Wahlkampf

In Kalifornien wird im nächsten Jahr ein neuer Gouverneur gewählt werden (Arnie darf nach 2 Amtsperioden nicht mehr zur Wahl antreten und die “Lex Schwarzenegger” ist nicht durchgegangen). Der Wahlkampf, es gibt auch hier innerparteiliche Vorwahlen, hat schon begonnen. Für die Demokraten kandidiert, unter anderem, der derzeitige San Franciscaner Bürgermeister, Gavin Newsom (mit Unterstützung (Bill) Clintons). Am präsentesten zeigt sich zur Zeit Meg Whitman, die bei den Republikanern mit einem komfortablen Vorsprung führt; dieser Spot läuft wenigstens zwei mal stündlich im Radio: http://www.youtube.com/watch?v=el2E3RA9Yrc

Ich glaube ja, gegen Meg war Magaret Thatcher ein Lämmchen.

Happy Hour

Während ich gerade meine Einkäufe im Drugstore bezahle, stürzt eine Dame im weißen Kittel aufgeregt auf mich zu: Ich sei ja so ein Glückspilz! – Wie? Was? – Ja, am Wochenende sei doch Columbus Day. – Und wenn er Amerika nicht entdeckt hätte, wäre ich nicht hier, oder was? – Und ohne Punkt und Komma gings weiter, heute sei ja auch Donnerstag, ich käme gleich dran, hätte auch nur noch 10 Minuten zu warten. – Wie warten? Worauf denn? Ich habe eingekauft, bezahlt und möchte gehen. Zudem war mir bereits bekannt, dass heute Donnerstag ist (es gibt schließlich eine Katze, die an Donnerstagen immer (immer noch) adoptiert werden will) und wenn ich wissen will, wie spät es ist, schaue ich auf die Uhr. – Nicht doch. Heute sei Happy Hour. – Wie? Was? Warum? Ich habe keinen Durst und bin überdies mit dem Wagen da und will keinen Alkohol. – Haha, doch nicht so eine Happy Hour, sondern eine für den Flu Shot. Heute, und nur heute, dem Donnerstag vor C-Day,  gibt’s traditonell seit Anbeginn der Welt bei Walgreen’s zwischen 9 und 10 Uhr abends zwei Grippeschutzimpfungen zum Preis von einer. – Aber ich will doch gar keinen Flu Shot. Ich habe Besuch und will nach Hause. Außerdem bin ich allein hier. Wie soll das gehen? Gibts in so einem Fall dann einfach 2 Spritzen, eine rechts, eine links, oder wie? Und wie gesagt: ich halte nichts davon und ich  brauche keine Imfpung. – Ganz egal, ich müsse das so sehen, das sei ein Schnäppchen: “One shot is totally free.”

Ich bin wirklich ein Glückspilz, denn es erschienen wahrhaftig Impfwillige und sie hat mich, wenn auch mit völligem Unverständnis, ungespritzt ziehen lassen. Ich glaube, das ist ein grundsätzliches interkulturelles Problem: unbenommen davon, ob man Bedarf hat, oder nicht, ist es hier ein Sakrileg, ein Sonderangebot nicht zu akzeptieren. Wenn es zwei Gallonen Milch zum Preis von einer gibt, hat man beide zu nehmen und lieber eine später verdorben wegzuwerfen, als laut zu sagen, dass einem eine reicht. Damit macht man sich verdächtig.

Ich möchte gar nicht wissen, auf welchen Schwarzen Listen ich schon stehe. Wehe, wenn Konsumverweigerung dereinst ein Straftatbestand wird.

Gerade auf der Straße

Zwei der hiesigen Schnattergirlies reden laut und wild gestikulierend gegeneinander an (ich bin immer wieder versucht, in solchen Situationen zu sagen, “erzähl’s nochmal, aber ohne Hände”), als ein drittes dazukommt, eben ihr Handy wieder in das an der Handtasche bamselnde pinkfarbene Glitter-Handytäschchen zurückstopfend.

Erwartungsvolle Frage, mit Armen und Beinen hampelnd: “And? What did he say?” – Lakonische Antwort: “Hi, this is Mark. Leave me a message.”

Gemeinsam eng untergehakter Abgang nach rechts.

The Great California ShakeOut

Am 15. Oktober übt Kalifornien Erdbeben:

“At 10:15 a.m. on October 15, millions of Californians will drop, cover, and hold on in the largest earthquake drill ever. Click one of the buttons at right to register today, and then get ready to ShakeOut!” Natürlich habe ich auf den Button für “Individuals and families” gedrückt und mich angemeldet. Man hat mir versprochen, mir fortan täglich Erdbeben-e-mails zu schicken, habe sicherheitshalber einen neuen Account dafür angelegt (“shake42@…”). Ich werde euch auf dem laufenden halten, hier erst mal das Trainings-Video.

http://www.shakeout.org/downloads/broadcast/ShakeOut_Drill_Broadcast_English_Video_Web.mov

shake

“You’ll be sorry!”

Wenn ich diesen Jingle der Video Company noch einmal höre, dann beiße ich ins Autoradio. In den Spots wird damit geworben, dass die Video Company die größte Auswahl an Fernsehern und Kameras etc. habe, und kein anderer in Punkto Qualität und Preis mithalten könne. Wenn ein Kunde wirklich woanders einkaufe, sei er – weiß Gott – selbst schuld.

Und dann singt ein gemischte Chor mit aller menschenmöglichen Häme in den Stimmen: “You’ll be sorry…”

Herr Kaiser

heißt hier Mr. Lee. http://www.farmersagent.com/jlee7/

Heute habe ich bei der Farmer’s Insurance (da ist unser Auto versichert) angerufen, um herauszufinden, was zu beachten sei, wenn jemand anderer als Toni oder ich das Auto fahren.

Wie Jeff schon selbst sagt “this may sound strange to you…”: wenn nämlich der nicht in der Police stehende Fahrer im selben Haushalt lebt und/oder gar in einem verwandtschaftlichen Verhältnis steht, dann ist er nicht versichert. Handelt es sich hingegen um einen wildfremden Menschen, also, wenn ich das Auto jetzt zB an ihn, Jeff, ausleihen würde, dann wäre er, Jeff, und auch jeder andere wildfremde Mensch “covered”. Warum? Ach, er habe da schon so viel erlebt… beispielsweise Männer mit einem “record for drunken driving”, deren kreuzbrave stocknüchterne Gattinnen das Auto anmeldeten und dann doch die Suffköppe fahren ließen. Oder die Sechzehnjährigen (mit 16 darf man hierzulande den Führerschein machen, mit 21 Alkohol trinken). Also nicht alle, manche seien “reasonable kids with reasonable parents”, aber die anderen. Wettrennen veranstalten, betrunken fahren oder gar drogenberauscht – “kids with a new toy”…

Zum Glück habe ich Karin seinerzeit nicht adoptiert, wir können uns also beim Autofahren auf unserem Trip nach Yosemite (am Freitag gehts los) abwechseln.

Railroad Bill

Mir war auch so, als pfiffen die Caltrains lauter als noch vor einiger Zeit – andererseits hätte es natürlich auch sein können, dass das sensible Gehör meines derzeitigen Gastes mir den Lärm erst wieder ins Bewußtsein gerufen hat. Die “Horns” klingen nämlich wirklich wie Ozeandampfer im größten vorstellbaren Waschküchennebel. Jetzt wissen wir endlich, woran es liegt (ich zitiere aus der e-mail einer nicht genannt sein wollenden sächsischen Quelle):

“Ich glaub’s ja erst, wenn ich nix mehr hör: http://caltrain.com/news_2009_10_06_horn_noise.html“

“SUBJECT: Recycling Schedule & Our Dogs”

Manchmal hätte ich echt gerne die Sorgen anderer Leute…

Heute bekamen wir ein Memo mit Ergänzungen zur Hausordnung. Im folgenden my best pick:

DOG DAYS

We love your dogs and welcome the joy they bring into the building.  Outside the building it is another story.  As a quick solution to accommodate the needs of pet owners to pick up after their dogs, a small trash bin (now an old five gallon paint bucket) is located with a small supply of plastic bags by the planted camellias.

Please put all dog waste into a plastic bag, tie it securely to close the bag & place in the trash bin.  The bin will be placed outside from 9:00 a.m. until 5:00 p.m

Kalifornien mit Besuch

Eigentlich kann ich vom Sonntag gar nicht viel Spannendes erzählen, außer, dass wir uns alle Mühe gegeben haben, Karin die Schönheiten Kaliforniens zu zeigen. Treue Leser kennen sie längst alle:

– die Old La Honda Road (sehr aufregend, weil es in der Nacht davor gestürmt hatte und überall noch viel Windbruch die Fahrt auf dem Sträßlein zum Abenteuer machte)
– den Highway Number One am Pazifik lang nach Süden (das ist immer wieder schön, dieses Mal mit vielen Drachensteigenlassern auf den Stränden, vor stahlblauem sonnigen Herbsthimmel und aufgewühltem gischtigem Meer)
– der Seventeen-Mile-Drive (das ist da, wo einem der Parkranger eine Karte schenkt, auf der steht, wo man an den 21 sehr ausführlich beschriebene Stationen gucken soll und was man dann da sieht. Am besten gefiel uns die Gruppe, die wohl einem Mißverständnis aufgesessen war: sie wollten die Route in ihrem Cabrio in 17 Minuten schaffen. Also an den Parkplatz ‘rangesaust, quer zum Motiv gestellt (mit laufendem Motor), der vom Rücksitz stand auf, machte das Photo und wurde dann beim Anfahren wieder in den Sitz zurückgeschleudert… sehr nett, das)

Ich habe natürlich auch Bilder gemacht. Gucken? http://picasaweb.google.de/mucbiene/17_Miles_Drive?feat=directlink