Gestern Abend im Cabaret Burghausen: “Das ist keine Bank”

Manchmal lohnt es sich, die vermeintliche Kulturhochburg Großstadt zu verlassen und aufs Land zu fahren, wo Trüffelfreunde dieses Kleinod ausgegraben haben. Eine, wie das Haus sie anpreist, “brillante rabenschwarze Komödie über die Suche nach einem sicheren Ort in einer bedrohlichen Welt”. Ja, richtig. Aber auch viel mehr.

Also, im winzigen Cabaret Burghausen, das mit fünfzig Gästen rappelausverkauft ist spielen Patrick Brenner und Julian Brodacz unter der Regie von Lisa Hanöffner zwei Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Brenners Alex ist ein leicht tuckig-altjüngferlich angehauchter Nerd aus dem mittleren Bereich des Asperger-Spektrums, der eine Parkbank auf einem Hügel im Park in eine Gedenkstätte für Ursula umgemünzt hat, dekoriert mit Blumensträußen und Kerzen. Brodaczs Tom nicht näher bestimmter Mitarbeiter einer Agentur, Kanzlei oder dergleichen, mit Namensschildchen am Halsband, der einfach mal weg von allem für ein paar Minuten seine Ruhe finden will. Auf eben dieser Weihebank. Am Anfang ist die Kollision der beiden zum Brüllen komisch, wie immer, wenn Nerd auf Normalo trifft (man denke Sheldon Cooper). Aber es mischen sich ernstere und ernsthaftere Töne hinein – wer war eigentlich Ursula? Und wovor braucht Tom Ruhe?

Die Produktion ist mutig genug, diese Fragen nach der Pause in einem gar nicht mehr so lustigen zweiten Teil zu diskutieren. Nicht zu lösen, das schafft eh keiner. Aber sich damit auseinanderzusetzen. Und das Publikum teilhaben zu lassen.

Hut ab. Da haben sie in Burghausen was sehr sehr gelungenes auf die Bühne gestellt. Den beiden Schauspielern großer Respekt für diesen Tanz auf Messers Schneide. Der langanhaltende Schlußapplaus ist mehr als verdient.

Danke, oh Trüffelfreunde. Auch fürs Drumrum. Mögen sich die Braunauer nun bald mal zu ihren Sommerplänen äußern.

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