I’ve Been Travelling with the Railroad

Ich hätte ja gemeint, daß ich die Deutsche Bahn und vor allem ihr nichtfahrplankonformes Verhalten im Visaverlängerungschaossommer vor zwei Jahren hinreichend studiert und mittelstoisch ohne Wiederholungsbedarf durchgestanden hätte, die Deutsche Bahn ist offensichtlich nicht dieser Meinung – oder sie hält Umsteigezeiten von vier Minuten zwischen den Gleisen 2 und 18 am Nürnberger Hauptbahnhof für ein Unterhaltungsprogramm. Oder eines zur Förderung der Volksgesundheit.

Mit Verlaub, Deutsche Bahn, ich halt’s für Schwachsinn. Es ist löblich und begrüßenswert, daß ihr Gleisbauarbeiten betreibt, schließlich sollen eure Fahrgäste irgendwann in möglichst naher Zukunft pünktlich abfahren und ankommen. Aber wenn ihr schon wißt, daß ihr auf einem Streckenabschnitt Bauarbeiten durchführt und es deswegen zu “Verzögerungen im Betriebsablauf kommt”, warum verkauft ihr dann zuggebundene Fahrscheine mit Umsteigezeitvorgaben, die eigentlich nur ein halbwegs trainierter Leichtathlet meistern könnte, wenn der Zug pünktlich ankäme und der auch nicht, wenn de Zooch wegen der Rumbauerei Verspätung hat? Oder weiß bei euch keiner, wer wann wo baut? Oder sagts keinem weiter?

Und warum begründet ihr ein zwanzigminütiges Herumstehen auf offener Strecke ganz knapp vor dem Metropolenbahnhof Wicklesgreuth (mit “Militäranschlussgleis nach Katterbach“) mit der sinnfreien Ansage “wegen Verspätungen auf der Strecke erhält unser Zug eine Verspätung von hhrrrmmffzich Minuten“ und laßt das dann auch noch klingen, als sei “unser Zug“ damit gebenedeit unter den Zügen? Warum? Und was bedeutet eigentlich eine Dummformulierung wie “Verspätung erhalten“? Ich, du, er, sie, es ist verspätet, wir, ihr, sie haben keine Verspätung, sondern allenfalls was zu Weihnachten bekommen. Zefix!

Die Entfernung, die ich zur Hälfte in eurem Klapper-Interregio* zurückgelegen mußte, beträgt knapp 300 km. Von Haustür zu Haustür war ich etwas über fünf Stunden unterwegs (und das auch nur, weil mich meine liebe Gastgeberin mit dem Auto abgeholt hat; hätte ich den Schienenersatzverkehr in seiner ganzen Herrlichkeit nutzen müssen, wären es lässig sechs geworden). Wißt ihr, wie weit weg man in dieser Zeit mit einem Flugzeug gekommen wäre?

Und übrigens: daß ihr eine Probebahncard mit einer dreimonatigen Laufzeit anbietet ist wie Gleise reparieren: löblich und begrüßenswert. Es ist aber weder ersteres noch letzteres, daß ihr das Probeabo stillschweigend in ein Jahresabo umwandelt, wenn der Kunde nicht aktiv vor Ende der ersten Halbzeit kündigt. In den alten Tagen wurde vor solchen Methoden noch im Fernsehn gewarnt. Bei “Nepper, Schlepper, Bauernfänger”.

 

* Wobei man zu seiner Ehrenrettung sagen muß, das selbst ein „Ich-halte-an-jedem-Misthaufen-Interregio“ noch Klassen über dem CalTrain liegt.

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