Ich glotz TV

In den letzten Tagen war, ich wie der Angelsachse das nennt, ein wenig “unter dem Wetter” und mein Wattehirn intellektuellen Herausforderungen nicht gewachsen. Zum Glück stellt YouTube für solche Zwecke staffelweise “Midsomer Murders” zur Verfügung, in denen Inspector Barnaby und sein hilfreicher Assistent mit dem einsilbigen Vornamen skurrile Morde auflösen. In einem schönen England, wo überraschend häufig die Sonne scheint, festliche Veranstaltungen draußen stattfinden, die Damen große Hüte tragen (Hach!), in einer fast heilen Welt mit großen Herrenhäusern, snobistischem Landadel sowie kuriosem Volk. Nett.

Aber man lernt auch was. Doch, doch. Also erstens: niemand kann die von seinen Drehbuchautoren so liebevoll komponierten Textzeilen, insbesondere Beleidigungen, mit schönerem All-Brit-Understatement vortragen wie John Nettles. (Nur ein Beispiel, von vielen, vielen – Pathologe: “Cause of death, head separated from body.” Barnaby: “Now there’s where we benefit from having an expert on the case!”) Okay, aber nur weil so nett gefragt wird, noch ein Zitat: Der Assistent benimmt sich einmal wieder wie ein Trampeltier, darauf Barnaby: “You don’t really have a soft pedal when it comes to the English language, do you?”)

Außerdem: this is not America. Aber so kein bißchen. Keine Schußwechsel, kein “Go-go-go”-Gerenne, kein Gebrüll, keine Kommandoeinsätze. Nix. Außerdem #2: Wenn in den USA sich jemand unbefugt Zutritt verschafft, überlebt er das im allgemeinen nicht, “Trespassers will be shot”. In England gibt es Gesetze und die reichen als Drohung: “Trespassers will be prosecuted” und wenn der Hausbesitzer doch schießt, dann kommt der Barnaby.

Angenehm, gemächlich und die Bösen werden immer erwischt. Ideales Rekonvaleszenz-Fernsehen. Dass der Zustand der Gesundung eingetreten ist, macht sich dadurch bemerkbar, dass es nicht mehr angenehm und gemächlich daherkommt, sondern a bissele langweilig…

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