Ich reagiere ja immer mit leicht angespanntem Grusel, wenn ein von mir hochgeschätztes Buch verfilmt wird. Ob die Besetzung wohl stimmt? Was macht es aus, wenn sich die Bilder bewegen? Wie ist die Musikauswahl? Manchmal wird die Ursprungsidee richtig gut umgesetzt und das neue Medium trägt dazu bei, die Wahrnehmung der Rezipientin zu erweitern. Oft geht es ins Hemd.
Womit wir bei der Verfilmung des Comics “Paper Girls” der Herren Brian K. Vaughan (Autor) und Cliff Chiang (Artist) wären. Vaughan ist seit seinen Comics “Y – The Last Man” (Artist: Pia Guerra) und “Saga” (Artist: Fiona Staples) festes Mitglied in meinem persönlichen Olymp. Bei beiden Serien konnte ich es immer kaum erwarten, bis der nächste Band endlich erschien, beide sind zu Recht mit allen namhaften Preisen des Genres mehrfach ausgezeichnet.
Vaughan und Chiang agieren als “Executive Producers” der Amazon-Serie und ich war kurz der Hoffnung erlegen, dass das der Verfilmung möglicherweise dienen könne. Tut es nicht. Die Drehbücher wurden vielmehr so heruntergedummt*, dass Selberdenken komplett vermieden werden kann. Da, wo in den Comics noch eine gewisse, wenn auch krude Logik die Verletzungen des Raum-Zeit-Kontinuums erklärbar macht, macht sich die Serie gar nicht erst die Mühe. Hauptsache, es wird eine Alexa untergebracht.
Gar nichts gutes? Doch. Die Mädchen sind wunderbar typgerecht besetzt: Sofia Rosinsky als Mackenzie (“Mac”) Coyle, ein kratzbürstiges Tomboy-Geschöpf mit White-Trash-Hintergrund; Fina Strazza als KJ Brandman, die klassische Jewish Princess und ein echtes Tough Cookie, wenn’s drauf ankommt; Riley Lai Nelet als Erin Tieng, Abkömmling chinesischer Einwanderer, deren erste Lektion im Leben war, bloß nie und unter keinen Umständen aufzufallen und last but not least Camryn Jones als Tiffany Quilkin, Kind eines schwarzen Ärztepaares und extrem gescheit. Alle Wandel und Entwicklungen, die ihnen ihre Zeitreisen abverlangen, machen sie sehr glaubhaft durch.
Ihre erwachsenen Ichs sind schlimme Klischees und die wenigen Männer, die vorkommen, sind sehr eindimensional, sehr Klischee, dumm oder grausam oder beides.
Nein, das muss man sich nicht antun. Selbst der Cliffhanger, der eine zweite Staffel rechtfertigen soll, ist so lahm, dass man das Gefühl hat, die haben während der Produktion irgendwann selber die Lust verloren.
Lieber rausgehen, Biergarten, See, Mondanschauen. Alles besser.
* “Herunterdummen” ist direkt aus dem Englischen “to dumb down” übersetzt. Ich weiß nicht, ob der Begriff im Deutschen schon gängig ist, der Duden kennt nur bis dato nur “herunterdimmen”. Ich allerdings wünsche ihn hiermit umgehend einzuführen, weil ich nicht weiß, wie ich dieses Phänomen in meiner Sprache sonst ausdrücken soll. Wenn sich die Duden-Redaktion dann bitte ans Werk machen könnte.