scary

Abends, wenn die Sonne tief steht und die Schatten lang sind, dann flackern die Schlagschatten der oben auf dem Highway 101 dahinrasenden Autos auf den Weg vor mir. Manchmal wird auch die Welt kurz ganz dunkel –  wenn nämlich ein extragroßer Truck sich vor die Sonne schiebt.

Das sind dann die Momente im Leben, wo ich mir einbilde nachempfinden zu können, wie sich ein kleines pelziges Nagetier angesichts am Himmel kreisender Bussarde fühlt.

I’m a Lumberjack

Ich erging mich bei Sonnenuntergang im Garten, die Blümlein und Saaten zu gießen, auf dass der Frühling weiter sein ewiges Gedeihwerk tue, da fiel mein Blick auf einen Baum am Ostzaun, dessen Äste verdorrt in den Abendhimmel stießen. Im Vollbesitz meiner neuen Gartenschere machte ich mich – fest auf den Stamm gestützt – daran, die morschen Äste zu kappen, wobei der Gesamtbaum, von den verrotteten Wurzeln nicht mehr gehalten, sich aus dem Boden löste. Damit habe ich erfolgreich meinen ersten Baum erlegt. Braucht wer Brennholz?

Vokabeltrainer

“flareback” ist nicht nur der Rückstoß einer Waffe, sondern auch der Rückfall – wenn man nämlich wieder hinkt und Dr. Wayne dann sorgenvoll die Stirn runzelt und empfiehlt, doch um Himmels Willen nicht so viel rumzulaufen. In meinem Fall sprechen wir hier von ca. einer halben Stunde am Tag. Insgesamt. Wenn nicht unvorhergesehene Lauflust dazwischen kommt. Clash of Cultures – er findet alles übertrieben, was über den Weg vom nahgelegenen Parkplatz bis zum Ziel hinausgeht.

Übrigens: dies ist Eintrag Nr. 200. Danke fürs Durchhalten.

Cash Management

Meinen Glückwunsch dem Treasurer des Bundesstaates Kalifornien! Er war unverfroren genug, mir einen Brief zu schicken, in welchem er bedauert, dass man mir leider meine Tax Return nicht via Direct Deposit aufs Konto überweisen könne, weil meine Angaben zur Bankverbindung nicht stimmten. Aber keine Panik, man werde mir selbstverständlich einen Scheck schicken, das daure auf dem Postweg wahrscheinlich so ca. sechs Wochen (ich frage mich, was der Scheck unterwegs so treibt, er wird aus Sacramento versandt, das sind unter 100 Meilen Luftlinie). Bei Unklarheiten soll ich auf keinen Fall seine Behörde anrufen, sondern meine Bank. (?!?) Oder mit dem Busschaffner sprechen, der weiß wahrscheinlich genauso viel.

Die Feds waren imstande, die Rückzahlung im versprochenen Zweiwochenzeitraum zu veranlassen – und ich habe bei der Online-Erklärung seinerzeit die Kontonummer nur einmal eingegeben.

Honi soit qui mal y pense…

brennende Klos (US Unfug, die erste)

In der “Titanic” gab es zu Zeiten eine von mir hochgeschätzte Kolumne “Dokumente deutschen Schwachsinns”. Ab heute wird es im flockblog zu jeweils gegebenem Anlaß Artikel zu “US Unfug” geben.

Hier in San Francisco gehen regelmäßig Klos in Flammen auf (nein, das liegt nicht am hohen Anteil mexikanischstämmiger Bevölkerung), und der Examiner berichtet im Brustton wachsender Entrüstung über jeden einzelnen Anschlag ganzseitig mit Bild des verschmurgelten Opfers. Ein strahlender Held hat nun endlich den Kampf aufgenommen und bietet auf der Titelseite jeder in San Francisco erscheinenden Tageszeitung $5,000.00 Belohung an. Und im folgenden zitiere ich nun einfach nur noch die Rückseite unserer hiesigen Blätter.

“Somebody is torching Porta-Potties in San Francisco (mit Photo eines armen unschuldigen blauen Dixi-Klos). We’re not going to take that sitting down!

Nearly 30 porta-potties have been set ablaze in the city. To help the community flush out the Toilet Torcher (ganz wichtig, dem Feind einen Namen geben), the Clorox Family of Toilet Products and the San Francisco Mayor’s Office of Criminal Justice have joined together. We’re offering a $5,000 REWARD for information to arrest of those responsible. Let’s ensure all toilets are safe and clean.

For more information go to:
Call 415.575.4444 (anonymous arson hotline)
Facebook fan page: FlushArsonist
Twitter: @FlushArsonist”

(Und unter einem Bild der Clorox Family of Toilet Products – im Zentrum die WC-Ente – wird abschließend formuliert:)

“Toilet Bowl of Rights

  • Right to be clean
  • Right to be sanitary
  • Right to smell fresh
  • Right to not be set on fire”

Selten so eine Gratwanderung im Product Marketing gesehen. Leider abgestürzt.

Coffeeshop start-ups

sind zur Zeit der neueste Renner im Silicon Valley; der Unternehmer arbeitet im Kaffeehaus mit nix als Mobiltelefon, Laptop (freies WiFi nutzend), virtuellen Servern und Caffee Latte.

Unser Büro-Internet war heute tot, wollte sich weder neu starten noch auch nur an”pingen” lassen – also sind wir alle Mann zu Krystie umgezogen, um wenigstens ein bißchen Arbeit getan zu bekommen. Meins wäre es auf Dauer nicht, aber so mal für ein paar Stunden war’s ganz lustig. Die gute Stimmung verging allerdings, als die Herren von Comcast so gar nicht auftauchen wollten. Also schon mal gar nicht zwischen 12:00 noon und 04:00 p.m. Obwohl ich mehrfach angerufen hatte, und immer wieder von immens freundlichen Leuten beim Customer Support den Termin “definitely” bestätigt sowie neue Ticketnummern bekam (mir hätte ein lebender Techniker gereicht) – aber erst, nachdem jeder einzelne versucht hatte, das Ding remote wiederzubeleben. Jeder zwei mal.

Kurz nach 4:00 ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe nach dem Supervisor verlangt, der mich ausgesucht freundlich mit der Esacalation Hotline verband. Die haben mir ebenfalls versichert, dass mein call very important für sie sei (sogar auf spanisch) und die Dame, die ich dran hatte, hat, nachdem sich der zweimalige Versuch, remote zu starten als nicht erfolgreich erwies, mir zugesichert, dass binnen 20 oder 30 Minuten oder so jemand auftauchen werde.

Dann kam er, Aquiles (“wie die gleichnamige Ferse”) und versuchte sich ebenso zunächst an einem Neustart. Denn alle Gerätelichter leuchteten, wie es der Vorschrift entsprach – am Modem konnte es ja gar nicht liegen. Er hat gestöpselt, gemessen, an Kabeln gezuppelt, telefoniert, getan, gemacht und Anekdoten aus dem Leben eines Comcast-Technikers erzählt – und das Drecksding reagierte auf nichts.

Eine weitere Stunde später tauschte er es dann doch aus und – Heureka – wir haben wieder Internet. Und ich hab seine persönliche Telefonnummer – selbstverständlich nur für den Fall, dass wir mal wieder Probleme mit den Comcast-Dispatchern haben sollten.

Aus meinem Briefkasten

Heute erreichte mich ein Brief mit der Überschrift (alles in unterschiedlichen WordArts gesetzt) “PRESIDENTS‘ (patriotisch-blau) STIMULUS (südstaaten-rot) PACKAGE (rasengrün) EXTENDED (todesschwarz)”, mit dem Versprechen auf 50% Discount und das Erlassen der Opening/Closing Fee. (In dem Zusammenhang eher irritierend…) Denn auf Seite 3 gehts dann mit bunten Bildern zur Sache: man soll eine Grabstätte kaufen, in den Hillside Gardens, im Magnolia Mausoleum, entweder “single” oder “tandem”, denn “We’re never promised tomorrow! Only Today! CALL NOW! Tomorrow may never come!”

Die Auswahl ist mannigfach: “Single Crypt” gefällig? Oder doch lieber “Companion Crypts (side by side), Westminster Style, Tandem”? Es gäbe auch das “Walk-in Mausoleum” (ich glaube, ich warte doch lieber auf die Drive-in-Variante) oder ein traditionelles Grab mit “one space converted to double depth”. Und wer sich für Kremation entscheidet, kann ankreuzen, wo die Asche verteilt werden soll: “Scattering on land, at sea, ossuary, garden, other.”

Ein bisschen Angst macht mir, dass die Herrschaften von Cypress Lawn für mich schon eine Vorauswahl getroffen zu haben scheinen: auf jedem Blatt steht der handschriftliche Vermerk: “L7. Unit 8.”

Laßt mich bloß zufrieden! Ich bin Schwabe und mr kaufet nix, schon gar nicht im voraus!

Weder Zuckerstückchen noch Schalen voll Milch…

habe ich für Heinzelmännchen oder Kobolde auf der Fensterbank verteilt, dennoch war am Freitagabend, als ich vom Büro zurückkam, der Rasen in meinem Vorgarten gemäht, alles zusammengerecht und in die Gartenabfalltonne verbracht worden. Ich bin ja nicht so leicht sprachlos zu bekommen, aber da war ichs.

Heute habe ich investigiert und mein Nachbar Francisco hat sich als Mäher geoutet. Er wäre dran gewesen, seinen Rasen zu mähen und Samuel von gegenüber habe auch gerade mit dem lawn mower hantiert und da hätten sie sich gedacht, sie könnten doch den beiden Nachbarinnen eine Freude machen. Samuel hat den Vorgarten der Dame neben mir übernommen und Francisco meinen – ich finde das sehr rührend und bin vorhin gleich mit einer Riesentafel Schokolade nach nebenan gegangen, mich zu bedanken. Das amerikanische Äquivalent zu “des wär doch ned nötig gwä” heißt “you did not need to do that” und ich habe ganz schlagfertig reagieren können mit “you didn’t either” und habe wahrzeitsgemäß erzählt, dass ich nachmittags im Internet nach einem Rasenmäher recherchiert hatte. Wir sind übereingekommen, dass, wenn es bei mir schon reicht, nur an etwas zu denken, um es zu bekommen, ich doch das nächste Mal ein großes Vermögen bedenken sollte. Wenn es klappt, werden wir teilen…

“Instant Home”

verspricht das Möbelgeschäft auf San Brunos Avenue: “20 pieces of furniture” für gerade mal 1.399 Dollars.

Man muss aber schon sehr amerikanische Gene haben, um diese Trummdingermöbel zu mögen und nicht unwillkürlich drüber nachzudenken, ob man das Ganze nicht für günstiger und in wesentlich hübscherem Design auch bei Ingvar in East Palo Alto bekommen könnte…

(Als inzwischen fluent in Ikea kann ich euch versichern: man könnte!)