Ruhe sanft

Im letzten Herbst habe ich eine zweiteilige Vier-Jahreszeiten-(mehr kenne ich gar nicht)-Bettdecke gekauft, die mit, selbst für eine “Premium-Bettware”, erstaunlich umfangreicher Anleitung kam. Naiv, wie ich manchmal sein kann, dachte ich, zudecken würde reichen. Aber nein, ich soll zunächst ein 126-Seiten-E-Book herunterladen: “Gesundheitselixier Schlaf – mit 4Wochen Erfolgsformel”. Außerdem wird auf zwei Ökopappendeckelseiten grün auf ockerbraun ausführlich erklärt, dass die Decke leichter und damit für den Sommer geeigneter ist, wenn man nur zum dünnenTeil greift und dafür aber supermollig dick und warm, wenn man das dünne und das mitteldicke zu einem “extrawarmen Kuschelpartner” zusammenknöpft. Okay, verstanden. So, wie die Vogelschwärme gerade ständig den Himmel verdunkeln, ist nun höchste Herbstdeckenzeit, also habe ich weisungsgemäß die “Übergangsdecke” aus dem Sommerquartier geholt und bin damit einmal mit meinem Modell aus der “Silbermondkollektion” durch einen ganzen Deckzyklus gegangen. Sehr zufrieden.

Ich bin allerdings gespannt, ob es dem Hersteller noch immer so schwer fällt, sich von seinem Lieblingsprodukt zu trennen. Letztes Jahr bekamen wir, Decke und ich, eine überdimensionierte Grußkarte zu Weihnachten. Vorne das nächtliche Zürich, unter sternbedeckten Himmel die dunkle Limmat, gesäumt von hell erleuchteten Häusern, in denen, so der Text, Menschen “schnuggelig” unter ihren Decken lägen. So wie – hoffentlich – auch ich? Mit meiner Kuschelpartnerdecke? Ein bißchen aufdringlich, finde ich. Mehr Beziehung als Ware gegen Geld wollte ich mit denen nicht.

Außerdem: Ich weiß ja nicht, wie das in der Schweiz ist, aber meine Eltern hätten mir was erzählt, wenn ich vor lauter “Flugs-mit-dem-Kuschelpartner-in-die-Kiste” die Lichter im Haus hätte brennen lassen. Weihnachtskartenmotiv hin oder her.

Aus dem Vokabelheft

Es sei, sagt der australische Freund, zu Thanksgiving möglicherweise auch mit dem Besuch eines Cousins zu rechnen, der mehr so “sheltered against reality” sei.

Ich finde die Formulierung sooo hübsch und werde ihre deutsche Übersetzung “der Typ ist doch realitätsgeschützt” demnächst irgendwann mal irgendwo unterbringen.

Sag mir, wo…

Eine Freundin von mir ist gerade auf Wohnungssuche und hat diese Anzeige auf Immoscout24 gefunden. Wir rätseln noch.

Danke an Frau W. aus (noch) H.

Gelesen: Terry Pratchett, Stephen Baxter – “The Long Earth”

2012 veröffentlicht, ist “The Long Earth” ein klassischer “Was-wäre-wenn?”-Science Fiction Roman, geschrieben von zwei Könnern. Zwei Könner, die sich allerdings nicht über die Maßen verausgabt zu haben scheinen. Ja, spannend, natürlich, noch dazu aus heutiger Sicht, die KI und ihr, hmmm, “menschlicher” Avatar. Mindestens ebenso spannend, die Idee, dass es nicht nur diese eine Erde gibt, sondern unendlich viele davon und, das ist der originelle Gedanke, Menschen (sowie ggfs. auch andere Geschöpfe), die dazwischen beliebig hin- und herwechseln können, andere, die dazu einer leicht herstellbaren Apparatur bedürfen, deren Energiequelle eine Kartoffel ist, die ankommend erst einmal ein Viertelstündchen kotzen und wieder andere, die immobil auf Erde Nr. 1 festsitzen.

Alles, was sich daraus an philosphischen und ethischen und soziologischen und wirtschaftlichen Fragen ableiten läßt, wird ausführlich behandelt. Das Buch ist nicht uninteressant oder schlecht geschrieben, bei mir ist dennoch der Funke nicht übergesprungen. Für mich fühlt sich die Sache einfach ein bißchen sehr nach Geldschneiderei an, noch dazu, wo es vier weitere Bände gibt. Alles in “lang”: Krieg, Mars, Utopia und Kosmos.

Es mag anderen anders gehen, wer will, kann meins ausleihen und sich ein eigenes Bild machen.

… und an der Hüfte Bananen

Beim Discounter Penny werden jetzt bereits fertig gekappte Ananässe verkauft. Moment mal, das heißt doch, dass ich meine Ananas ohne den grünen Strunk bekomme, richtig? Das Ding, das ich sowieso immer zuerst abschneide und das die Mülltüte kaputtreißt, richtig? Und auch noch 30 Cents billiger als die “Ananas mit Krone”, die für die traditionsbewußte Kundschaft ebenfalls angeboten wird, richtig?

Alles richtig. Und dann auch noch gut fürs Klima: “Nachhaltige Fruchtlogistik” nennen die Marketingmenschen sowas. Weniger Platzbedarf (Kunststück, höchstens noch halb so groß), geringerer CO2-Fruchtfußabdruck (jaha, okayhay, das hab ich erfunden).

Mir wurscht. Wenn die genauso lange haltbar sind wie ihre gekrönten Brüder und Schwestern, soll es mir recht sein. Nur eine Frage: die Ananas als solche – kommt die nicht von sehr weit her und ist schon allein deswegen gar nicht sooo gut?

Teuerung

Was habe ich mich vorhin ärgern müssen, als ich für meine wöchentliche Melone doppelt so viel bezahlen mußte wie in der Vorwoche. Hätte aber, so der Mann auf dem Markt, seine Richtigkeit: “Im Herbst verkaufen wir Melonen nicht mehr zum Stückpreis, sondern nach Gewicht.” Der Preis bleibt also gleich, nur wird das winzige “St”-Schildchen durch eins mit “kg” ausgetauscht.

WTF?