Keinen an der Waffel

Belgian-Waffles-1Er werde, sagt mein Kollege, hinfort mit seinem Frühstück ein Zeichen setzen. Pancakes, ja. Eier, gebraten, gesotten, gekocht, verrührt, alles okay. Aber Waffeln? Nie mehr!

Es hilft, wenn man weiß, daß für Amerikaner Waffeln als Synonym für Belgien stehen.

Freedom Fries, anyone?

Aus dem Vokabelheft. Sonderedition Grammatick!

Wenn man hierzulande als “Soundso-Nazi” bezeichnet wird, dann ist das nicht zwingend politisch gemeint oder gar ehrenrührig. Nein, das Gegenüber erkennt einen als Menschen mit überdurchschnittlicher Hartnäckigkeit bis hin zu vollkommen verbohrter Sturschädligkeit an, also von der Sprachwurzel her doch recht nahe am Original. Der wohl bekannteste Vertreter dieser Spezies ist der “Soup Nazi” aus der schon etwas älteren New Yorker Sitcom “Seinfeld”, der es sogar zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht hat (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Soup_Nazi).

Mir ist jüngst von einem sehr geschätzten Kollegen der Titel “Grammar Nazi” verliehen worden, weil ich jedes Mal, wenn die Diätpulvertante im Radio plärrt “Our prices can’t be beat!” zusammenzucke und ein “en” für “beaten” hinzufüge. To beat ist ein unregelmäßiges Verb und “beaten” die Partizipform und ihr seid hier verdammt nochmal aufgewachsen und solltet das mit der Muttermilch eingesogen, spätestens aber in der Schule gelernt haben! Hah! Stattdessen verhunzen sie ihre Sprache ordentlich weiter, und adjektivieren das Verb fröhlich und grundverkehrt. Beispiel: “After the long day, she was feeling completely beat.” (“beat” steht hier für erschlagen, erschossen, fix und fertig und es müßte selbstverständlich ebenfalls “beaten” heißen.)

think differentWas soll ich? Ruhig bleiben? Mich nicht aufregen? Einfach “Think different”?

Das heißt “differently”, dammit!

Aus dem Vokabelheft

Wo ein Deutscher außer sich oder wenigstens dem Häuschen ist, steht der Amerikaner eher neben sich und ist zum Beispiel “beside himself with joy”.

“I trade you”

Wenn ich bäumisch verstehen könnte, dann hätte ich im Frühjahr sicher überall gehört “OMG, hier ist das Wasser knapp! Wachst, wachst, wachst! Dammit!” Resultat: blütenübersäte Äste, Blattwuchs eher mangelhaft. Dann wurden dem Vernehmen nach Bienen, Hummeln, Kolibris und anderen für ein bißchen Staub auf Stempel drücken hohe Summen geboten und jetzt haben wir die Bescherung: Panikobst! Panikobst! Panikobst!

Was habe ich mich am Samstag gefreut, als ein Bekannter anrief und nochmal auf einen “plum run” vorbeikommen wollte. Super! Da meldet sich wer freiwillig zum Obst abholen. Und bittet sogar noch um mehr als die haushaltsübliche Menge, weil er anderen davon abgeben will. Klasse! So ist es recht! Kommt ihr nur und pflückt, was ihr könnt. Daß er das als Tauschgeschäft versteht und eine Riesentüte frischer Feigen mitbringt, war eigentlich nicht ausgemacht. Weil man’s ja nicht umkommen lassen kann, habe ich mir schnell Gemüsereis mit Feigen-Orangen-Hühnchenfrikassee ausgedacht und gegrillte Feigen in Pancetta. Weil mir ein Dutzend aber zuviel war, habe ich ein paar frisch aus der Pfanne für Sam zur Nachtschicht eingepackt und ein paar mehr zu Carmen getragen – und bin mit einer Tüte Aprikosen nach Hause gekommen.

Resistance? Futile! Like, totally futile.

Neu im Kino: “X-Men: Days of Future Past”

[Achtung Spoiler!]

Als ich aufwachte, trug keiner mehr Siebzigerjahreklamotten, der GOT-Zwerg (Peter Dinklage) und sein Schnäuzer waren aus dem Bild und die Welt in Harmonie. Vielleicht sollte ich wirklich nicht mehr Freitagabends ins Kino gehen.

What’s cooking?

Mein allererstes Chutney:

chutney 1Um 11:00 Uhr

Vorerst sind das gute zwei Kilo entkernter geviertelter Pflaumen (rote vom Nachbarbaum, der über den Zaun wächst, die gelben von meinem Baum), je ein Viertelliter Apfel-Cider und Roter-Beeren-Essig, ca. 200g brauner Zucker und jede Menge Gewürze.

chutney 2

um Viertel nach zwei.

Inzwischen ist das Gemisch unter ständigem Rühren schon sehr stark eingekocht und der Farbe wegen ein paar Handvoll Blaubeeren dazugekommen. (Soweit zum Thema: “Wenn ich schon kein Rezept habe, erfinde ich mir eins und dokumentiere das ordentlich für ein mögliches nächstes Mal.”)

chutney 3um halb fünf.

Jürgen hat mich rechtzeitig angerufen, damit wir uns gemeinsam* das Elfmeterschießen (das einzige, was ich bei Fußball mag) zwischen Griechenland und Costa Rica ansehen können. Das Chutney hat nebenher vorbildlich den Klang brodelnder Lava imitiert und wurde nach dem Sieg der Kariben in Einmachgläser verbracht. Die schöne kirschrote Farbe rührt daher, daß es mir gefallen hat, spontan auch noch ein paar Kirschen zuzugeben. Es ist gar nicht so einfach, irgendwas auf einem Gasherd stundenlang am Simmern zu halten; der Einsatz des beschichteten gußeiseren Riesenwoks hat sich als Spitzenidee erwiesen. Den hatten mir seinerzeit die Kollegen von Computer 2000 mit den Worten “Du kochst doch so gern. Möge er nützen.” zum Abschied geschenkt. Tut er. Morgen lasse ich wieder Kollegen probieren.

*Was man halt so gemeinsam nennt, mein “Live”-Stream war ca. 2 Minuten später dran als seiner. Wir überlegen, ins Sportwettengeschäft einzusteigen.

Bad Blood

Ja, ich war in den letzten drei Jahren auch mal nicht in den USA (oder Kanada). Ja, ich habe in der Zeit zwischen dem Jahr 1980 und heute mehr als fünf Jahre in Europa verbracht und es ist sogar möglich, daß ich mich zwischen 1980 und 1996 insgesamt mehr als drei Monate im United Kingdom aufgehalten habe, Irland ist eines meiner Lieblingsreiseziele. Ich kann nicht ausschließen, daß ich in Kontakt mit anderer Menschen Blut gekommen bin und ein Pflästerle aufgeklebt habe und woher soll ich wissen, ob ein Mann, mit dem ich eine sexuelle Beziehung hatte, je in seinem Leben, wenn auch nur ein einziges Mal, eine sexuelle Beziehung zu einem anderen Mann hatte oder Drogen nimmt, die ihm nicht der Arzt verschrieben hat? Definiere: Drogen. So wie ihr die Bestandteile von Europa und des United Kingdom erklärt, deren Kenntnis man offensichtlich nicht voraussetzen kann.

Wer das wissen will? Der “Blood Truck”, das Blutspendenmobil, das in einem “Blood Drive” regelmäßig für einen Tag auf dem Parkplatz außerhalb des Büros Menschen milkt. Ich habe eine relativ seltene Blutgruppe und fühle eine moralische Verpflichtung, davon abzugeben, damit anderen (und mir) im Notfall geholfen werden kann. Ich verstehe, daß es besser ist, manche Risikofaktoren im Vorfeld abzufragen, aber… Genau. Aber. Was geht es euch an, ob ich je schwanger war, egal zu welchem Resultat die Schwangerschaft geführt hat? Entscheidend ist doch allenfalls der aktuelle Zustand. Und welches Licht wirft es auf euren Strafvollzug, wenn jemand der mehr als 72 Stunden von der Staatsgewalt weggesperrt war, automatisch zum Risiko wird? Und schwingen wir da nicht ein wenig die Moralkeule, wenn ausgerechnet im Großraum San Francisco Blut von schwulen Spendern ähbäh ist?

Ja, danke, I am “Feeling healthy and well today”. Aber ihr kriegt keinen Tropfen von meinem Blut!

Details: http://bloodcenter.stanford.edu/donate/medical_history.html

Racial Profiling

Er werde, sagt Sam, sich dieses Wochenende nur dann außerhalb des Hauses aufhalten, wenn es sich wirklich nicht vermeiden ließe. Warum? Nun, am Sonntag spiele Mexiko. Gegen Holland, wie ich eben nachgeschlagen habe. Nach dem Spiel würden Mexikaner trinken und lärmen, entweder wegen Victoria und Fiesta oder um eine Niederlage zu verschmerzen. Deswegen haben die Cops in Kalifornien seit Freitag (!) Urlaubssperre und verstärkte Kontrollen auf dem Programm.

Er möge Fußball, sagt Sam. Aber nicht genug, um wegen angesäuerter Polizisten eine Nacht im Gefängnis zu verbringen. Und deswegen werde er dieses Wochenende vorwiegend inhäusig sein. “They don’t see me, they don’t harass me.”