Neu zum Strömen: “Agatha Christie’s Seven Dials”

Ideale Voraussetzungen: Für die weibliche Hauptrolle wurde eine Schauspielerin (Mia McKenna-Bruce) gefunden, mit einem zuckersüßen Gesichtchen und einer breiten Auswahl frech-verschmitzter Mimik, außerdem mit einer Physiognomie fürs ideale Kleiderpüppchen für den Look der Roaring Twenties (inklusive Hüte) und von der Autorin mit dem reizenden Spitznamen “Bundle” ausgestattet (für alle anderen “Lady Eileen”). Für die Rolle ihrer Frau Mama, einer sehr unkonventionellen Aristokratin mittleren Alters, konnte Helena Bonham Carter gewonnen werden, die dergleichen lässig und quasi im Schlaf spielt, als hätte sie seit Jahren nichts anderes getan (hat sie nicht). Und, holla: Martin Freeman, dessen Superintendent Battle von Scotland Yard sich in der Welt des alten Adels und der neuen Reichen wacker zu schlagen und dafür den schönsten lakonischen Text bekommen hat. Dazu noch eine Kollektion gutaussehender junger Männer sowie schöne Landschaften, Gärten, dienstbotenbestückte Anwesen, Kapuzenkuttenverschwörer und ein Zug mit Dampflock. Fertig ist das Genrestück.

Leider sind die Macher auf den Miniserientrend hereingefallen. Statt mit dem Material und der Besetzung einen eineinhalbstündigen hinreichend spannenden Film zu produzieren, treten sie jede Einstellung bis zur Unerträglichkeit breit. Und noch breiter. Es dauuuert und dauuuert und dauuuert. Ich habe das Buch nicht gelesen, bin aber ziemlich sicher, dass es Frau Christie gelungen wäre, mich länger im Dunkeln zu lassen. Hier bei dieser Verfilmung wußte ich schon ungefähr in der Mitte der zweiten von drei jeweils einstündigen Folgen, wers war.

Wer sich nebenbei zu beschäftigen weiß, kann die “Seven Dials” im Hintergrund laufen lassen. Muss aber nicht.

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