Ganz neu auf Amazon Prime: Good Omens

Das ist mal eine gelungene Literaturverfilmung! Bleibt nah am Text wo es nötig ist und erlaubt sich Ausreißer, wo’s das andere Medium besser kann (pars pro toto: die Reiseplanung des Dämons. Was habe ich gelacht!). Die Herren Terry Pratchett (R.I.P.) und Neil Gaiman haben sich Ende der Achtziger einen Jux mit ihrer ganz eigenen Version des Armageddon gemacht und Gaiman, ein erfahrener und hochgelobter Autor von Prosa und Graphic Novels, hat diesen Spaß ganz in ihrer beider Sinne in ein zauberhaftes Drehbuch übersetzt.

Dreh- und Angelpunkt sind der Engel Aziraphale (Michael Sheen, in altmodischem Dandy-Look in Cremebeige und Rüschen) und der Dämon Crowley (David Tennant, teilt sich offensichtlich den Style-Consultant mit Mick Jagger), die schon seit der Vertreibung aus dem Paradies als quasi Agenten ihrer Mächte auf der Erde tätig sind. Wobei… Ersterer verschenkt aus Mitleid sein Flammenschwert an Adam und Eva, weil erstens ist es da draußen kalt und sie ist schwanger und zweitens wilde Tiere und so. Letzterer ist, na was wohl, die Apfelbaumschlange (da hieß er noch “Crawly”) und findet, dass Gott da doch ziemlich “überreagiert” habe. Wenn ER wirklich hätte vermeiden wollen, dass die Menschen seine Äpfel klauen, hätte ER den Baum doch auf einem Berg pflanzen können – oder, besser, gleich auf dem Mond, oder?

Wenn Gott spricht, und das tut ER(?) zumindest am Anfang der sechsteiligen Miniserie ziemlich oft, tut er das mit der Stimme der göttliche Frances McDormand und erklärt uns, dass es nun allerhöchste Zeit ist, dass die letzte Schlacht geschlagen werde, damit ein für allemal die Guten (?) siegen und dann Dingsbums und Wohlgefallen. Zu diesem Zwecke wird der Antichrist angeliefert, im Klappdeckelpicknickkorb (ist das nicht ein schönes Wort?) und zwecks Aufzucht einem amerikanischen (!) Diplomatenehepaar untergeschoben. Das Baby wird natürlich versehentlich vertauscht und statt des Weltuntergangs geht 11 Jahre später der Schlamassel los.

Ganz, ganz herrlich, wie die Autoren Engel und Dämon in Rückblenden durch die Geschichte der Menschheit ziehen lassen. Vor allem Tennant darf sich in den verschiedenen Stationen richtig ausleben (“Inquisition? Nein, war ich nicht. Da sind die Menschen ganz alleine drauf gekommen.”) Die Beiden haben sich längst auf der Welt und unter den Menschen eingerichtet, wollen nicht mehr weg und vor allem nicht, dass alles kaputtgeht. Darum haben sie sich abgesprochen (wunderschön, wie die Chemie zwischen den Akteuren stimmt) und 11 Jahre lang den falschen Satansbraten zu Frieden und Wohlgefallen indoktriniert (zum Schießen: Tennant als Mary Poppins) und suchen, wie auch ihre Chefs von oben und unten, nun verzweifelt nach dem korrekten Antichristen.

Ich erzähle jetzt nicht die ganze Geschichte, weil das jede/r selbst sehen soll. Oder lesen. Ist gleich gut. Wer’s anschaut, wird eine bis in die letzte Nebenrolle wunderbar besetztes Schelmenstück sehen, wer’s liest, kommt in den Genuß einer Unzahl Pratchett’scher Fußnoten. Richtig gut und klug unterhalten wird man in beiden Medien. Und das sage ich, als bekennender Bücherwurm.

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

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