Ich steige an der zweiten nach der Endstation zu, trotzdem ist in der U-Bahn kaum mehr ein Sitzplatz frei (und außerdem tragen fast alle Tracht und die Luft ist geschwängert mit zu viel moschushaltigem Parfüm… Drecks-Oktoberfest!). Ich setze mich in den Vierer zu drei jungen Mädchen (jetzt sind die beleidigt), hmmm, jungen Damen (jetzt ist es mein Verstand), hmmm, gut, ich habs: weiblichen Heranwachsenden.
Das Trio trägt das Haar lang und offen, die Nägel lang und bunt bemalt, die Gesichter flächendeckend dick geschminkt, außerdem viel Modeschmuck und sonstiges Bling-Gebamsel. Sie sind, so scheint es, ins Gespräch vertieft. Die Wortführerin hadert nämlich mit ihrem grausamen Geschick: sie habe sich so behindert beeilt, aber weil der Typ am Schalter so behindert lahm gewesen sei, müsse sie morgen noch mal da hin. Behinderter gehe es ja wohl nicht?
Kinder (jetzad, das triffts), wenn ihr verstärkende Adjektive braucht, dann nehmt doch so was wie krass oder voll, die haben sich bei Generationen von jungen Menschen vor euch gut bewährt. Oder erfindet was neues. Aber viel schlimmer als den Begriff “behindert” so zu mißbrauchen geht es fast nicht.
Mann, bin ich froh, dass ich jetzt schon aussteige und dieses Gekeife hinter mir lassen kann.