Wie jeder gute Kriegsfilm ist Dunkirk ein Antikriegsfilm.
Christopher Nolan kommt mit sehr wenig Dialog aus und läßt seine Bilder sprechen; er übersetzt die großen Schlachten in viele kleine Kämpfe ums nackte Überleben und macht das sehr großartig, auch wenn ich auf die paar Minuten Hollywood-Pathos am Schluß hätte verzichten können. Hansi Zimmer läßt so gut wie ununterbrochen saitenfetzend fiedeln, auch das nicht meins, aber es schadet auch nicht.
Es empfiehlt sich, den Abspann zu lesen. Ein paar der Protagonisten haben Namen bekommen, aber die meisten sind sowas wie French Soldier 1, 2 und 3, ein Irate Soldier, ein Shivering Soldier, Lifeboat Soldier 1 und Lifeboat Soldier 2, ein Furious Soldier und dann noch die militärischen Ränge rauf und runter, bleiben aber anonym in einer anonymen feldgrauen Masse. Nolan rettet eben nicht einen Private Ryan, sondern erzählt eine Episode aus einem Vernichtungskrieg und da ist ihm (und uns, den Zuschauern) jedes Individuum gleich viel und gleich wenig.
Anschauen! Anschauen! Anschauen!
PS: Es scheint sich um eine britische Eigenart zu handeln, dass immer dann, wenn die Marine aus welchem Grund auch immer nicht zur Seenotrettung ausfährt, die privaten Bootleskapitäne ausrücken; s. hierzu auch “The Boat That Rocked” (“Pirate Radio” aus dem Jahre 2009).