das umzusetzen sei.

Ich hätte nicht erwartet, dass mir dieses Konzert soviel Spaß machen können würde. Weil man mich aber etwas gelehrt hat, hat es und ich habe mich über jede der drei Zugaben genauso sehr gefreut wie alle anderen im gestern fast vollbesetzten Prinzregententheater.

 

* Diesen blogpost eine “Kritik” zu nennen, wäre angesichts meines grob lückenhaften Wissens einfach nur vermessen gewesen.

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