Denk’ dir, ich habe den Fasching gesehen

Ich bin ziemlich gut darin, Dinge auszublenden, die mich nicht interessieren. Siko, Olympiade, Fasching, pah! Geht mir alles am Derrière vorbei und mir fehlt nichts, nichts, nichts.

Aber bloß weil’s mir wurscht ist, finden die Dinge ja nicht nicht statt und so bin ich letzte Woche im Siko-Autobahnsperrstau gestanden, hab mitbekommen, dass nicht nur ich den Vierfachaxel doch nicht so ganz beherrsche und bin heute vollkommen versehentlich im Straßenfasching gelandet. Muß aber gleich einschränkend dazu sagen, es war das, was in München als Fasching gildet.

Mein Termin am Rotkreuzplatz ist um High Noon. Die MVG-App sagt, ich brauche mit der Kombi U-Bahn/Bus genauso lang wie mit U-Bahn/U-Bahn. Dann nehm ich doch die “scenic tour”, ich bin nie in Neuhausen und es ist immer wieder interessant, was sich so ändert, wenn man die Strecke schon länger nicht mehr gefahren ist. Als wir landen, habe ich noch ein Stückchen Wegs zu gehen und irgendwer in bunt mit Clownsmake-up und -perücke wirft mit Konfetti nach mir und schreit mich an: “Stimmung”. Kann zu meiner Überraschung viel viel schneller laufen, als ich mir bis vor zwei Minuten noch zugetraut hätte.

Auf dem Rückweg bin ich etwas gnädiger gestimmt und zugegebenermaßen neugierig und nähere mich der Bühne, wo gerade ein sehr motivierter Herr mittleren Alters in etwas zu engem schwarzem Hemd und Hosen die Massen (ca. 20 Grundschüler in Verkleidung sowie mittelwillige Erziehungsberechtigte) anheizt. Jubeln sollen sie, weil jetzt kommt sie gleich. Die… die… die Prinzessin Anastasia vom Narrenverein Niederstrunzenöd (Danke, Michi). Auftritt eine recht junge sehr dünne Frau mit schwarzer Thermounterwäsche (lange Unterhosen, langärmliges Shirt) unter einer Glitzerfummelchen, in dem sie auch bei 30° Außentemperatur noch gefroren hätte, auf dem Kopf eine Art Burgfräuleinsnarrenhaube (auch Glitzer). Sie hüpft und wedelt mit den Ärmchen, es ist nicht ganz klar, ob wegen Aufwärmen oder wegen Stimmung, die Massen jubeln. Beim dritten Anlauf kommt auch schon die Musik vom Band und sie beginnt zur Melodie von “Wir haben Hunger, Hunger, Hunger…” zu singen:

Die Massen sind textsicher, hüpfen und wedeln auch und haben Spaß, wobei ich nicht bei allen Begleitpersonen ganz sicher bin. Danach wird die Prinzessin vom Schwarzen Mann wieder abmoderiert und vom Band dröhnt Nena mit “99 Luftballons”.

Ich gehe dann mal wieder. Aber falls wer fragt: ich war zum ersten Mal in meinem Leben auf dem Fasching. In München.

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

9 − three =