Ich bin ziemlich sicher, dass mein Reineclaudenbaum keine Ahnung von Grimms Märchen hat. Bedenkt man ihn nämlich aufmunternd mit den Worten “Bäumchen rüttle dich, Bäumchen schüttle dich…” wird man nicht etwa mit Gold und Silber beworfen, sondern mit reifem Obst. Ich habe von Kopf bis Fuß geklebt und im Geiste schon gesehen, wie sich die Ameisen rundum ihre Lätzchen umbinden, in der irrigen Annahme, noch nie ein sooooo großes Bonbon vernascht zu haben.
Nix da, erst habe ich aufgeklaubt, dann bin ich mit einem Wäschekorb voller Früchte bei den Nachbarn hausieren gegangen, damit sie sich bitte ganz ganz viele für geschenkt nehmen. Mit einem unwesentlich leichter gewordenen Korb habe ich mich dann in den Garten gesetzt und Fruchtfleisch vom Kern gelöst, with a little help from my Sheffield Steel Knife. Eine im übrigen sehr sinnliche Erfahrung, wenn man das Messer durch reifes Obst zieht wie durch reifes Obst…
Dann war meine riesige Emailschüssel übervoll (das ist die, in der ich üblicherweise Kartoffelsalat für 20 Menschen anreiche) und selbst die Waage überfordert, die kann nämlich nur 5kg max. Also habe ich in drei Etappen Marmelade gekocht und wild herumexperimentiert: wenn ein Päckchen Pektin (Gelierzucker habe ich nirgends bekommen) für 3/4 qrt Zucker reicht, wie strecke ich dann die Menge, die ich im Hause habe plus den Zucker auf die Unmgengen Obstkompott, die inzwischen gekocht sind und täusche dabei vor, irgendwie entfernt nach Rezpept vorzugehen? Ich habe es gelöst wie sonst auch, wenn ich koche: noch eine Prise davon, ein Scheibchen von dem, das muss sowieso weg und hier jenes könnte ganz gut dazu passen. Schmeckt immer.
Übrigens, an alle zukünftigen Gäste: ich habe jetzt mehr als 20 Gläser Marmelade vorrätig. Nein, nicht mißverstehen, das ist keine Drohung…