Gelesen: Dietmar Pieper – “Trümmertänze: Deutschland 1946 – 1955”

Was dem Jähner seine “Wolfszeit” (s. https://flockblog.de/?p=52549) sind dem Pieper seine “Trümmertänze”, will heißen: beide Herren befassen sich mit der Dekade nach dem Kriegsende in Deutschland.

Wo Jähner unter Themenüberschriften leicht faßbares Wissen vermittelt, vermengt Pieper unterschiedlichste Nachkriegsbiographien wie die von Joseph Neckermann (SS-Offizier, Arisierer, Kaufmann; nach 45 entnazifizierter regierungsnaher Kaufmann), Anneliese Uhlig (aufstrebende Schauspielerin bis Goebbels wohlwohllender Blick auf sie fiel; nach 45 “Amiliebchen” und später Journalistin), seine eigene Mutter (Tochter eines Nazilehrers; nach 45 Ausbildung und schließlich Ehefrau und Mutter), Marion Gräfin Dönhoff (ostpreußische Gutsherrin; nach 45 Chefredakteurin der ZEIT), aber ostdeutsche Biographien wie die der Tänzerin Gret Palucca, der DDR-Justizministerin Hilde Benjamin und des der letzten Vorsitzenden des Ministerrats der Deutschen Demokratischen Republik Hans Modrow und viele mehr.

Jedes Jahr stellt er unter eine Überschrift und stellt ihm einleitend Auszüge aus einer maßgeblichen Rede voran, deren Vortragende vom Kölner Kardinal Frings über Adenauer bis Heuss reichen und informiert über die wesentlichen Ereignisse in einer Art Ticker-Chronik. Ganz anders als Jähner, aber nicht minder interessant und ebenso leicht und gerne zu lesen.

Ich habe das Buch mit großem Gewinn gelesen und kann es nur von Herzen weiterempfehlen. Lesen! Lesen! Lesen!

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