Wie das halt so ist, in urbanen Wohnanlagen: sie sind so anonym, dass manche Menschen erst recht stinken müssen, um tot in ihrer Wohnung aufgefunden zu werden. Andererseits so öffentlich, dass man nicht umhin kann, gewisse Rituale seiner Nachbarn kennenzulernen, vor allem, wenn diese in dem seltsam halbprivat-doch ausgestellten Ambiente eines der aufgeklebten Balkons zelebriert werden.
Das Paar direkt unter mir beispielsweise hat an jedem Sonntag, den der Kalender werden läßt, den erwachsenen Sohn zum Mittagessen zu Gast (der arme Bua). Im Sommer ißt man draußen und schon allein das Tischdecken wird von Rufen begleitet, die darauf schließen lassen, dass bis heute nicht geklärt ist, wer den Salat rausbringt, wer fürs Besteck (“die Löfferl für den Nachtisch san auf der Anrichte”) und wer für sonstige Hilfsdienste (“brauch ma an Butter?”) zuständig ist. Dann sitzt man endlich, Geschirr und Besteck klappern, ein Tischgespräch findet statt. Da soll der maulfaule Bub immer erzählen, was er die Woche über so gemacht hat und weiß nie was rechtes. Außer heute. Heute sollte der arme, offensichtlich IT-affine junge (?) Mann seinen Altvorderen erklären, wie das war, als die KI ausbrach.
Hut ab!
Sohnemann erklärt den Digital Naives in verständlicher einfacher Sprache, ruhig und gelassen, was los war und ordnet es ein. Sehr gut. Dankeschön. Haben wir alle was gelernt, seine Eltern und die Dame eins drüber auch. Man ist so zufrieden, dass ihm das Tisch abräumen erlassen wird. Ich lese dann mal weiter.