Das ist mal ein interessanter Ansatz: eine “Szenische Lesung” eines Comic-Buches, welches ich übrigens mit Begeisterung (und nochmal großem Dank an Herrn E. aus M.) gelesen habe, s. https://flockblog.de/?p=52365.
Lesen in verteilten Rollen tun die Zeichnerin und Autorin Barbara Yelin und die sehr verehrte Schauspielerin Wiebke Puls (auch Regie), wobei letztere zwei Mikrofone hat und aus einem der beiden wörtliche Zitate Giehses in deren Stimme oder mindestens in deren Sprechduktus erklingen. Auf einer großen Projektionswand erscheinen, sich langsam aufbauend, die Bilder aus der Graphic Novel und die Lesung ist unterlegt von Klängen wie Straßenverkehr und Vogelzwitschern. Sehr schön, sehr gelungen. Viel Beifall.
Dann ein zweiter Teil, das “Gespräch”. Gleich vorausgeschickt: wenn es eines gibt, das man dem Publikum, schon gar nicht einem Publikum wie diesem, bei dem ich das Durchschnittsalter senke und die meisten der wenigen Quotenmänner Gehhilfen benötigen… wo war ich? Ach ja, eine Stunde geht auch auf den unglaublich unbequemen Bänken im Zuschauerraum der Therese-Giehse-Halle. Alles, was darüber hinausgeht, ist eine Qual – zum Schluß haben alle ganz schlimm Rücken. Alle.
Also, das Gespräch. Moderiert von Christoph Leibold (Bayerischer Rundfunk), sitzen im Halbkreis Yelin, Puls, Noch-Intendantin Barbara Mundel und Anke Buettner vom Monacensia-Archiv und sprechen klug. Über “Female Heritage” und den ollen Falckenberg und seine umstrittene Biographie und die fehlende Therese-Giehse-Büste im Foyer (jetzt gibt es eine) und und und… Es mag sein, dass ich mich jetzt als Ignorantin oute, aber das einzige, was mich wirklich interessiert, ist der Einblick in Yelins “Werkstatt” und die Beschreibung ihres Arbeitsprozesses. Ansonsten kann ich einfach nicht mehr sitzen und will jetzt an die Luft.
Für weitere Veranstaltungen dieser Art, die es unbedingt geben möge, empfehle ich, eine Pause einzulegen. Wer nach der Lesung bleiben will, kann das dann tun, wer nicht, kann ohne andere zu stören den Raum verlassen. Hätten sie das gestern schon so gelöst, wäre es eine rundum gelungene Veranstaltung geworden.