Gelesen: Ian McEwan – “Unschuldige”

Der Roman hat es als 44. in die Auswahl der “50 großen Kriminalromane” der “Süddeutsche Zeitung Kriminalbibliothek” geschafft.

Man muss wissen: Mit dergleichen Anläufen zur Kanonisierung verdienten sich Zeitungsverlage damals ein Zubrot, seinerzeit konnte man die Bände im Abo unter einer gebührenpflichtigen Rufnummer für 12 Cents die Minute (“Ruf mich an!” – Fragt Oma.) zum Schnäppchenpreis bestellen. Für meinen Begriff gildet ein Kanon immer erst, wenn ich informiert werde, wer welchen Band wieso aufgenommen und welcher es warum nicht geschafft hat. Eigentlich müßten immer die Kontaktdaten des Aussuchers dabei stehen, damit man im Bedarfsfall wen zum Schimpfen hat.

Im Klappentext wird der Titel wie folgt angepriesen: “‘Unschuldige’ (1989) ist ein packender Krimi aus dem Frontstadt-Milieu des Kalten Krieges und zugleich eine ergreifende Liebesgeschichte.” Klarer Fall von Diegeschmäckersindverschieden. Wobei ich betonen möchte, dass ich guten Geschmack habe und weder gepackt noch ergriffen bin, wenn ein mittelalter weißer Mann säftelnde Vergewaltigungsphantasien von heranrückender Roter Armee und jungen Berlinerinnen breittritt und mit viel Freude eine Retraumatisierung 10 Jahre später ausführlichst schildert. Bää-äääh!

Einzig interessant ist die historische Tatsache, dass es den “Berliner Tunnel”, die sogenannte “Operation Gold”, eine gemeinsame gegen die russischen Alliierten gerichtete Abhöraktion von CIA und M16 wirklich gegeben hat. Wen’s interessiert, findet dazu sicher Fachliteratur. Den Roman zu lesen erspare man sich.