Wir sind umgezogen

In den gut fünf Jahren, die ich jetzt in Amerika bin, ist das der dritte Umzug meiner Firma; Start-ups sind einfach keine seßhaten Naturen. Weil wir gewachsen sind, war bei jedem neuen Umzug die Organisation des Ganzen etwas aufwendiger und ONEBIGMANANDONEBIGTRUCK* hatten mehr Möbel und Kartons von hier nach dort zu bringen. Wie bei jedem Umzug bin ich dem Irrglauben erlegen, daß der härtere Teil der Auszug ist…

Am Einzug arbeiten wir noch: der Elektriker hat ein paar wichtige Kabel nicht gelegt, der Internetprovider kann uns frühestens Montagnacht online bringen und bei aller Anstrengung, die unser Team in das Wiederzusammenschrauben der Tischgestelle (natürlich tauchte das eine Tütchen mit fehlenden Schrauben in dem Moment auf, als die Ersatzschraubenbeschaffer gerade vom Baumarkt zurück waren), Legen von ein paar Kilometern Kabel und Rumschleppen von Zeugs gesteckt hat – alles läßt sich einfach an einem Freitagnachmittag nicht schaffen. Nevermind. Uns bleibt der internetlose Montag zum Weiterwerkeln und Weihnachtsurlaub wird eh überschätzt…

Während des Umzugs habe ich für die abwesenden Mitarbeiter mit vielen Bildern life getweetet:
moving crewAm Donnerstag:
– “You don’t know what you’re missing ;-)” (Alles wirbelt, wickelt, holt von Wänden, legt noch eine Schicht Bubble-Wrap auf, packt und zerlegt; der Sound von Akku-Schraubern und Flüchen liegt in der Luft)
– “The moving crew is headed out for dinner now…”

Am Freitag:
– “We’re on the move…” (da kam der Truck gerade an)
– “Empty rooms” (und da war er knapp 2 Stunden später abgefahren)
– “That’s it – Bye Bye Florence” (Licht ausgemacht und abgeschlossen)**
– “And we’re here to stay!” (mitten ins Chaos im neuen Büro das Firmenbanner aufgestellt und abgelichtet)
– “Want a new Key card? – Come and get it!” (20 Schlüsselringe mit dem Daumennagel aufgeknackt)
– “New office: A home for modern Art!”(s. ***)
– “Looking forward to a long long night….” (spät am Freitag und noch viel zu tun)
– “Office – Move: latest news” (später am Freitag und zu müde, um weiterzumachen)

* Beim ersten Mal habe ich diese moving company noch ausgesucht, weil sie bei wettbewerbskompatiblen Preisen einfach den hübschesten Namen hatten. Inzwischen kennt und mag man sich und ich möchte die Jungs bei meinen Umzügen nicht mehr missen.

** Dazu der Gastbeitrag eines hochgeschätzten Kollegen:
‘Eloge auf eine Garage’
(Ja, unser Büro war in einer Garage. Hey, start-up im Silicon Valley – what did you expect?)
 I will miss the bad air quality, jet engine exhaust for HVAC that formed our own special Bay Area micro-climate.
Oh and the car alarms, can’t forget the car alarms and then there was the Thursday night Bingo and dancing****, or was it dancing bingo…meh…
fare thee well little office of 12 garbage dumpsters (one for each day of Christmas) and crack smokers to greet me in the morning. I will long for the jarring slam of a manhole cover announcing the pass through of a vehicle – the louder the clang, the bigger the vehicle.
It wasn’t the place that made us, it was the people and we can make any place fun and that’s what we did and we got a LOT done. Have a very Happy Holiday Season and let’s kick some ..shut yo mouth… next year. And yes, let’s have one hell of a time doing it. Peace and Blessings.

*** Mein Photo von dreiviertel aufgebauten Tischgestellen hat einen anderen Kollegen zur Bildbearbeitung inspiriert:

Move Art

**** Über unserer Garage liegt, nein, nunmehr lag der “Dining Room” der Freimaurer und die hatten jeden, JEDEN Donnerstag eine Tanzveranstaltung mit ganz viel Tische- und Stühlerücken im Laufe des Nachmittags und pünktlich wie alle Maurer an 17:00 Uhr begann schlechte Musik, schlecht ausgesteuert. Da die Veranstaltung vor allem auf die älteren unter den Tempelmitgliedern abzielte, schwangen auch viele Gehbehinderte wenigstens ein Tanzbein, was dem Taktgefühl der unter ihnen am Computer arbeitenden Menschen böse Verletzungen zufügte.

Ja, diese Tischzerrgequietsche und den anschließenden Humpeltanz werde ich wohl am meisten vermissen…

Auf dem Wunschzettel des HNO*-Arztes

Football ist bei den Stadionbesuchern in der NFL eh Nebensache. Man steht für Hotdogs, Garlic Fries und Bier an, läuft rum, shoppt im Vereinsdevotionalien-Shop, stellt sich in die Klo-Schlange, geht auch noch mal zum Auto oder bleibt gleich auf dem Parkplatz und grillt mit den Kumpels, während man das Spiel im Radio hört. Als neueste Attraktion brechen die Fan-Clubs unter dem Motto “Proud And Loud” Brülljubeldezibelrekorde. Aktuell ist der Bestwert irgendwas um die 137 Dezibel. Man muß es nicht verstehen.

Allerdings bin davon überzeugt, daß Ohrenärzte in den Heimatstädten des Clubs, der die 140 Dezibel-Marke schafft, gegen Vorlage der Eintrittskarte besonders günste Trommelfellreparaturen für die Schreihälse anbieten.

* hierzulande ist die Reihenfolge absteigend, der Doktor heißt ENT (Ears Nose and Throat)

Heimkehr der Heldin

So, noch schnell Schwimmskort, Tankini, das dünne Neoprenjackerl, die 3mm-Neoprenweste und… nein, das wars, mehr Lagen brauche ich hier zum Turnen im Freibad im Dezember nicht… Wo war ich? Genau, die ganzen nassen Schwimmklamotten und Handtücher DRAUSSEN bei sonnigen 12°C und milder Brise aufhängen und eine Stunde “Country Christmas”-Gedudel von American Idol Kelly Clarkson aus den Ohren waschen – und schon fängt der faulere Teil des Restwochenendes an.

Was man halt so faul nennt; es inkludiert ein gerütteltes Maß an wirklich nötigen Hausarbeiten sowie Grocery Shopping. Aber morgen dann… ganz bestimmt!

Departures, schon wieder

Toni hat das geschickt gelöst und einen Mittagsflug genommen. Statt traurig vom Flughafen wegzufahren, konnte ich ihm einfach “Gute Nacht” sagen und als ich am nächsten Tag von der Arbeit zurückkam, war das Gästezimmer leer und Toni in der Luft und bald auch schon in Sachsen.

Hab eine schöne Zeit und komm heil wieder!

Fa la la la la, la la la la

Es dudelt. Allerorten. Rudolf und Klingeglöckchen und letzte, vorletzte und vorvorletzte Weihnachten. Keine Gnade. Kein Entkommen. Es dudelt. Aus Notwehr laufen seit Anfang Dezember im Auto nur noch Podcasts, Hörbücher und NPR (National Public Radio, ein für hiesige Verhältnisse linker Nachrichtensender), garantiert dudelfrei.

Bis heute morgen, wo die Morgenredaktion von NPR nix besseres zu tun hat, als zum fröhlichen Fa la la la la-“Singalong” aufzurufen, und das vielstrophige Lied von “Deck the halls with boughs of holly” komplett vorzutragen. Auf daß die geneigte Hörerschaft wisse, welcher Text in welchem Tempo und welcher Tonlage als MP3 einzureichen sei, damit man die Einsendungen abmische und zu einem riesigen gemeinsamen Chor vor die Weihnachtstage zusammenbastle.

“Follow Us In Merry Measure”… von wegen. Ach, NPR, warum hast du mich so schmählich verraten?

Was schenkt der Dentist?

Frau Dr. Shabnam vom Veterans Boulevard schickt eine Handvoll Coupons, zum Beispiel einmal Röntgen für nur $24.00, ein Bildchen von ihrer neuen Cerec Machine, mit der sie Kronen jetzt gleich vor Ort in der Praxis selbst macht (keine Ahnung, warum ich dabei an Töpfern in der Toskana denken muß) und fragt alle Empfänger: “Are You Dreaming of a White Christmas?”.

Falls ja, verschenkt sie Teeth Whitening für umme.

Geschenktip (für Kinder, die man nicht mag und/oder deren Eltern man nicht leiden kann)

ted cruz vorneted cruz rückTed Cruz, Hardcore-Tea-Party-Republikaner (das ist der, der mit seinem ewiglangen Filibuster vor ein paar Wochen letztendlich den jüngsten Shut-down herbeigeführt hat) ist der Held in “Ted Cruz to the Future – Comic Coloring Activity Book”.

 

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tea partySollten Geschwister vorhanden sein, kann man denen mit dem “Tea Party Coloring Book” und “The Tea Party II: Why America Loves You! Coloring Book” bestimmt eine große Freude machen.

Bei Nochmehrkindfamilien (in konservativen Kreisen nicht ganz unüblich) empfiehlt sich das Werk “Help! Mom! There Are Liberals Under My Bed!” (This full-color illustrated book is a fun way for parents to teach young children the valuable lessons of conservatism. Written in simple text, readers can follow along with Tommy and Lou as they open a lemonade stand to earn money for a swing set. But when liberals start demanding that Tommy and Lou pay half their money in taxes, take down their picture of Jesus, and serve broccoli with every glass of lemonade, the young brothers experience the downside to living in Liberaland.)

Veggie-Day, anyone?