Hatte ich nicht gesagt, dass ich, von der ersten enttäuscht, mir die 2. Staffel sparen würde (s. https://flockblog.de/?p=51440)? Ja, und? Was geht mich mein saudummes Geschwätz von vor einem Jahr an? Hmmm?
Also, diese zweite ist sehr viel besser als die erste. Mark Gatiss, den ich ja schon sehr schätze, Erfinder, Co-Autor, Umsetzer und Hauptdarsteller der Geschichten um den sehr britischen Buchhändler Book, hat jetzt seine Sprache und seinen Ausdruck gefunden. Unterstützt von einer Truppe aus Misfits, macht er sich, im Winter 1946, nachdem er erst einmal mit Hellsehern und Scharlatenen, die sich an Hinterbliebenen bereichern, abgerechnet hat, in einer dunkelgrauen armseligen Nachkriegswelt auf nach Deutschland, um endlich aufzuklären, was wirklich mit seinem Ex-Lover (und Vater seines quasi Adoptivsohns) geschehen ist, damals, in den dunklen Dreißigern. Natürlich wimmelt es von Klischees, die Briten von den Deutschen haben (es wird in der Kneipe im idyllischen Fachwerk-Monschau das Bier nur in Maßkrügen ausgeschenkt und Deutsche waren entweder Nazis oder Spanienkämpfer), aber entweder ist das doch sehr viel besser gemacht als in der ersten Staffel. Oder ich war einfach gnädiger gestimmt. Habs auf jeden Fall gerne gemocht und empfehle es hiermit weiter.
Gattis ist sehr belesen, herrlich zitatfest und in die antiquarische (im Krieg netterweise nicht zerstörte) Eckhausbuchhandlung seines Helden Book (jaha, ich weiß) würde ich auch sofort einziehen wollen. Vor allem mit diesem schrägen Katalogsystem, das ich absolut nachvollziehen kann, das aber für normale Menschen kaum einen Sinn ergibt. Hach!
Dazu hat er noch hinterlistige Geheimdienste, freche Nazi-Spione, die Erfindung James Bonds und ein gerütteltes Maß an Kritik an eine Zeit hineingeschrieben, in der Homosexualität als Verbrechen galt und Homosexuelle bestenfalls als krank und irgendwie “heilbar” gesehen wurden. Man denke nur an den Mathematiker Alan Turing, der kriegsentscheidende Technologie entwickelte, aber 1954 an den Folgen einer chemischen Kastration sterben mußte. (Fragt Oma. Oder wikipedia.)
Doch. “Bookish” kann man gut ansehen und es wird ja auch bald schon wieder Winter und da sind lange Fernsehabende eine Option, das Elend draußen nicht ertragen zu müssen. (Drei Doppelfolgen à 90 Minuten.)