Es wird Herbst

Woraus ich das (vom Blick in den Kalender abgesehen) so messerscharf schließe? Ganz einfach, die nächste Invasionswelle Ameisen bricht ins Bad ein (mit Wohnzimmer und Küche sind sie durch). Heute morgen krabbelte mir die Vorhut über die Zahnbürste entgegen, ich vermeinte, sie halblaut “invest, invest, invest” murmeln zu hören.

Doch dieses Mal bin ich gerüstet. Ich habe die erste der guten deutschen Qualitätsfallen (danke, Karin) neben dem Duschkopf appliziert. (Der ist so unqualifiziert in die Fliesen gedemmelt, dass hinreichend Durchschlüpfraum für die Ant-Heerscharen bleibt – doch auch das werde ich am Wochenende ändern und mit der hiesigen rosa Paste abdichten.) Vorhin konnte ich schon an die 30 Leichen wegspülen – der Tod ist ein Meister aus Deutschland.

Angriff der Killertomaten

Ich war am Originaldrehort. Ganz bestimmt. Da, wo die Tomaten besiegt werden. Final.

Der Weg nach Yosemite nämlich führt durch das größte Obst- und Gemüseanbaugebiet, das ich je gesehen habe (halb Amerika wird von hier versorgt). Wir fuhren nach einer Kaffeepause hinter einem mit Tomaten übervoll beladenen Laster wieder auf den Highway, die Auffahrt eine steile Linkskurve. Natürlich prasselten die Tomaten auf die Fahrbahn und wurden platt gefahren. Offensichtlich ist das üblich, die nächsten Kilometer haben wir spontan “The Ketchup Mile” getauft.

Be Bear Aware!

Reisender, kommst du nach Yosemite… dann kommst du dem Bären nicht aus. Entweder auf Warnschildern, oder als ekelige Schnitzerei oder sonstwie versouveniert, zum Beispiel auf Bumper Stickers, hibearbyebearoder angesichts der “bear proof” Mülltonnen, den leuchtend gelben Gedenkmarterln am Straßenrand, wo mal wieder ein depperter Tourist einen Bären totgefahren hat oder dem Touri-Hybrid-Shuttle-Bus, der abwechselnd Fahrziel oder Bärenwarnung in Leuchtschrift anzeigt.

Wir haben keinen einzigen Bären gesehen, dafür aber jede Menge Hörnchen (Chipmunks)  chipmunks-vi (A, B, C – das ganze Alphabet rauf und runter, auch Eich-), Vögel in unendlich vielen Blauschattierungen,  Rehherden, und einmal sogar einen Hirsch im Vorgarten. Und Bäume. Majestätische uralte Sequoias (der älteste ca. 1800 Jahre alt), denen Wetter und Feuer nichts anhaben konnten, und ein paar ganz wenige versprengte Laubbäume. Bei denen ging mir dann auch wieder das Herz auf; sie lassen Licht und Sonne durch und zeigen wenigstens einen Ansatz von herbstlicher Färbung. Das heißt in diesen Wäldern, erst grün, dann hell-, dann dunkelbraun und dann am Boden – Indian Summer gibt es nicht.

Spätsommer schon. Wir hatten das riesige Glück, das letzte schöne Wochenende des Jahres zu erwischen; für Montag war eine Schlechtwetterfront vorhergesagt, mit Sturm, schwerem Regen, in den hohen Lagen Schnee und erste gesperrte Straßen. Für uns war alles geöffnet und so haben wir uns die Mariposa Grove erwandert, an der Wawona Tunnel View yosemite2 mit großer Ehrfurcht Yosemite Valley, El Capitan, die Bridalveil Falls und den Half Dome bestaunt, abseits von den Hauptwegen in Flußtälern gepicknickt, mit Freude zur Kenntnis genommen, dass (nachdem es vor zwei Wochen schon einmal geregent hatte) der eine oder andere Wasserfall nicht nur ein moosiger Streifen an der Felswand war und uns viel draußen an der frischen Luft bewegt. Es sei denn, wir kamen durch die Gebiete, in denen es vor ein paar Wochen Feuer (wild oder kontrolliert) gab, dort hing der Brandgeruch noch sehr fest.

Außerdem haben wir gelernt, dass die Parkpolizei mit “oh Ranger” anzusprechen sei, wenn man denn eine Frage zum Wohlverhalten in der Natur hat. parkranger Wir erwägen, uns um eine Position als “Junior Ranger” zu bewerben: http://www.nps.gov/yose/forkids/beajuniorranger.htm

Ich hatte gleichermaßen Muskelkater in Armen und Beinen, ersteren vom Rumgekurble auf den Paßsträßchen, letzteren vom ewigen auf und ab in den Wäldern – ich fürchte, aus mir wird nie ein echter Waldläufer  (dafür kann ich gut Karl May zitieren) – was habe ich diese Drecksnatur verflucht, wenn’s mal wieder nur bergauf ging. Hat sich aber immer gelohnt, entweder wegen der Aussicht oder der touristenfreien Ruhe. Oder beidem.

Wir haben in diesen drei Tagen eine ungefähre Ahnung von der Schönheit des Südlichen Teils des Yosemite Nationalparks bekommen – und ich habe, angesichts der herrlichen Photos von Ansel Adams den Vorsatz, da auch im Winter mal hinzufahren.

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Wenn ich warme Stiefel gekauft habe.

Nochmal Wetter…

Komm’ ich heute morgen in Izzy’s Coffee Shop und lese beim Warten auf meine Latte den Anschlag am Schwarzen Brett, dass man sich von einem echten Native American, “Chief Swinging Johnson” im traditionellen Regentanz unterrichten lassen könne. Hatten sich wohl ein paar angemeldet, denn es hat ja nun heute wirklich geschüttet und mir war ehrlich ganz Angst und Bange vor der langen Heimfahrt, bei Wind und Wetter auf überfluteten miesen Straßen und mit schlechter Sicht.

Hab’ ich mich umsonst geängstigt: der Regen endete, ein warmer Wind kam auf und hat die Straßen (bis auf die tieferen Schlaglöcher) für den Heimweg trockengeblasen. Mein tiefempfundener Dank gilt den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen des  Trockentanzkurses.

Gute Reise, Karin

Ich hoffe, Du hattest trotz der Sturmfluten einen guten Flug und konntest die yosemitischen Gipfel in weiß sehen. Komm bald wieder (am besten vor der Kur), damit wir uns den Tioga Pass vornehmen können. Es gibt noch viel elendes Rumgekurble zu tun…

Neues vom Shake Out

Ich bekomme von denen, wie versprochen, jetzt täglich eine mail zum Thema “Erdbeben”. Heute war DCH noch mal dran (wir wissen, der Mensch lernt durch stetiges Wiederholen am besten):  http://www.dropcoverholdon.org/.

dch_art

Für die ganz Harten noch ein interaktives Training (Beat The Quake): http://www.dropcoverholdon.org/_flash/ – Zum Glück gibt es hierzulande Duct Tape und Super Glue.

Erinnert sich eigentlich noch wer an die “Duck and Cover” Drills aus den Fünfzigern zum Schutz vor Atomwaffen? Ist doch klasse, dass, was gegen atomare Strahlung nützt, auch bei Erdbeben hilft.

“The weather? The weather is plain ugly!!”

Soweit die Wetterfrau heute früh im Radio, als ich mich über einen überfluteten Highway 101, abgrundtiefe Schlaglochseen und unterspülte Autobahnbrücken gen Süden amphibte.

Seit heute Nacht gibt es richtig heftige schwere Regenfälle, bei einem Temperaturabfall um 40° (F). Ganz Kalifornien dreht durch und benimmt sich wie im Ausnahmezustand, ankommende Flüge haben mindestens 3 Stunden Verspätung, ausreichende Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln wird dringend angeraten. (Dagegen reagieren die Münchner auf den ersten Schnee des Jahres vergleichsweise souverän.)

“If you can’t see what you’re looking for, you’ve come to the right place”

… so wirbt der Optiker unten im Haus. Fand ich einladend, wo ich doch zum Lesen des Schildes eh schon die Augen zusammenkneifen mußte…

Shawna hat die Sehkraft jüngst getestet und für schlechter befunden, Tiffany hat mich bei der Auswahl der Brillenfassung beraten und gemessen und gemacht. Ich habe entschieden, dass das beste an Gläsern und Brillenmodellen für mich gerade gut genug ist und sollte mich jetzt wohl mal nach einem Nebenjob umsehen… Gutes Sehen ist auch hier respektabel teuer.