Vorhin, im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst – “Operation Finale – How to catch a Nazi”

Selten eine so dermaßen schlecht organisierte, schlampige und wenig informative Ausstellung gesehen wie diese in einem luft- und lichtleeren Keller des Ägyptischen Museums. Ja, es schien voll zu sein, am Sonntagnachmittag für einen Euro Eintritt, das mag aber in der Hauptsache daran gelegen haben, dass gleich der Eingangsbereich, in dem die Kuratoren von Entstehungsgeschichte und Ziel der Ausstellung berichteten, kaum breiter war als ein enger Wohnungseingang. Man wolle zeigen, wie “die Geschichte der Ergreifung von Adolf Eichmann von der Entschlossenheit, einen Massenmörder strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen und damit Gerechtigkeit herzustellen [zeugt]. Die Botschaft und das damit verbundene Eintreten für Gerechtigkeit und Humanität, richtet sich vor allem an die jüngeren Generationen.”

Aha.

Und dafür zeigen sie die Leica, mit der Fotos von Eichmann in Argentinien gemacht wurden, die Flugtickets der Mossad-Agenten, die zur Ergreifung ausgeschickt waren, eine Apparatur zur Fälschung von Autokennzeichen, den Leihvertrag für die Mietwagen und dergleichen Unfug mehr. Außerdem mehr als lebensgroße Bilder von Eichmann und Fritz Bauer. Allerdings unbeschriftet, so dass die “jüngeren Generationen” mit den Abbildungen zweier mittelalter bebrillter Herren mit schütterem Haar konfrontiert werden, ohne die Information, wer wer ist und wie dieser Mensch geschichtlich einzuordnen sei. Mahann! Es gibt ein interaktives Ratespiel, bei dem Besucher per Knopfdruck aus einer Auswahl von vier möglichen das Bild der seinerzeit noch jungen Nazi (Eichmann, Mengele, Barbie, “die Stute von Majdanek”) den nunmehr Angeklagten zuordnen soll.

Bis zum Schluss ist nicht klar, warum was in welcher Reihenfolge angeordnet ist und gesehen werden soll. Und wo die Ausstellung eigentlich hin will. Gleich zu Anfang hängen sich die Personalakte Eichmanns und Szenen aus befreiten KZ gegenüber. Aber nein, es ist kein Rundgang, das soll so. Schwachsinn!

Später kann man in einem Film Szenen aus dem Prozess in Jerusalem ansehen. Mittig ist eine Nachbildung des Glaskastens installiert, in dem Eichmann während der Verhandlung saß. Das kannte ich alles, denn ich hatte Hannah Arendts “Eichmann in Jerusalem” gelesen. Sie wird aber mit keiner Silbe und schon gar nicht mit ihrem Zitat von der “Banalität des Bösen” erwähnt. Finde ich mindestens eigenartig.

Ich will mal wohlwollend annehmen, dass vieles hier gut gemeint, aber einfach nur sauschlecht gemacht ist. Ob das einen Jugendlichen, der seiner Mutter von den Bormann-Plakaten in der Stadt berichtet (und sich korrigieren lassen muss, dass es sich um Eichmann handelt) wirklich zum “Eintreten für Gerechtigkeit und Humanität” motiviert, ist in meinen Augen mehr als fraglich.

Es ist historisch auch fragwürdig, so vieles ohne Quellenangabe in den engen Raum zu stopfen und man hätte beim Übersetzen der Texte weiß Gott ein wenig aufpassen können: die Gründung des Staates Israel heißt auf Englisch “A State is born” und als Eichmann bei seiner Verhaftung sagt “Ich ergebe mich” wird daraus “I accept my fate”. Nein! Nein! Nein!

Das hätte man mit so vielen Unterstützern https://www.how-to-catch-a-nazi.com/#urheber besser machen können.

Lage. Lage. Lage.

Wie jede gute Zeitungsredaktion treffen sich auch die Herren und Damen der Spiegel Online Redaktion am Morgen und am Abend, zu Besprechung der Lage zur jeweiligen Tageszeit. Eine*r schreibt das dann immer auf und läßt die Leserschaft teilhaben.

So auch heute, wo es zunächst um eine wegen Bauernprotesten abgesagte Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust anläßlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz in Magdeburg ging. Die Organisatoren des Bauernprotests hatten ihre Veranstaltung kurzerhand auf Sonntag verschoben, der Landtag blieb trotzdem bei seiner Absage der Gedenkfeier. Dabei hätte doch ein Anruf genügt…

Nächstes Thema: “Familienunternehmen Partei” bzw. Gründungsparteitag des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Das mit der Familienangelegenheit hat dem Autor scheint’s so gut gefallen, dass er die Überschrift in seinem Fazit wiederholt.

Mir kommt es so vor, als habe Martin Knobbe, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros, in der letzten Nacht die Polemiker-Rundschau unter dem Kopfkissen gehabt.

Die weitere Lektüre des Spiegel habe ich für heute eingestellt, als dem “Skandaldackel” (das ist aus der SZ) ein ausführlicher Nachruf in der Rubrik Kultur gewidmet wurde. Irgendwann ist auch mal genug, Sommerloch ist wahrhaftig gerade keine Ausrede.

Sang und Klang

Eventuell, sogar sehr wahrscheinlich*, hat jemand vor mir schon diesen Begriff geprägt: “Affirmatives Geräusch”. Wenn nicht, hah!

Ich meine damit zu Beispiel den satten Klang, mit dem eine Autotür signalisiert, dass sie korrekt geschlossen ist. Oder das Piepen von Gerätschaften, die einen Auftrag annehmen (Spüle! Wasche! Wärme meine Mahlzeit! Weck mich!) und anschließend Vollzug melden (Geschirr ist sauber! Wäsche ist gewaschen! Essen ist fertig! Steh auf, verdammt!). Früher, bei den angelsächsischen Armeen, hieß das noch “I hear and obey” – fände ich ja bei den von mir befehligten Maschinen auch hübsch, aber ich will nicht abschweifen.

Dieser Tage nämlich habe ich einen weiteren Ton (wieder) entdeckt: der frühe Vogel nebst Genossinnen und Genossen meldet mit aufgeregtem Zwischentraumundtagzwitschern: der Frühling kommt!

* Hat mir keine Ruhe gelassen und ich habs nachgesehen: Heißt in der Fachsprache “Affirmative Sounds”, und sie sind Legion.

Herrn Claudius zugeeignet

Heute früh lag ein so riesengroßer bleicher Wintervollmond so nah am Boden vor mir, dass ich selbst in meinem Kleinwagen auf der Stadtautobahn vermeinte zu hören, wie in nicht allzu weiter Ferne Schlittenglöckchen bimmeln und Wölfe heulen.

Beinahe wäre ich einfach weitergefahren. Schnurstracks geradeaus, direkt in den Mond hinein.

Nächstes Mal.

Re-Branding

Die neuen Nachbarn nebenan haben ihre lustige “Herzlich Willkommen”-Fußabtretermatte mit den harmlosen bunten Ballons gegen diese ausgetauscht:

Was mache ich nun mit dieser Ansage?

Noch mittendrin und noch lang nicht ausgelesen: Yuval Noah Harari – „Sapiens A Graphic History The Birth of Humankind“

Frau S. aus H. hat mich jüngst mit einem Päckchen überrascht und darinnen dieses Buch, von dem ich schon jetzt weiß, dass es eines der besten sein wird, die ich in diesem Jahr gelesen haben werde. (Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Futur II anzuwenden, außer bei einem so dicken Bündel Vorschusslorbeeren…). Ach ja: danke, danke, danke!!

Eine Graphic Novel, basierend auf einem wissenschaftlichen Werk Hararis mit Unterstützung von David Vandermeulen (Co-Autor) and Daniel Casanave (Illustrator), so radikal das neue Medium nutzend, dass man jedem Panel mehrere Minuten Aufmerksamkeit widmen muss (und will), bis man es in seiner Gänze erfasst hat.

Sofort lesen! Lesen! Lesen!

Ich brauche doch anschließend wen, mit dem ich mich darüber unterhalten kann, ey!

Am Sonntag im Lenbachhaus, Kunstbau: “Turner. Three Horizons”

Die Demo wurde gerade so rechtzeitig wegen Überfüllung geschlossen, dass wir es noch zum gebuchten 16:00-Uhr-Slot in die Ausstellung schafften. Hätte aber auch nicht sein müssen: die Tate Gallery hatte nicht ihre besten Exponate verliehen und Turner, wiewohl einzigartig und – natürlich – Wegbereiter des Impressionismus und “Erfinder des Lichts” wird in diesem Leben nicht mehr unser Lieblingsmaler.